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⚔️ Gedanken am 2. November

Allerseelen – Die Hochzeit des Geistes

Ambivalenz des Gedenkens

Allerseelen ist in vielen Ländern ein Tag voller Gegensätze. Einerseits gedenken wir in stiller Trauer unserer Verstorbenen, andererseits erkennen wir im Tod auch den befreienden Aspekt. Aus irdischer Sicht bedeutet der Tod Abschied und Verlust. Doch für den Mystiker, der sein Leben der Vereinigung mit dem Göttlichen geweiht hat, ist er ein freudiges Ereignis – die Hochzeit des Geistes mit seinem Ursprung.

Jesus selbst sprach von diesem Fest der Wiedervereinigung, und auch andere religiöse Lehrer haben es beschrieben. C. G. Jung berichtet in seiner Autobiographie, dass die Freunde des kabbalistischen Weisen Rabbi Simon ben Jochai beim Tod ihres Meisters sagten: „Er feiert Hochzeit.“ In manchen Ländern wird dieser Gedanke noch lebendig bewahrt, wenn die Menschen zu Allerseelen auf den Gräbern Picknicks veranstalten und damit ausdrücken, dass der Tod nicht Ende, sondern Übergang in Freude ist.

Der mystische Blick des Templers

Für den Templer ist der Tod kein Feind, sondern ein Tor. Ein Tor, das sich öffnet, wenn die irdische Wanderschaft vollbracht ist, und das in die Heimat des Geistes führt. Trauer und Freude vereinen sich an diesem Tag: Trauer über den Abschied, Freude über die Heimkehr.

Wer den Weg der Läuterung, des Gebets und der inneren Hingabe geht, weiß, dass der Tod die Krönung des Lebens ist – die Hochzeit des Geistes mit dem Ewigen.

Die tägliche Templerarbeit

Das Gedenken an Allerseelen erinnert uns daran, auch im Leben den Tod als Lehrer zu betrachten und uns täglich zu bereiten.

Gebet des Templers zu Allerseelen:

Göttlicher Geliebter, bisweilen scheinst Du mir im alltäglichen Leben so fern.
Möge diese Kluft geschlossen werden durch meinen Wunsch, eins mit Dir zu sein – jetzt und im Augenblick des Todes.
Wenn meine Stunde kommt, möge ich auf den Schwingen des Gewahrseins, der Vergebung, der Toleranz, der Dankbarkeit und des Wunsches, allen Wesen zu dienen, an Dein Herz fliegen.
Möge alles Dunkle in mir verzehrt werden, sodass nur die Reinheit der Liebe strahlt.

Danach verweilen wir für einige Minuten im stillen Gebet, in der Sammlung oder in der Meditation des Lichts – Shamatha, Vipassana oder das Gebet des Eises aus Licht.

Fazit

Allerseelen lehrt uns, den Tod nicht nur zu fürchten, sondern ihn als Begleiter zu erkennen. Wer täglich mit dem Göttlichen lebt, der wird am Ende nicht in Dunkelheit fallen, sondern in ein Fest der Liebe und Heimkehr eintreten.

So wird Allerseelen für den Templer nicht nur ein Tag der Trauer, sondern ein Tag der Hoffnung und des Vertrauens.

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