Das große Versprechen der Politiker vor der Mehrwertsteuer
„Es wird alles billiger!“
Alle, die schon ein bisschen länger auf der Welt sind, erinnern sich: Damals, als die Mehrwertsteuer eingeführt wurde, versprach man uns Großes. Die Steuerreform würde das System vereinfachen, gerechter machen – und vor allem: „Jetzt wird alles billiger!“
Ein schöner Gedanke. Doch was wurde daraus?
Vor der Mehrwertsteuer: Ein gestaffeltes System
Bis ins Jahr 1973 kannte Österreich noch keine einheitliche Mehrwertsteuer, wie wir sie heute kennen. Stattdessen gab es ein kumulatives Stufensteuersystem, bei dem auf jeder Handelsstufe separat Umsatzsteuer berechnet wurde – ohne Vorsteuerabzug.
Die Steuersätze waren dabei gestaffelt:
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Hersteller: etwa 1,5 % – 1,8 %
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Großhändler: etwa 1,8 %
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Einzelhändler: etwa 5,25 %
Diese Sätze galten jeweils auf den Bruttoverkaufspreis – und addierten sich im Laufe der Lieferkette auf. Am Ende zahlte der Konsument nicht selten eine Gesamtbelastung von 10–12 %, die jedoch nicht als solche sichtbar ausgewiesen war.
Ein Beispiel zur Veranschaulichung
| Handelsstufe | Steuersatz (ca.) | Effekt auf Endpreis |
|---|---|---|
| Hersteller | 1,8 % | auf Nettoverkaufspreis |
| Großhändler | 1,8 % | auf Bruttopreis des Herstellers |
| Einzelhändler | 5,25 % | auf Bruttopreis des Großhändlers |
Diese versteckte Kumulierung führte zu einer Steuer auf Steuer – ein System, das aus heutiger Sicht als wirtschaftsfeindlich galt: Es verzerrte Preise, benachteiligte Exporteure und bevorzugte bestimmte Unternehmensformen.
Die Reform von 1973: Eine neue Steuer, ein altes Problem
Am 1. Jänner 1973 wurde das alte System abgeschafft und durch die Mehrwertsteuer mit Vorsteuerabzug ersetzt – damals mit einem einheitlichen Satz von 16 %, später auf 18 %, schließlich auf 20 % angehoben.
Man versprach Transparenz, Effizienz und – ja – niedrigere Preise.
Doch was passierte in Wirklichkeit?
Die Steuerlast stieg – nicht die Ersparnis
Tatsächlich führte die Umstellung nicht zu sinkenden Preisen, sondern im Gegenteil: Die effektive Steuerbelastung für den Endverbraucher stieg sogar leicht an.
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Vorher lag die versteckte Gesamtbelastung bei ca. 10–12 %
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Nachher betrug die sichtbare Mehrwertsteuer zunächst 16 %, später 18 %, dann 20 %
Also nix mit billiger.
Statt einer Entlastung gab es eine vereinfachte Erhöhung – gut verpackt in ein modernes, europakompatibles System. Und das damalige Versprechen? Schnell vergessen.
Fazit: Wer sich erinnert, sieht klarer
Die Mehrwertsteuer hat ohne Zweifel Vorteile: Sie ist systematisch, gerecht verteilt und international erprobt. Aber das Versprechen von niedrigeren Preisen war nichts weiter als ein politischer Placebo-Effekt.
Und so erinnern sich viele ältere Menschen zu Recht:
„Früher haben sie gesagt, es wird alles billiger – und heute zahlen wir mehr als je zuvor.“
