Wer kümmert sich heute noch um internationales Recht?
Unser Orden kannte das Gesetz des Stärkeren – aber wir kannten auch das Gesetz des Maßes. Ohne Regeln verkommt Macht zur Willkür. Darum frage ich heute, in einer Welt der Drohnen und Sanktionen, der Narrative und „präventiven Maßnahmen“: Wer schützt noch das internationale Recht? Und wer das Menschenrecht?
Wir wissen: Russland beruft sich auf eigene Logiken. China ebenfalls. Und bei den Vereinigte Staaten von Amerika hoffen viele noch, dass Recht und Ordnung tragen. Doch Hoffnung ist kein Beweis. Auch die USA haben in der Vergangenheit immer wieder Völkerrecht und Menschenrechte verletzt – nicht als Ausnahme, sondern als Muster, wenn Interessen es verlangten.
Unser h.e. Grossmeister erinnert sich an Panama. Ohne Kriegserklärung wurde militärische Gewalt eingesetzt; Kasernen und Regierungsgebäude wurden bombardiert; der Präsident, der sich in die Botschaft des Vatikans geflüchtet hat, wurde festgenommen betäubt und in die USA verschleppt. Die Rechtfertigung lautete: Drogenhandel. Das Verfahren fand nicht vor einem internationalen Gericht statt, sondern vor dem Recht des Siegers. Das Muster war klar: militärischer Zugriff, Delegitimierung, Abführung, Urteil.
Heute werden ähnliche Narrative wieder bemüht – auch im Zusammenhang mit Venezuela. Ich spreche hier nicht von bestätigten Tatsachen, sondern von Befürchtungen und Deutungen, die sich aus der Geschichte speisen. Wo Luftoperationen, Sanktionen, Sonderbefugnisse und extraterritoriale Strafverfolgung zusammenspielen, entsteht der Eindruck eines bekannten Drehbuchs: erst moralische Anklage, dann Zwang, schließlich „Ordnung“.
Auch die Logik der Vorverurteilung ist alt: Fischerboote, aus der Luft beschossen, weil man annahm, sie führten Drogen. Annahmen ersetzen Beweise, Macht ersetzt Verfahren. Ein Templer weiß: Recht beginnt dort, wo der Verdacht endet und das Verfahren beginnt.
Mit dem gleichen Argument Drogenhandel wurde jetzt Venezuela überfallen und der Präsident mit seiner Frau entführt. Wahrscheinlich wird auch er in die USA gebracht und verurteilt.
Wie geht es weiter, wenn Führungsebenen vor äußeren Forderungen knien – oder wenn sie es nicht tun? Beides birgt Gefahren. Verweigert man sich, drohen Chaos und Zersetzung. Fügt man sich und tut dass was Trump verlangt kehrt oberflächliche Ruhe ein – erkauft mit Souveränität. Ordnung durch Gehorsam ist jedoch keine Ordnung des Rechts, sondern der Abhängigkeit.
Und die Zukunft? Wer die Geschichte liest, erkennt die Abfolge der „Vorhöfe“. Nach dem einen Land das nächste. Es wird stets gesagt, es gehe um Stabilität. Doch Stabilität ohne Recht ist nur Stille vor dem nächsten Eingriff. Heute diskutiert man über Karibik und Lateinamerika; morgen über andere Räume. Das Prinzip bleibt gleich.
Als nächster wird es wahrscheinlich um Kuba gehen.
Ich spreche nicht, um Lager zu bedienen. Ich spreche, um Maß zu fordern. Internationales Recht ist kein Schmuck für Sonntagsreden. Es ist das Geländer an der Klippe der Macht. Wird es selektiv angewandt, verliert es seine Autorität. Wird es ignoriert, ersetzt Gewalt das Verfahren.
So mahnt ein Templer:
Nicht wer siegt, entscheidet über Recht – sondern wer sich ihm unterwirft.
Und ein Reich, das glaubt, Ordnung durch Zwang herstellen zu können, wird lernen, dass Ordnung ohne Recht stets nur geliehen ist.
Das Foto zeigt unseren h.e.Grossmeister vor der Aussenmauer mit Propaganda, der Kaserne von Rio Harto in Panama.

