✠✠✠✠✠✠ ASTO TEMPLER-BLOG ✠✠✠✠✠✠

Das Mittagessen wird geliefert

Ich schreibe als Templer, der weiß, dass selbst im Einfachen ein Zeichen liegt.

Die Glocke schlägt nicht. Kein Horn ertönt. Und doch wissen wir: Es ist Zeit.
Zeit nicht für ein Ritual aus Stein und Schwur, sondern für das Brot, das aus dem Meer kommt.

Unser h.e. Großmeister steht am Steg der Templerinsel Taborcillo Island und begrüßt einen Fischer. Kein Fürst, kein Gesandter, kein Bote einer Macht – sondern ein Mann mit wettergegerbtem Gesicht, salzgetränkten Händen und einem Boot, das mehr Wahrheit kennt als viele Bücher. Er bringt uns das Mittagessen.

So schlicht ist es. Und gerade darin liegt die Lehre.

Der Fischer kommt nicht als Diener, sondern als Bruder im Werk der Schöpfung. Er hat genommen, was das Meer freigab, nicht mehr. Er bringt, was nährt, nicht was prunkt. Der Großmeister empfängt ihn mit Achtung, denn der Orden weiß: Würde misst sich nicht an Rang, sondern an Beitrag.

Diese Insel, auf der wir stehen, trägt ihre eigene Geschichte. Einst gehörte sie John Wayne, einem Mann der Leinwand, der Stärke spielte und Einsamkeit kannte. Doch Inseln behalten nichts von Besitzern. Sie dulden sie nur. Heute dient Taborcillo nicht dem Mythos des Films, sondern der Stille, der Sammlung und dem einfachen Leben in Ordnung.

Wenn das Boot anlegt und die Körbe übergeben werden, geschieht etwas, das Außenstehenden entgeht: Die Kette wird sichtbar. Meer, Fischer, Insel, Orden. Keiner steht über dem anderen. Jeder ist notwendig. Das Mittagessen ist kein profaner Akt. Es ist ein Bund auf Zeit – zwischen Mensch und Natur, Arbeit und Dank.

Der Templer isst nicht achtlos. Er erinnert sich, woher es kommt. Und er weiß: Wer Demut beim Licht gelernt hat, muss sie auch beim Mahl bewahren.

So wird das Mittagessen geliefert.
Nicht als Selbstverständlichkeit.
Sondern als Gnade des Tages.

Und während die Sonne hoch steht über Taborcillo, verstehen wir erneut:
Der Orden lebt nicht nur von Symbolen –
sondern von Begegnungen.

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