Temple Church in London
Kirche der Templer und Juristen
Mitten im Herzen Londons erhebt sich ein Bauwerk, das in einzigartiger Weise geistliche, ritterliche und juristische Geschichte miteinander verbindet: die Temple Church. Diese Kirche, im 12. Jahrhundert von den Tempelrittern errichtet, ist nicht nur ein eindrucksvolles Zeugnis ihrer Baukunst und Spiritualität, sondern wurde später auch zur Wiege der englischen Rechtstradition.
Gründung durch die Tempelritter
Die Tempelritter ließen sich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in London nieder. Um das Jahr 1185 weihte der Patriarch von Jerusalem die Temple Church, die als Ordenskirche diente. Ihr markantestes Merkmal ist der runde Kirchenbau, die sogenannte Round Church, die sich an der Grabeskirche in Jerusalem orientiert. Diese runde Architektur ist ein bewusstes Symbol: Der Templerorden stellte damit die Verbindung zwischen London und dem Heiligen Land her, zwischen irdischer Pflicht und himmlischem Auftrag.
Im Inneren der Round Church befinden sich bis heute Steinfiguren liegender Templerritter, die als Grabmäler dienten und die Erinnerung an jene Brüder wachhalten, die für Christus und die Pilgerwege kämpften.
Vom Orden der Ritter zu den Juristen
Nach der Auflösung des Templerordens im Jahre 1312 fiel die Kirche – wie viele Besitzungen der Ritter – an den Johanniterorden. Doch schon bald nahm sie eine neue Rolle ein: Der königliche Hof nutzte das Gelände als Zentrum für die Rechtsgelehrten Englands.
So entstand im Mittelalter die Tradition, dass die Temple Church zur Hauskirche der beiden großen Anwaltsgilden wurde:
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Inner Temple
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Middle Temple
Diese beiden Institutionen bildeten das Rückgrat der englischen Anwalts- und Richterschaft und machten die Temple Church zu einem geistigen und spirituellen Mittelpunkt des englischen Rechtslebens. Bis heute legen hier viele Barrister (höhergestellte Anwälte) den Grundstein ihrer juristischen Laufbahn.
Architektur und Symbolik
Die Kirche ist ein Meisterwerk romanisch-gotischer Baukunst. Die runde Vorkirche wurde später durch ein rechteckiges Langhaus erweitert, wodurch die Verbindung von Ost und West, von Mystik und Pragmatismus, auch architektonisch sichtbar wurde.
Die Reliefs, Glasfenster und Grabmäler tragen bis heute Zeichen der Templer: Kreuze, Ritterdarstellungen und biblische Szenen. Trotz zahlreicher Zerstörungen – unter anderem durch den Großen Brand von London 1666 und die Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs – wurde die Kirche immer wieder restauriert und bewahrt so ihre einzigartige Aura.
Tempelritter und Juristen – ein gemeinsames Erbe
Auf den ersten Blick könnte man glauben, Templer und Juristen hätten wenig gemeinsam. Doch die Temple Church zeigt eine geheime Kontinuität:
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Die Templer standen für Ordnung, Disziplin und das Recht Gottes.
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Die Juristen des Common Law entwickelten hier die Prinzipien des weltlichen Rechts.
So begegnen sich in der Temple Church bis heute das geistliche Gesetz und das menschliche Recht. Sie ist damit ein Symbol dafür, dass wahre Ordnung immer beides braucht: göttliche Weisung und menschliche Gerechtigkeit.
Die Temple Church heute
Heute ist die Temple Church ein lebendiges Bauwerk:
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Sie dient weiterhin als Gotteshaus, in dem regelmäßig Gottesdienste stattfinden.
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Sie ist ein Ort der Musik, berühmt für ihren Chor, der auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblickt.
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Sie ist eine historische Stätte, die Besucher aus aller Welt anzieht, die die Atmosphäre der Templer und Juristen spüren möchten.
Wer die Temple Church betritt, spürt sofort, dass dies kein gewöhnlicher Ort ist: Hier verschmelzen die mystische Aura der Tempelritter, die strenge Klarheit des Rechts und die geistige Kraft des Glaubens zu einer Einheit, die über Jahrhunderte hinweg Bestand hatte.
👉 Für uns Templer bleibt die Temple Church ein leuchtendes Beispiel: Ein Bauwerk, das nicht nur aus Stein, sondern auch aus Geist errichtet wurde – und bis heute die Brücke schlägt zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Ewigkeit.
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