✠✠✠✠✠✠ ASTO TEMPLER-BLOG ✠✠✠✠✠✠

Templer-Tour de France

Die Kapelle von Laon (02559 Laon, Aisne, Hauts-de-France)

Ankunft in Laon

Bruder, wenn du dich auf den Weg in die alte Bischofsstadt Laon begibst, so wirst du schon von weitem die gewaltige Kathedrale sehen, deren Türme sich wie Finger in den Himmel recken. Dort, im Süden der Altstadt, verborgen zwischen engen Gassen und alten Mauern, findest du ein Relikt unseres Ordens: die Templerkapelle.

Die Anreise sei dir beschrieben:
Von der Rampe d’Ardon gelangst du zur Promenade de la Couloire, wo du dein Gefährt abstellen kannst – heute noch ohne Abgabe von Zins oder Steuer. Von dort schreite zu Fuß durch den Torturm in der Rue Enguerrand Quarton, der dich in das Herz der Altstadt führt. Nach wenigen Kreuzungen biegst du in die Rue Georges Ermant ein, und schon nach kurzer Strecke erhebt sich zur Linken der Hof des Musée d’Art et d’Archéologie du Pays de Laon. Dort, still und unscheinbar, steht die Kapelle der Tempelritter.

Strategische Bedeutung

Laon war nie eine unbedeutende Stadt. Seit dem 5. Jahrhundert war sie Sitz der Bischöfe, und vom 12. bis zum 13. Jahrhundert wuchs sie zu einer geistigen Hochburg Frankreichs heran. Für uns Templer war sie eine feste Station auf der via francigena, jenem Pilgerweg, der von Canterbury bis nach Rom führte und weiter zu den heiligen Stätten des Ostens.

Es war von größter Bedeutung, hier vertreten zu sein: Nachrichten, Pilger, Kaufleute und Könige kreuzten an diesem Ort ihre Wege. Wie auch in Mainz oder an anderen Bischofssitzen hielten wir hier eine Niederlassung – nicht aus Gehorsam gegenüber den Bischöfen, denn unser Orden unterstand allein dem Papst, sondern aus kluger Voraussicht, um mitten im Fluss der Ereignisse zu stehen.

Ein Bauwerk mit Symbolkraft

Die Kapelle von Laon wurde um 1140 errichtet und ist ein achteckiger Zentralbau. Viele meinten lange Zeit, solche Formen seien eine Eigenart oder gar eine Erfindung unseres Ordens. Doch die Wahrheit ist tiefer: Schon vor uns gab es achteckige Kapellen, oft auf Friedhöfen, wie etwa die verlorene Kapelle der Abtei Saint Vincent von Laon.

Was jedoch unsere Kapelle einzigartig macht, sind die verzierten Köpfe, die ihre Mauern schmücken. Manche gleichen Katzen, andere tragen groteske, fast karikaturhafte Züge. In Girona sah ich ähnliche Darstellungen, und so mag man fragen: War dies nur eine Spielerei der Steinmetze, ein Ausdruck von Sympathie für ein Tier, oder deutet es auf eine verborgene Bedeutung hin?

Unsere Gegner warfen uns später vor, wir hätten Katzen angebetet. Demurger, ein Chronist späterer Jahrhunderte, verweist darauf. Doch wer die Wahrheit kennt, weiß: Solche Zeichen waren wohl eher verschlüsselte Sinnbilder – Hinweise auf die Wachsamkeit, das verborgene Wissen, vielleicht auch auf die geheimnisvolle Verbindung zwischen Licht und Finsternis, wie wir sie in vielen Symbolen finden.

Geschichte und Stiftung

Eine alte Urkunde, ausgestellt vom Bischof Barthélémy de Vire, berichtet, dass eine Adlige namens Amultrude um das Jahr 1140 den Brüdern des Ordens Güter in Laon übertrug. Dies war der Beginn unserer Präsenz hier. Von dort aus stärkten wir unseren Einfluss, boten Schutz, leiteten Handelsgeschäfte und sicherten die Pilgerwege.

Die Kapelle, die du heute siehst, ist ein stiller Zeuge dieser Stiftung. Ihre Mauern atmen noch den Geist jener Zeit, als Ritter und Mönche gleichermaßen ihr Gebet an diesem Ort erhoben.

Ein Ort der Betrachtung

Wenn du Laon besuchst, dann bleibe nicht nur kurz stehen. Tritt ein in den Hof des Museums, verweile an den Mauern der Kapelle und lasse die Symbole auf dich wirken. Vielleicht erkennst du im stillen Stein etwas von dem Geheimnis, das uns Templer stets begleitete: die Verbindung von weltlicher Macht, geistiger Tiefe und mystischem Wissen.

Und wenn du weiterziehst, dann erinnere dich: Diese Kapelle war eine Station auf dem großen Pilgerweg Europas, ein Knotenpunkt in einem Netz heiliger Orte, das sich über das ganze Land spannte.

Abschließende Gedanken

So endet die Etappe unserer Templer-Tour in Laon. Von hier führte unser Weg weiter nach Soissons, wo wir Ruhe und Gemeinschaft fanden – und wo wir, nach den Mühen des Tages, mit Dankbarkeit und Freude ein einfaches Mahl teilten.

Doch die Kapelle von Laon bleibt im Gedächtnis: als Bauwerk von schlichter Schönheit, als Ort der Begegnung von Geschichte und Mysterium, als lebendiger Stein im Gefüge des Ordens.

Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam.

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