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Templerinnen – Frauen im Umfeld des Templerordens

Zwischen Mythos und Realität

Wenn vom Templerorden die Rede ist, denkt man meist an schwer gerüstete Ritter, Männer der Kirche und des Schwertes, die zwischen Gebet und Kampf dem Schutz der Pilger und der Heiligen Stätten verpflichtet waren. Doch wie stand es um Frauen im Umfeld des Ordens? Gab es Templerinnen? Waren sie aktive Mitglieder oder lediglich Spenderinnen? Die Antwort auf diese Fragen führt in ein spannendes und vielschichtiges Kapitel der Ordensgeschichte – eines, das lange im Schatten der männlich dominierten Überlieferung stand.

Das strikte Verbot der Mitschwestern

Die ursprüngliche Regel des Templerordens, festgelegt um 1129, lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Frauen waren als Mitschwestern im Orden ausdrücklich nicht erlaubt. In Paragraph 54 der lateinischen Regel heißt es unmissverständlich:

„Sorores quidem amplius periculosum est coadunare, quia antiquus hostis faemineo consortio complures expulit ex recto tramite Paradisi. […] Hac consuetudine amodo uti non liceat.“

Übersetzt: „Sich weiterhin Schwestern beizugesellen betrachten wir als gefährlich, denn der alte Feind hat über die Gesellschaft der Frauen schon Viele vom rechten Weg ins Paradies abgebracht. Daher […] soll dieser Brauch von jetzt an nicht mehr erlaubt sein.“

Diese Vorschrift ist Ausdruck einer asketischen Ideologie, die die Nähe zu Frauen als potenzielle spirituelle Gefahr wertete – eine Haltung, die auch in anderen monastischen Orden weit verbreitet war. Dass eine solche Regel nötig war, lässt jedoch zugleich den Rückschluss zu, dass es vor der offiziellen Institutionalisierung des Ordens Frauen in oder nahe der Gemeinschaft gegeben haben muss.

Donatinnen – Fromme Stifterinnen im Dienste des Ordens

Wenngleich Frauen keine formellen Mitschwestern sein durften, konnten sie dennoch als sogenannte Donatinnen mit dem Orden verbunden sein. Viele adelige Frauen – ledige oder verwitwete – übertrugen dem Orden Güter oder leisteten Schenkungen und erhielten im Gegenzug Aufnahme in die Gebetsgemeinschaft sowie bestimmte Rechte. Die verwendeten Formulierungen in Urkunden wie „offero et dono corpus meum et animam meam“ (Ich schenke meinen Körper und meine Seele) lassen zwar auf eine tiefe Bindung schließen, machen sie aber noch nicht zu vollgültigen Ordensmitgliedern.

Die Donatenformel war ein gegenseitiger Rechtsakt: Die Frau gab Besitz oder regelmäßige Abgaben, der Orden gewährte spirituellen Beistand, Schutz und mitunter Unterkunft. In manchen Fällen wurde sogar ein Gehorsamsversprechen abgelegt, teils unter Berufung auf die Ordensregel – was die Grenze zwischen Donatin und Ordensmitglied verwischt.

Templerschwestern – Ausnahmen oder Regelverstoß?

Trotz der Verbote und der formalen Einschränkungen gibt es Berichte über Frauen, die die monastischen Gelübde im Templerorden ablegten. Ein besonders bemerkenswerter Fall ist die katalanische Komturei von Rourell, die unter der Leitung von Ermengard d’Oluja stand – eine außergewöhnliche Situation, zumal es sich um ein bedeutendes Haus handelte. Diese Episode zeigt, dass es vereinzelt tatsächliche Ordensschwestern gegeben haben muss, die in verantwortlicher Position tätig waren.

Auch zwei Frauenkonvente sind überliefert, die den Templern affiliiert waren:

  • San Bevignate in Perugia (Norditalien)

  • Mühlen in Deutschland, dessen Schwestern 1272 aus dem Zisterzienserorden in die Obhut der Templer übertraten

Wie ihr tägliches Leben, ihre Kleidung oder ihre konkrete Rolle im Ordensgefüge aussah, ist kaum dokumentiert – dennoch zeigen diese Beispiele, dass die strikten Vorgaben der Regel im Laufe der Zeit durch konkrete Praxis gelegentlich relativiert wurden.

Zwischen Schutzraum und Missbrauch

Ein düsteres Licht auf die Praxis wirft ein Schreiben aus dem Templerprozess, das vermutlich von einem empörten Verteidiger des Ordens stammt. Darin wird berichtet, der Großmeister selbst habe Frauen aufgenommen, ihnen Gehorsam und Keuschheit abverlangt – um sie später sexuell zu missbrauchen. Sollten Kinder aus solchen Verbindungen entstehen, so heißt es, würden diese wiederum in den Orden aufgenommen.

„Li maistres qui fesoient freres et suers du Temple […] aus dites suers fesoient promestre obedience, chastee […] puis les deboivoient.“

Obwohl diese Anschuldigungen von der Inquisition nicht weiterverfolgt wurden und vermutlich auch als Übertreibungen im Prozesskontext gelten dürfen, werfen sie dennoch ein Schlaglicht auf mögliche Auswüchse und die schwierige Rolle von Frauen in einem rein männlichen Orden.

Mythos und Verdächtigungen

Die populäre Chronik von Saint-Denis ging noch weiter und zeichnete ein groteskes Bild der angeblichen Templerinnen: Sie beschuldigte die Brüder sexueller Ausschweifungen mit Frauen, das Opfern daraus gezeugter Kinder und die Salbung von Götzenbildern mit deren Fett – eine bizarre Fantasievorstellung, die mehr mit inquisitorischem Wahn als mit Realität zu tun hatte.

Fazit: Frauen im Templerorden – ein verdrängtes Kapitel

Die Geschichte der „Templerinnen“ ist ein komplexes Geflecht aus Verboten, Ausnahmen, Missverständnissen und mythologischer Überhöhung. Während die Regel des Ordens Frauen als Gefahr für die spirituelle Reinheit der Brüder ausschloss, zeigen zahlreiche Dokumente, dass Frauen dennoch vielfältige Rollen im Umfeld des Templerordens spielten – als Stifterinnen, als Gläubige, in seltenen Fällen sogar als gelobte Ordensschwestern.

Der Blick auf diese oft übersehenen Frauengestalten öffnet nicht nur ein neues Kapitel in der Geschichte des Templerordens, sondern wirft auch Licht auf die vielfältigen Formen weiblicher Religiosität im Mittelalter – zwischen Unterordnung, Engagement und gelegentlicher Emanzipation.

„Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam“ – auch viele Frauen dürften diesen Leitspruch im Herzen getragen haben.

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