Wenn der Staat darbt – und der Trog dennoch voll ist
Eine Betrachtung aus Sicht eines Templers
In Zeiten, da unsere Staaten klamm sind und Schulden wie Schatten über den Haushalten liegen, höre ich aus den Mündern der Mächtigen immer wieder dasselbe Wort: Steuerbetrug. Gemeint sind die Bürgerinnen und Bürger, die tricksen, verschweigen oder sich entziehen.
Doch ich frage – und ich frage laut:
Gibt es nicht auch einen Besteuerungsbetrug von oben, wenn mit dem Geld des Volkes maßlos umgegangen wird?
Zwei Arten von Betrug – nur eine wird benannt
Wenn der Staat mehr nimmt, als er sorgsam zu verwalten bereit ist, wenn Verschwendung zur Gewohnheit wird und Luxus zur Selbstverständlichkeit, dann wird nicht gegen das Gesetz verstoßen – wohl aber gegen den Geist des Vertrages zwischen Regierenden und Regierten.
In Frankfurt wurde eine öffentliche Toilette für rund eine Million Euro errichtet. Man mag erklären, rechtfertigen, relativieren – doch der einfache Bürger spürt instinktiv: Hier stimmt das Maß nicht. Und wo das Maß verloren geht, beginnt der Vertrauensbruch.
Dienstwagen, Privilegien und der Abstand zum Volk
Politiker fahren große Dienstautos, oft mit zwei Fahrern, „um jederzeit einsatzbereit zu sein“. Einsatzbereit – wofür? Für das Volk oder für den eigenen Terminkalender?
Dass es auch anders geht, zeigt die Schweiz. Dort sieht man Regierungsmitglieder, die mit der Bahn fahren, ohne Eskorte, ohne Glanz. Nähe entsteht nicht durch gepanzerte Limousinen, sondern durch Vorbild.
Und dennoch zahlen wir in anderen Ländern Friseur, Kosmetikerin, Kleidung – trotz üppiger Gehälter. Der Templer erkennt hierin ein altes Muster: Wer sich vom Alltag entkoppelt, verliert den Blick für das Wesentliche.
Pensionen wie aus einer anderen Welt
Besonders deutlich wird die Schieflage bei den Ruhegehältern. In Österreich kann eine Politikerpension bei rund 19.000 Euro im Monat liegen. Der Bürger hingegen rechnet, spart, hofft – und soll länger arbeiten.
Wie soll da noch von gemeinsamer Last gesprochen werden?
Wahlgeschenke und das Bleiben am Trog
Kurz vor Wahlen werden Geschenke verteilt: Zuschüsse, Prämien, neue Versprechen. Nicht aus langfristiger Verantwortung, sondern aus taktischem Kalkül. Der Templer kennt dieses Spiel aus alten Chroniken: Brot und Spiele sichern Macht – aber nicht Zukunft.
So entsteht der Eindruck, dass manche weniger dem Staat dienen als vielmehr am Futtertrog der Macht verweilen wollen. Und dieser Eindruck ist Gift für jede Ordnung.
Die Lehre des Templers
Steuerbetrug beginnt nicht erst beim Bürger. Er beginnt dort, wo das Steuergeld seinen Charakter als anvertrautes Gut verliert. Politiker sind keine Herren über die Kassen – sie sind Treuhänder.
Solange Verschwendung nicht als moralisches Versagen gilt, solange Privilegien nicht hinterfragt werden und solange Maßlosigkeit folgenlos bleibt, wird der Ruf nach Ehrlichkeit von unten hohl klingen.
Ein Staat wird nicht arm, weil seine Bürger zu wenig geben.
Er wird arm, wenn jene, die nehmen, das Maß vergessen.

