⚔️ Gedanken am 17. August
Jeder Mensch ein Lehrer – Die Gefahr der Idealisierung überwinden
Auf der Suche nach Vorbildern für unser spirituelles Leben laufen wir leicht Gefahr, Menschen zu idealisieren. Wir sehen in ihnen das, was wir selbst anstreben, und blenden ihre Schwächen aus – bis wir erkennen müssen, dass auch sie nur Menschen sind. Dann folgt oft die Enttäuschung, manchmal sogar der Verlust jeglicher Wertschätzung.
Doch die Wahrheit ist: Die meisten Menschen sind ein Gemisch aus sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Manche Seiten von ihnen sind inspirierend und vorbildhaft, andere wiederum zeigen, dass auch sie noch zu lernen und zu wachsen haben.
Die Entweder-oder-Haltung – erleuchtet oder nicht erleuchtet, Heiliger oder Sünder – hindert uns daran, wirklich von anderen zu lernen. Wir sperren sie in Schubladen, statt offen zu sehen, welche Erfahrung oder Weisheit sie uns schenken können.
Wenn wir hingegen unseren Horizont erweitern und jeden Menschen als potenziellen Lehrmeister betrachten, verändert sich unser Blick. Jede Begegnung, ob angenehm oder herausfordernd, kann uns innerlich wachsen lassen. Die zentrale Frage lautet dann nicht mehr: „Ist dieser Mensch ein Vorbild?“ sondern: „Was kann ich von ihm lernen?“
Tempelarbeit
Gedankt sei Dir, Großer Geist, für die Gabe des Lebens und für die fortwährende Bereicherung meiner Seele, die mir Freude, Dankbarkeit, Frieden und Seligkeit schenkt. Möge ich lernen, jedes Ereignis und jeden Menschen, dem ich begegne, als einen Lehrer zu betrachten. Befreie mich von der Neigung zu idealisieren und dann enttäuscht zu sein, und hilf mir, jede Lehre – besonders die unangenehmen – als ein Geschenk zu erkennen und anzunehmen.
Verweile nun einige Minuten im Gebet der Sammlung, in einer inneren Vorstellung des schützenden Eis aus Licht oder in der Shamatha-Vipassana-Meditation. Lass dabei den Gedanken in dir reifen, dass in jedem Wesen ein Funke der Weisheit ruht, der dich lehren kann.
