Die Geschichte des Malteserorden neu erzählt
Kurz vor der Vollendung seines 72. Lebensjahres starb Mitte November Fra‘ Matthew Festing, von 2008 bis 2017 der 79. Großmeister des Malteserordens. Er starb, und wird dort auch begraben, auf Malta, aber er war kein Großmeister mehr, als er starb. Festing, der dritte Brite im Amt, beugte sich seinerzeit einem Wunsch des Papstes; vorausgegangen war ein bitterer, bis heute nachklingender ordensinterner Konflikt. Dessen Geschichte wird einmal geschrieben werden. Die des mehr als neunhundert Jahre alten Ritterordens, des letzten, der als solcher in der katholischen Kirche überlebt hat, wird immer wieder aufs Neue bestaunt und beschrieben.
Mit einem Schwerpunkt auf dem mitteleuropäischen Erbe des Ordens tut das ein trefflich ausgestattetes Buch zweier Kenner aus Österreich. Fra‘ Ludwig Call zu Rosenburg, selbst Ordensritter, und der auf Ritterorden spezialisierte Historiker Gregor Gatscher-Riedl bieten eine üppig illustrierte Gesamtgeschichte, legen aber einen Schwerpunkt auf Zentraleuropa und besonders auf Österreich, wo es ein Großpriorat des Ordens gibt. Diese traditionelle Gliederungsform setzt Angehörige des ersten Orden-Standes voraus, insbesondere Professritter wie Fra‘ Ludwig, die, ohne Priester zu sein, die drei Gelübde ablegen wie alle Ordensleute. Sie sind das Rückgrat des Ordens und zugleich die Verbindungslinie in neun Jahrhunderte Vergangenheit. Ihre Lebensform und Funktion im Orden gehören aktuell, neben anderen Bestimmungen der Ordensverfassung, zu den Punkten, um die gerungen wird. Der Malteserorden will heute nur noch ein dienender Orden sein, der Kranken und anderen Bedürftigen weltweit hilft.
