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Bergheim – Eine Komturei an der elsässischen Weinstraße

Aufgezeichnet von der Hand eines Bruders des Ordens vom Tempel

Ich schreibe diese Zeilen als Bruder der Armen Ritterschaft Christi und des Salomonischen Tempels, auf dass die Erinnerung an unsere Häuser nicht vergehe wie Staub im Wind. Unter jenen Niederlassungen, die fern der Schlachtfelder des Morgenlandes lagen und doch treu dem Dienste Gottes verpflichtet waren, gedenke ich der Komturei zu Bergheim im Elsass – gelegen an der alten Weinstraße, im heutigen Lande des Haut-Rhin.

Obgleich Bergheim erst spät zur Stadt erhoben wurde, war der Ort unserem Orden schon im 13. Jahrhundert von Bedeutung – ein stiller, doch fruchtbarer Boden für Glauben, Verwaltung und brüderliches Wirken.

Von Herren und Rechten

Im Jahre 1283 gelangte Bergheim in den Besitz der Herren von Rappoltstein, auch Ribeaupierre genannt, welche den Ort 1313 zur Stadt erhoben. Doch lange bevor Mauern und Stadtrechte wuchsen, hatten unsere Brüder dort bereits ein Haus des Ordens errichtet.

Dass zu Bergheim eine Templerkomturei bestand, bezeugen verlässliche Quellen: Sowohl das Urkundenbuch der Stadt Basel als auch die Urkundensammlung der Pfarrei Bergheim nennen ausdrücklich ein Ordenshaus des Tempels.

Im Basler Urkundenbuch erscheint für das Jahr 1220 ein Dietrich, Komtur des Templerhauses zu Bergheim – der früheste namentlich bekannte Zeuge unserer dortigen Präsenz.

Die Kirche und der päpstliche Ablass

Ein weiteres, hohes Zeugnis der Bedeutung unserer Niederlassung datiert vom 15. Oktober 1257.

Papst Alexander IV. gewährte allen Gläubigen einen Ablass von 40 Tagen, sofern sie die Templerkirche zu Bergheim am Fest Mariä Himmelfahrt oder am Kirchweihtag besuchten.

Diese Gnade aus Rom war kein geringes Zeichen: Sie erhob unsere Kirche zu einem anerkannten Ort der Frömmigkeit und Wallfahrt. Pilger, Winzer, Bürger und Ritter suchten dort Trost, Buße und Segen.

Vermächtnisse und fromme Stiftungen

Um das Jahr des Herrn 1300 ist die Niederlassung besonders gut bezeugt. Mehrere Urkunden berichten von Vermächtnissen an unsere Kirche:

  • Am 30. März 1300 durch Gerard an dem Mühlenhofe

  • Am 30. Juni 1300 durch Peter Brugger

  • Am 16. Oktober 1300 durch Schultheiß Rudolf

  • Am 13. Dezember 1300 durch Ritter Karlo

Solche Schenkungen waren mehr als fromme Gesten. Sie zeigten, dass unsere Komturei tief im religiösen und sozialen Leben der Region verwurzelt war. Wir verwalteten Güter, gewährten Seelsorge, unterstützten Arme und Reisende – und wachten über die geistlichen Pflichten der uns Anvertrauten.

Nach der Aufhebung des Ordens

Als unser Orden zerschlagen wurde, blieb auch Bergheim nicht verschont.

Die Niederlassung ging – wie viele unserer Häuser – an den Johanniterorden über. Doch der Name „Tempelhof“ überdauerte die Zeiten und bewahrte die Erinnerung an unsere einstige Gegenwart.

Im 16. Jahrhundert wurden die Gebäude umfassend umgebaut, wodurch sich das Erscheinungsbild der Anlage wandelte. Im Jahre 1789 gelangte der Komplex in private Hände. Während der folgenden Jahrzehnte verfielen Teile der Anlage; im 19. Jahrhundert wurde die Kapelle gar zerstört.

Doch selbst im Verfall lebte unser Erbe fort:

Bausteine der Komturei fanden Verwendung in Häusern der Stadt – ein stilles Weiterleben unseres Werkes im Mauerwerk Bergheims.

Das letzte sichtbare Zeugnis

Erhalten geblieben ist das Haupthaus aus dem 16. Jahrhundert. Seine Bauzeit lässt sich durch Datumsstempel belegen, die in Fliesen und Mauerwerk eingelassen sind.

Es steht heute als letztes sichtbares Zeugnis der einstigen Komturei – ein schweigender Wächter vergangener Gelübde.

Wer vor seinen Mauern steht, mag kaum ahnen, dass hier einst Brüder in weißen Mänteln mit rotem Kreuz beteten, planten, Güter verwalteten und im Geiste Jerusalems lebten.

Schlusswort eines Bruders

Bergheim zeigt, dass unser Orden nicht allein aus Schwertern bestand.

Auch in den Weinlandschaften des Elsass wirkten wir – durch Seelsorge, Verwaltung, Schutz der Pilgerwege und fromme Stiftung.

Vieles ist verloren. Archive sind verstummt, Kapellen gefallen, Namen verweht.

Doch der Tempelhof – und das verbliebene Haus – erinnern noch immer an die Brüder, die hier lebten und dienten.

Möge ihr Andenken bewahrt bleiben, solange Reben an den Hängen von Bergheim wachsen und Glocken über der elsässischen Weinstraße klingen.

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