✠✠✠✠✠✠ TEMPLER MAGAZIN ✠✠✠✠✠✠

Die Assassinen

Der Schattenorden vom Berge Alamut

Wenn wir Templer auf unsere eigene Geschichte blicken, so erkennen wir, dass wir stets zwischen Licht und Dunkel, zwischen Wahrheit und Verleumdung gestanden haben. Doch im Orient gab es einen anderen Geheimbund, der wie ein düsteres Spiegelbild unserer eigenen Gemeinschaft wirkte: die Assassinen, von den Chronisten der Kreuzzüge gefürchtet und von Herrschern ebenso gehasst wie gefürchtet.

Ursprung in den Bergen Persiens

Gegründet wurde der Bund im 11. Jahrhundert durch Hassan-es-Sabbah, einen fanatischen Prediger der ismailitischen Richtung des Islams. Er errichtete seine Zentrale auf der uneinnehmbaren Festung Alamut, die hoch über den Tälern des Iran thronte.

Von dort aus schuf er eine Organisation, die im Geheimen operierte und deren Mitglieder ihm absoluten Gehorsam schworen. In mystischer Strenge, durch Zahlensymbolik, magische Riten und den Gebrauch berauschender Substanzen geprägt, wurden die Jünger geformt. Ihr Glaube: Ein Mord im Auftrag des „Alten vom Berge“ sei ein Weg ins Paradies.

Die Fedaijin – Geweihte des Todes

Die ausgewählten Attentäter, die Fedaijin, waren bereit, für ihren Auftrag zu sterben. Sie verschwendeten keinen Gedanken an Flucht oder Rückkehr – ihr Ziel war allein die Vernichtung des Feindes.

So schlichen sie in die Lager ihrer Gegner, mischten sich als Diener oder Pilger verkleidet unter die Menschen und warteten oft jahrelang auf den einen Moment, in dem sie zuschlugen. Selbst große Herrscher wie Saladin entgingen nur knapp ihren Klingen.

Ihre Morde waren keine sinnlose Gewalt, sondern politische Instrumente, die Furcht und Chaos säten. Der Tod eines Fürsten konnte mehr Wirkung entfalten als eine ganze Schlacht.

Macht und Einfluss im Orient

Im Laufe der Zeit kontrollierten die Assassinen ein Netz von Burgen und Stützpunkten in Persien und Syrien. Kein Herrscher konnte sich sicher fühlen, solange der Alte vom Berge seine Hand über den Dolch seiner Jünger hielt.

Manche Kreuzfahrer sahen in ihnen zeitweilige Verbündete gegen die sunnitischen Kalifen, andere erlitten selbst ihre tödlichen Anschläge.
Es hieß sogar, die Assassinen hätten in geheimer Verbindung zu den Templern gestanden, da beide Orden in strengen Strukturen organisiert waren und das weiße Gewand mit rotem Zeichen trugen. Ob Wahrheit oder Legende – es zeigt, welch mystischen Ruf sie schon damals besaßen.

Der Untergang der Assassinen

Doch selbst ein Geheimbund, der auf Schrecken und Täuschung gründete, konnte dem Sturm der Geschichte nicht widerstehen.
Im 13. Jahrhundert führte der Mongolenfürst Hülegü, Enkel Dschingis Khans, seine Heere nach Persien. Die Burgen der Assassinen fielen eine nach der anderen, ihre Anführer wurden getötet.

Der letzte „Alte vom Berge“, Rukn ad-Din Churschah, wurde 1256 zur Kapitulation gezwungen – und bald darauf ermordet. Mit ihm erlosch die Macht der Assassinen, doch nicht ihr Mythos.

Vermächtnis eines Schreckens

Die Assassinen waren kein Orden der Barmherzigkeit, sondern ein Bund des Dolches und der Täuschung. Sie schufen ein System, das durch Angst regierte und die Politik der Region über Jahrzehnte beeinflusste.

Und doch: In ihrem Wirken spiegeln sich viele Fragen wider, die auch wir Templer kennen. Was ist Gehorsam? Was ist Glaube? Und wo endet die Loyalität gegenüber einer Idee, wenn sie das Leben selbst fordert?

So stehen die Assassinen als dunkle Mahnung in der Geschichte des Mittelalters: Ein Geheimbund, der sein Schicksal im Blut suchte – und daran zugrunde ging.


⚔️ Wir Templer aber wählten den Weg des Kreuzes, nicht des Dolches. Wir schworen dem Licht, nicht der Finsternis. Doch wer die Assassinen betrachtet, erkennt, wie nah beieinander Glaube und Fanatismus, Tapferkeit und Wahnsinn, Licht und Schatten liegen.

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