✠✠✠ INTERESSENTEN BLOG ✠✠✠

Ein heiliger Hetzpredigten

Johann von Capistran (italienisch: Giovanni da Capestrano) ist eine umstrittene Figur der Kirchengeschichte, und seine Heiligsprechung wird heute von vielen Historikern und Menschen kritisch hinterfragt.

Wer war Johann von Capistran?

Er lebte im 15. Jahrhundert (1386–1456) und war ein Franziskaner, Prediger und Inquisitor. Er war bekannt für seine fanatischen Predigten, seinen Kampf gegen „Häresien“ und seinen Einsatz gegen Juden, Hussiten und andere Gruppen, die er als Bedrohung für den katholischen Glauben ansah.

Was ist historisch belegt?

Johann von Capistran hielt im 15. Jahrhundert viele fanatische und hasserfüllte Hetzpredigten gegen jüdische Gemeinden in Mitteleuropa, vor allem im heutigen Deutschland, Österreich und Ungarn. Dabei:

  • Rief er die Bevölkerung dazu auf, Juden des Wuchers, der „Gotteslästerung“ und anderer angeblicher Verbrechen zu beschuldigen.
  • Forderte er strenge Maßnahmen, Vertreibungen und Enteignungen der jüdischen Gemeinden.
  • Seine Predigten lösten oft Pogrome (gewaltsame Ausschreitungen gegen Juden) aus, bei denen es zu Plünderungen, Zwangstaufen, Vertreibungen und auch zu Tötungen kam.

Viele Historiker sehen ihn deshalb als mitschuldig an Morden und schwerem Unrecht gegen Juden, auch wenn er wahrscheinlich nicht selbst Hand anlegte.

Konkrete Folgen:

  • In mehreren Städten (z. B. in Wien, Regensburg, Krakau) kam es nach seinen Auftritten zu Vertreibungen und Massengewalt gegen Juden.
  • Synagogen wurden zerstört, jüdische Viertel niedergebrannt.
  • In manchen Quellen ist von erzwungenen Konversionen die Rede, die mit Gewaltandrohung einhergingen.

Bewertung heute:

Aus heutiger Sicht wird das als antijüdischer Fanatismus gewertet, und sein Beitrag zu Gewalt und Tod vieler Juden wird klar kritisiert. Deshalb ist seine Verehrung heute sehr umstritten, insbesondere im Kontext des interreligiösen Dialogs und der Aufarbeitung des Antisemitismus in der Kirchengeschichte.

Warum wurde er heiliggesprochen?

Johann von Capistran wurde 1690 von Papst Alexander VIII. heiliggesprochen, also fast 250 Jahre nach seinem Tod. Der Grund für seine Heiligsprechung lag hauptsächlich in seinem:

  • Engagement für die Verteidigung des katholischen Glaubens in einer Zeit religiöser Konflikte,
  • seiner Rolle im Kampf gegen die Osmanen (was in damaliger Zeit als Schutz des „christlichen Europas“ angesehen wurde),
  • seinem asketischen, „frommen“ Lebensstil.

In der damaligen Sichtweise wurden seine fanatischen Predigten und seine intolerante Haltung als Eifer im Glauben gedeutet.

Warum wird er heute noch mit Denkmälern geehrt?

Viele Denkmäler entstanden in einer Zeit, als nationale und kirchliche Heldenfiguren gebraucht wurden – oft ohne kritische Auseinandersetzung mit ihren Schattenseiten. Auch in Ländern wie Österreich, Deutschland und Ungarn wird er als „Verteidiger des Glaubens“ geehrt.

Kritische Sicht heute

In der heutigen Zeit wird sein Wirken sehr kritisch betrachtet:

  • Seine Rolle bei Gewalt gegen Juden und andere religiöse Gruppen widerspricht modernen Vorstellungen von Religionsfreiheit und Menschenrechten.
  • Auch die katholische Kirche sieht historische Heilige zunehmend differenzierter und reflektiert deren Kontext.

Allerdings ist eine Heiligsprechung theologisch nicht revidierbar – die Kirche erklärt jemanden als „heilig“, aber das bedeutet nicht, dass alle seine Handlungen fehlerfrei oder nach heutigem Maßstab moralisch sind.

Schreibe einen Kommentar