Dem Baphomet sehr ähnlich
Nein, diese Figur ist kein Monster oder Dämon: Es ist der Rebis.
Das vergessene Symbol, mit dem Alchemisten ultimative Macht entfesselten … und das heute kaum noch jemand kennt.
Ein Irrtum von Jahrhunderten
Wenn in alten Handschriften oder geheimnisvollen Darstellungen eine androgyne Gestalt erscheint, die an Baphomet erinnert, so rufen viele sofort: „Ein Dämon! Ein Götze!“ Doch die Wahrheit ist weitaus subtiler – und zugleich erhabener.
Der Rebis, das hermetische Zwitterwesen, ist kein Abbild finsterer Mächte, sondern der Triumph der Vereinigung von Gegensätzen. Er ist das „Zwei-in-Eins“, die vollendete coniunctio oppositorum, die höchste alchemistische Errungenschaft.
Ursprung und Bedeutung des Rebis
Das Wort „Rebis“ leitet sich aus dem Lateinischen res bina ab – die „doppelte Sache“. Gemeint ist nicht bloß ein Mischwesen, sondern die vollkommene Integration von männlich und weiblich, von Sonne und Mond, von Schwefel und Quecksilber.
Während der Baphomet im Mittelalter zum Inbegriff der Ketzerei gemacht wurde, war der Rebis im Herzen der Alchemie ein Symbol für Erleuchtung und Macht.
Der Rebis zeigt sich meist mit zwei Köpfen – einem Mann und einer Frau –, gekleidet in königliche Gewänder, mit Insignien der Macht. In seinen Händen hält er Kompass und Winkelmaß oder andere Zeichen der vollkommenen Beherrschung von Materie und Geist. Auf seinem Körper thront oft ein Hermeskopf oder ein Pentagramm: Hinweis auf die Vereinigung aller Elemente.
Kein Monster, sondern ein Meisterzeichen
Die Missdeutung ist kein Zufall. Schon die Inquisitoren fürchteten, dass diese Gestalt allzu sehr an den berüchtigten Baphomet erinnere, den man den Templern andichtete. Doch die Alchemisten wussten: Wer das Rebis erschuf, hatte die „Philosophische Hochzeit“ vollzogen – die Hochzeit des Königs und der Königin in der Retorte wie im eigenen Inneren.
Der Rebis war somit ein Spiegelbild des Adepten selbst: der Mensch, der seine inneren Gegensätze nicht mehr bekämpft, sondern vereint. Nicht Dämon, sondern Mensch-Gott, der im Gleichgewicht mit dem Kosmos steht.
Ultimative Macht der Alchemisten
Warum nannten Alchemisten den Rebis ein Symbol der ultimativen Macht? Weil er für den Endpunkt des „Großen Werkes“ stand: die Geburt des Steins der Weisen, die Verwandlung von Blei in Gold, die Erhebung des Menschen in eine göttliche Sphäre.
Im Rebis verkörperte sich das Wissen um Ganzheit – das Geheimnis, dass wahre Stärke nicht durch Spaltung, sondern durch Einheit entsteht. Wer dies begriffen hatte, konnte nicht nur Metalle transmutieren, sondern das eigene Wesen vergolden.
Das vergessene Symbol
Heute kennt kaum jemand den Rebis. Er verschwand in obskuren Manuskripten, verdrängt vom verzerrten Bild des Baphomet, das in modernen Darstellungen zu einem Schreckgespenst des Okkulten wurde. Doch wer tiefer blickt, erkennt: Der Rebis ist die wahre Gestalt der Vollendung.
Für uns Templer bedeutet er, dass das höchste Geheimnis nicht im Kampf gegen die Finsternis liegt, sondern in der Versöhnung von Licht und Schatten, von Geist und Körper, von Mann und Frau.
Fazit
Nein, der Rebis ist kein Monster, kein Dämon, keine Fratze der Finsternis. Er ist das vergessene Symbol der Vollkommenheit – das Siegel des Meisters, der in sich selbst den Himmel und die Erde vereint hat.
So wird klar: Was aussieht wie Baphomet, ist in Wahrheit das Zeichen des Menschen, der über sich hinausgewachsen ist.

