✠✠✠✠✠✠ TEMPLER MAGAZIN ✠✠✠✠✠✠

Templer auf Mallorca

Bericht eines Bruders vom Werke der Eroberung und Verwaltung
Aufgezeichnet im Geiste der Armen Ritterschaft Christi zum Gedächtnis unseres Wirkens auf den Balearen

Die Insel unter dem Zeichen des Halbmondes

Als das 13. Jahrhundert voranschritt, stand die Insel Mallorca noch unter der Herrschaft des Almohadenfürsten Abu-Yahya. Doch war sie längst Ziel der Reconquista-Bestrebungen des aragonesischen Königshauses.

Die Lage der Insel — zwischen Iberien, Okzitanien und den Seewegen des Mittelmeers — machte sie zu einem Schlüssel für Handel, Krieg und Pilgerfahrt. Wer Mallorca hielt, hielt ein Tor zwischen den Welten.

Die Beratungen zur Expedition

Im Jahre des Herrn 1228 versammelten sich König, Räte und geistliche wie weltliche Herren zu Beratungen in Barcelona. Ein weiteres Treffen folgte 1229 in Tarragona.

Dort wurde unter König
Jayme I. von Aragón
beschlossen:

  • Eine große militärische Expedition gegen Mallorca auszurüsten.

  • Die Insel nach der Eroberung aufzuteilen.

  • Den Anteil jedes Teilnehmers nach der Stärke seiner gestellten Truppen zu bemessen.

So verband sich heiliger Krieg mit feudaler Ordnung — ein übliches, wenn auch gewichtige Verpflichtungen tragendes Übereinkommen.

Unser militärischer Beitrag

Wir Brüder des Tempels sagten zu, dem Unternehmen beizustehen:

  • 30 Ritter unseres Ordens

  • 20 Armbrustschützen

Spätere Zeugnisse sprechen jedoch nur noch davon, wir hätten „so viele Kämpfer wie möglich“ gestellt. Daher kann keine sichere Zahl überliefert werden. Gewiss aber ist: Wir nahmen teil, wie es unsere Pflicht im Kampf gegen die Feinde des Glaubens verlangte.

Unser Anteil an der Eroberung

Nach dem Sieg erhielten wir 25 Prozent Anteil an den Eroberungen — ein bedeutender, doch nicht ungewöhnlicher Anteil für unseren Einsatz.

Unsere Besitzungen umfassten:

  • Häuser und Werkstätten in Palma

  • Güter in Pollensa

  • Escorca

  • Inca

  • Montaña

  • Montuïri

  • Albufera

Diese Ländereien dienten der Versorgung, Verwaltung und wirtschaftlichen Festigung unserer Präsenz auf der Insel.

Bemerkenswert ist, dass König Jayme I. uns nichts aus seinem eigenen Anteil überließ — mit einer einzigen Ausnahme.

Die Almudaina de Gumâra – Unser Hauptsitz

Diese Ausnahme war die sogenannte Almudaina de Gumâra, Teil einer älteren arabischen Festungsanlage in Palma.

Heute bekannt als „El Temple“, wurde sie unser Hauptsitz auf Mallorca.

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Wir passten die Anlage unseren Bedürfnissen an:

  • Ausbau der Befestigungen

  • Konventsgebäude

  • Errichtung einer Kapelle für das Stundengebet

So wurde aus maurischer Wehrarchitektur ein christlicher Ordenssitz.


Verwaltung und Ordensstruktur

Mallorca wurde keine eigene Provinz unseres Ordens.

Stattdessen unterstand die Insel:

  • Dem Provinzmeister von Aragón/Katalonien

Dies zeigt, dass unsere Präsenz zwar bedeutsam, aber verwaltungstechnisch eingebunden blieb in die größere Ordensstruktur der Krone Aragón.

Nach dem Fall des Ordens

Als der Prozess gegen uns hereinbrach, traf er auch Mallorca.

Unsere Güter gingen — wie in vielen anderen Regionen — an die Brüder des Hospitals über.

Johanniterorden

Aus dem 15. Jahrhundert ist ein detailliertes Inventar unserer ehemaligen Besitzungen erhalten. Es gewährt späteren Zeiten Einblick in Umfang und Organisation unseres Inselbesitzes.


Erhaltene Bauzeugnisse unseres Wirkens

Noch heute finden sich Spuren unserer Anwesenheit.

Kirche von Pollensa

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Die Kirche gilt als eines der sichtbarsten Zeugnisse templischer Sakralarchitektur auf der Insel.

Der Temple in Palma

Vom Hauptsitz in Palma sind noch Teile erhalten:

  • Das von zwei Türmen flankierte Eingangstor

  • Teile der ursprünglichen Anlage

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Die eigentliche Kirche erlitt jedoch Verlust:

  • 1885 wurde das Kirchenschiff durch einen neugotischen Bau ersetzt.

  • Original erhalten blieben nur Atrium und Portal.

Das Altarbild des Hl. Bernhard

Besondere Erwähnung verdient das einstige Altarbild unserer Kirche in Palma.

Es zeigt Szenen aus der Legende des
Bernhard von Clairvaux — jenes großen Förderers unseres Ordens.

Heute befindet sich das Werk im örtlichen Museum.

Bedeutend ist es vor allem, weil es:

  • Die älteste bekannte Darstellung einer Lactatio des Heiligen zeigt —
    also die mystische Szene, in der Maria Bernhard mit Milch nährt als Zeichen göttlicher Weisheit.

So verband sich auf Mallorca unsere militärische Mission mit tiefer bernhardinischer Spiritualität.

Schlusswort eines Bruders

Mallorca war für uns mehr als Beute eines Kreuzzuges.

Sie war:

  • Ein Bollwerk gegen den Halbmond

  • Ein Stützpunkt im Meer

  • Ein Ort des Gebets, der Arbeit und der Verwaltung

Von den Mauern der Almudaina bis zu den Kirchen von Pollensa lebte unser Auftrag fort: das Schwert im Dienste des Kreuzes zu führen — und das Kreuz im Herzen zu tragen.

Mögen die verbliebenen Steine Zeugnis geben von unserem Wirken, nachdem unsere Stimmen längst verklungen sind.

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