Elias Ashmole – Alchemist, Freimaurer und Bewunderer der Templer
Elias Ashmole (1617–1692) gilt als eine der schillernden Gestalten des 17. Jahrhunderts. Er war Gelehrter, Alchemist, Jurist, einer der frühesten bekannten Freimaurer und zugleich Mitbegründer der Royal Society. Als Universalgelehrter verband er naturwissenschaftliche Neugier mit esoterischer Suche nach den verborgenen Kräften der Schöpfung. In seiner Rolle als Historiker und Chronist verfasste er das Werk Institutions, Laws and Ceremonies of the most noble Order of the Garter, in dem er die Geschichte und Symbolik des Hosenbandordens darlegt.
In diesem Zusammenhang erwähnt Ashmole auch die Tempelritter. Er würdigt den Orden als tapfere Verteidiger des Heiligen Landes, die im Kampf gegen die Ungläubigen den christlichen Glauben mit Schwert und Opferbereitschaft verteidigten. Für Ashmole waren die Ritter des Tempels ein Sinnbild für Ritterlichkeit, Mut und unbeugsame Treue zur Sache des Glaubens.
Gleichzeitig zeigt sich in seinen Ausführungen die typische Ambivalenz der frühneuzeitlichen Gelehrten gegenüber den Templern. So gibt Ashmole einen kurzen Überblick über den dramatischen Prozess, der Anfang des 14. Jahrhunderts in Frankreich zur Verfolgung und Auflösung des Ordens führte. Er hebt hervor, wie rasch der Ruhm der Templer von Verleumdung, Machtpolitik und päpstlicher Willkür überschattet wurde.
Doch Ashmole spart nicht mit Kritik: Negativ beurteilt er den Stolz und die Reichtümer des Ordens. In seinen Augen war es gerade der enorme materielle Besitz, der die Ritter zu Hochmut verleitete und sie in einen Spannungsbogen zwischen geistlicher Aufgabe und weltlicher Macht führte. Besonders missfiel ihm, dass die Templer sich dem Patriarchen von Jerusalem entzogen und stattdessen die direkte Unterstellung unter den Papst suchten. Darin sah er ein Symptom jener Selbstständigkeit, die schließlich Feinde heraufbeschwor und den Weg zur Katastrophe ebnete.
So zeichnet Ashmole das Bild eines Ordens, der in Tapferkeit und Treue unvergleichlich war, zugleich aber an innerer Selbstüberhebung und äußeren Reichtümern zerbrach. Seine Sichtweise ist damit zugleich Bewunderung und Mahnung: Der Templerorden bleibt für ihn ein heroisches wie tragisches Kapitel der Geschichte, dessen Glanz und Schatten die nachfolgenden Ritterorden und auch die Freimaurerei nachhaltig prägten.
