Glaubenssätze:

1. Gott ist alles, was da ist. Jeder Teil von dem, was da ist, ist ein Teil von Gott, aber ist nicht Gott selbst. Unveränderlich in seinem Wesen, ist Gott veränderlich in seinen Teilen, welche, nachdem sie unter den Gesetzen gewisser mehr oder weniger zusammengesetzter Verbindungen existiert haben, wiederum unter den Gesetzen neuer Verbindungen entstehen. Alles ist unerschaffen.

2. Gott ist die höchste Intelligenz. Jeder seiner Teile ist, gemäss seiner Bestimmung, auch mit einem Teile dieser Intelligenz begabt. Aus diesem Grunde gibt es eine unendliche Steigerung der Intelligenzen, welche aus den unendlich verschiedenen Zusammensetzungen hervorgeht, deren Vereinigung das Universum bildet.
Dieses Universum ist das grosse All oder Gott. Er allein hat die Macht, alle Ordnungen der Intelligenzen zu bilden, abzuändern, zu wechseln und zu regieren und zwar nach den ewigen und unveränderlichen Gesetzen einer unendlichen Gerechtigkeit und Güte.

3. Gott, das unendliche Wesen, besteht aus drei Kräften, dem Vater oder dem Sein, dem Sohne oder dem Wirken, dem Geiste oder der Intelligenz, welche von der Kraft des Vaters und des Sohnes ausgeht. Diese drei Kräfte bilden eine Dreieinheit, jene Kraft, die da ist unendlich, einig und unteilbar.

4. Der Mensch ist mit freiem Willen begabt, welcher die unerlässliche Bedingung ist, Verdienste oder keine zu haben. Die Belohnungen richten sich nach der Übung der Tugenden, welche Glaube, Hoffnung, Liebe und der Inbegriff der christlichen Religion sind. Glaube und Hoffnung ohne Liebe dienen zu nichts, diese kann vielmehr in ihrer Stärke die Stelle jener einnehmen. Jeder von Liebe erfüllte Mensch besitzt das volle Christentum, woraus zu schliessen, dass alle Menschen zum ewigen
Heile bestimmt sind. Wie es uns nicht verstattet ist, die Beschaffenheit, Veränderungen und Dauer der Belohnungen zu erkennen, ebenso verhält es sich mit der Natur und der Dauer der Strafen.

5. Nur eine wahre Religion gibt es. Diese erkennt einen einzigen Gott an, welcher die unendliche Zeit und den unendlichen Raum erfüllt. Die Ordnung der Natur ist unveränderlich, daher alle Lehren, welche man auf eine Veränderung der Naturgesetze stützen wollte, irrig sind.

6. Es gibt keine andere als die Naturreligion, welche in den griechischen und ägyptischen Mysterien erhalten ist. Mose, tief eingeweiht in die ägyptischen Geheimlehren, verpflanzte die Einweihung und deren Lehrsätze auf die Hebräer, indem er den Leviten der höheren Ordnung die religiösen Wahrheiten anvertraute.
Allein die Leidenschaftlichkeit und das Interesse dieser Leviten hatten das ursprüngliche Gesetz verderbt. Jesus von Nazareth, durchdrungen von einem durchaus göttlichen Geiste, kehrte, nachdem er in Ägypten alle Grade der Weihe, mit ihnen den Heiligen Geist und die theokratische Macht empfangen, nach Judäa zurück. Die jüdischen Priester verbanden sich gegen ihn. Aber Jesus, indem er seine erhabenen Betrachtungen auf Veredlung der Sitten und auf das Glück der Menschen
richtete, zerriss die Hülle, welche den Völkern die Wahrheit verbarg, lehrte Nächstenliebe, Gleichheit der Rechte aller Menschen vor ihrem gemeinschaftlichen Vater, weihte durch ein göttliches Opfer seine himmlischen Lehren und befestigte durch das Evangelium die in das ewige Buch der Natur geschriebne Religion auf immer.

7. Jesus übertrug die evangelische Weihe und die Herrschaft seiner von ihm gestifteten Kirche auf Johannes, den geliebtesten seiner Schüler und auf die übrigen Apostel, ohne Judas Ischarioth und Petrus auszunehmen, von denen dieser zu feig war, ihn zu verleugnen, jener das schändliche Verbrechen beging, ihn seinen Fein den zu überliefern. Darauf ist das Patriarchat ohne Unterbrechung von Johannes bis Theoklet im Jahre 1118 und von da bis jetzt auf die Grossmeister des Templerordens übergegangen, welche aus diesem Grunde sich Johanniter oder Urchristen nennen.

8. Jesus, seinen Feinden überliefert, starb, um die Wahrheit zu bekräftigen, hieraufkehrte er in das ewige Leben zurück. Was ist aber das ewige Leben? Es ist das Vermögen, mit welchem jedes Wesen begabt ist, selbständig zu leben und unendlicher Veränderungen teilhaftig zu werden, indem es sich unaufhörlich mit anderen Wesen vereinigt, je nachdem es durch die ewigen Gesetze der Weisheit, Gerechtigkeit und unendlichen Güte der höchsten Intelligenz vorgeschrieben ist.

9. Drei symbolische Gebräuche werden als Sakramente gefeiert:
1) Die Taufe, welche durch Darreichung des Wassers das Symbol der Reinigung vor dem Herrn
ist.
2) Das Abendmahl ist durch Darreichung des Brotes und des Weines ein Symbol
der Liebe, welche die Gläubigen vereinigen muss.
3) Das Priestertum oder die Macht, die Gläubigen zu leiten und ihnen die religiösen Wahrheiten mitzuteilen, welche Jesus auf die Apostel mit dea Worten: »Empfanget den Heiligen Geist, welchen ihr die Sünden vergebt, denen sind sie vergeben, welchen ihr sie behaltet, denen
sind sie behalten« übertragen hat.

10. Der Glaube der Templer ist auf zwei Autoritäten gegründet, auf die Tradition und die Schrift. Unter Tradition begreifen sie die heiligen und profanen Gebräuche nebst den Disziplinargesetzen, welche von Anfang an durch die Leviten, als Diener Gottes, überliefert worden sind. Die Schrift umfasst die in der christlichen Kirche als heilig anerkannten Bücher und überhaupt das Evangelium und die Briefe unseres Bruders, Vaters und Herrn, des Apostels und Patriarchen Johannes, dann aber auch die Bücher, welche in unserem Tempel in vollkommener Integrität aufbewahrt werden und welche die gesamte Lehre der katholischen oder allgemeinen Religion enthalten.