Altmühlmünster – Erinnerung an eine mögliche Komturei des Tempels
Ich schreibe als Bruder des Ordens vom Tempel und wende den Blick nach Bayern, in ein stilles Seitental des Altmühltales. Dort liegt Altmühlmünster, ein Ort, der heute friedlich wirkt, dessen Vergangenheit jedoch Fragen aufwirft – Fragen nach der frühen Präsenz unseres Ordens im deutschen Raum.
Die älteste Nachricht, die ausdrücklich von einer Templerkomturei in Altmühlmünster spricht, stammt nicht aus dem Mittelalter selbst, sondern erst aus dem 16. Jahrhundert. Sie findet sich bei Johannes Turmair, genannt Aventinus, dem „Vater der bayerischen Geschichtsschreibung“. In seinen Annales ducum Boiariae berichtet er im siebten Buch, die Grafen Heinrich und Otto von Riedenburg hätten das „Tysiam atque Alemani Monasterium“ gegründet und es den Ritterordensbrüdern übergeben, „die man nach dem Tempel in Palästina benennt“. Nach dem Ende des Ordens seien diese Güter an die Ritter von Rhodos, die Johanniter, gelangt.
Aventinus arbeitete gewöhnlich auf Grundlage archivalischer Quellen. Doch gerade an dieser Stelle nennt er keine Urkunde. Das letzte zuvor von ihm erwähnte Datum ist 1158. Spätere Druckausgaben und Editionen identifizierten die beiden genannten Orte mit Altmühlmünster und Teising. Letzteres jedoch wurde nach heutigem Kenntnisstand nicht im 12. Jahrhundert von den Riedenburgern gestiftet, was Zweifel an der genauen Zuordnung nährt.
Sicher belegt ist Altmühlmünster erst als Kommende der Johanniter ab der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Im Jahr 1325 bezeichnet sich Albrecht von Oettingen in einer Urkunde als „Chumptur datz Münster“. Damit ist ein früherer Besitz der Templer möglich, aber keineswegs zwingend bewiesen. Das älteste erhaltene Salbuch der Kommende stammt aus dem Jahr 1394, und Urkunden ab dem 15. Jahrhundert werden heute im Diözesanarchiv von Regensburg aufbewahrt.
Eine Aktensammlung der Kommende aus dem 17. Jahrhundert nennt als Gründungsdatum wiederum 1158 und vermerkt, dass Altmühlmünster 1311 an die Johanniter gelangt sei. Auch hier fehlen jedoch ältere Belege, sodass anzunehmen ist, dass diese Angaben aus Aventins Annalen übernommen wurden. So bewegt sich die Geschichte Altmühlmünsters zwischen Überlieferung und gesicherter Quellenlage.
Die romanische Kirche St. Johannes, vermutlich ursprünglich mit rechteckigem Chorabschluss, wurde im 15. Jahrhundert unter den Johannitern umgestaltet. Ein polygonaler Chor und Seitenkapellen wurden hinzugefügt. Bis heute dient sie als Pfarrkirche und ist das sichtbarste Zeugnis der mittelalterlichen Ordensgeschichte des Ortes.
Der Volksmund aber erzählt mehr. Eine Überlieferung berichtet, die Templer von Altmühlmünster seien zu Beginn des Prozesses gegen den Orden mitten in der Nacht von Bewaffneten gefesselt abgeführt worden. Diese Sage wurde 1805 von Janner aufgezeichnet und später im Sagenbuch der bayerischen Lande weitergegeben. Wie alt diese Erzählung ist, wissen wir nicht – doch sie zeigt, wie tief die Erinnerung an den Untergang unseres Ordens selbst in abgelegenen Tälern fortlebt.
So bleibt Altmühlmünster ein Ort zwischen Geschichte und Legende. Für uns Templer ist er ein stilles Mahnmal: Nicht alles, was wir gegründet haben, ist sicher belegt – doch vieles hat Spuren hinterlassen, im Stein der Kirchen ebenso wie im Gedächtnis der Menschen.
