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Filmische Darstellungen des Templerordens

Zwischen Mythos, Grusel und Schatzjagd

Der Templerorden, offiziell bekannt als „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem“, ist tief in der europäischen Kulturgeschichte verwurzelt. Doch obwohl sein dramatischer Aufstieg und sein tragischer Fall im Mittelalter viel Stoff für Erzählungen bieten, wurde er lange Zeit filmisch kaum aufgegriffen. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – und vor allem ab den 2000er-Jahren – rückte der Orden vermehrt ins Rampenlicht der Popkultur.

Der späte filmische Durchbruch des Templerstoffs

Das breite öffentliche Interesse an den Templern wurde maßgeblich durch Dan Browns Sakrileg (2003) und dessen Verfilmung The Da Vinci Code (2006) neu entfacht. Parallel dazu sorgte Ridley Scotts Kingdom of Heaven (2005) für Aufmerksamkeit – ein filmisches Epos, das historische Kreuzfahrer mit fiktionalen Elementen und Templer-Darstellungen vermischte. Während Brown den Templerorden mit modernen Geheimbünden und Verschwörungstheorien verband, stilisierte Scott die Templer zu fanatischen Kriegstreibern und politischen Gegenspielern.

Mythos statt Historie

Auffällig ist, dass die meisten filmischen Werke nicht auf den realhistorischen Templerorden zurückgreifen, sondern vielmehr den Templermythos ins Zentrum stellen: Unheimliche Bruderschaften, verfluchte Schätze, geheime Artefakte, Verschwörungen und düstere Prophezeiungen dominieren. Historische Genauigkeit tritt in den Hintergrund zugunsten von Fantasie, Mystery und Horror.

So entstanden in den 1970er-Jahren beispielsweise die spanischen Horrorfilme rund um die reitenden Leichen – Untote Templer, die aus dem Grab zurückkehren, um Rache zu nehmen. In La noche del terror ciego (1972) oder El buque maldito (1978) werden die einstigen Ritter zu blutdürstigen Wiedergängern – eine bizarre Umkehrung der ursprünglich christlichen Mission des Ordens.

Auch moderne Produktionen wie Night of the Templar (2012) oder The Curse of the Blind Dead (2020) greifen diese zombiehafte Darstellung wieder auf. Der Templer als Wiedergänger ist damit ein fester Bestandteil des Grusel-Genres geworden – ein Untoter mit mittelalterlichem Pathos.

Templer als Schatzwächter und Geheimbund

Ein weiteres beliebtes Motiv ist die Verbindung der Templer mit geheimem Wissen, mystischen Artefakten und verschwundenen Schätzen. Filme wie National Treasure (2004), Das Blut der Templer (2004) oder The Last Templar (2009) inszenieren moderne Schnitzeljagden, bei denen der Orden als Hüter esoterischen Wissens oder als Ursprung heutiger Geheimbünde auftritt.

Dieses Motiv bedient auch die populäre Spiel- und Filmreihe Assassin’s Creed (ab 2016), in der eine moderne Templerorganisation als mächtiger Gegenspieler einer anarchistischen Widerstandsgruppe agiert – durchsetzt mit historischen Rückblicken in die Zeit der Kreuzzüge oder der Inquisition. Der Name „Templer“ dient hier mehr als Projektionsfläche für Machtnetzwerke und globale Kontrolle denn als historisch fundierte Darstellung.

Historienverfilmungen: Zwischen Fluch und Fiktion

Bei Versuchen historisch inspirierter Erzählungen wird oft der dramatische Untergang des Ordens ins Zentrum gestellt. Jacques de Molay, der letzte Großmeister, ist eine beliebte Figur – insbesondere wegen des überlieferten Fluchs, den er der Legende nach beim Scheiterhaufen ausgesprochen haben soll. In älteren Stummfilmen wie Le roi Philippe le Bel et les Templiers (1910) oder Les Templiers (1911) wird diese Szene dramatisch inszeniert und zur zentralen Mythosquelle stilisiert.

Auch die mehrfach verfilmte Romanreihe Les Rois Maudits von Maurice Druon greift diesen Aspekt auf. Hier sind die Templer allerdings nur ein Anstoßgeber für die folgende politische Katastrophe in Frankreich – ihr Schicksal wird zur Ouvertüre einer verderbten Dynastie.

Moderne Adaptionen bekannter Stoffe

Zahlreiche Produktionen bedienen sich literarischer Vorlagen, darunter Ivanhoe (nach Walter Scott), Arn der Kreuzritter (nach Jan Guillou) oder eben Sakrileg. Die Templer dienen in diesen Stoffen zumeist nicht als realistische Figuren, sondern als Symbolträger für Treue, Fanatismus oder geheimes Wissen.

Auch Kinderfilme wie die dänische Trilogie Tempelriddernes skat (ab 2006) greifen das Thema auf – in einer jugendgerechten Version, bei der die Templer als verborgene Hüter von Bundeslade und Gral auf Bornholm und in Visby auftauchen.

Staffage, Symbolik oder Verkaufsstrategie?

In vielen Produktionen der letzten zwei Jahrzehnte scheinen die Templer nur noch eine Kulisse oder ein Marketingelement zu sein. Ob in Outcast (2014), das trotz seines deutschen Titels keinerlei Bezug zu Templern hat, oder in La Commanderie (2010), das Johanniter statt Templer zeigt: Der Begriff „Templer“ wird vielfach verwendet, um eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen – oft unabhängig vom tatsächlichen Inhalt.

Fazit: Der Templer als filmische Projektionsfläche

Der Templerorden hat sich in der Welt des Films weniger als historisches Thema etabliert, sondern vielmehr als wandelbares Symbol – für Macht, Geheimnis, Schuld und Rache. Der reale Orden tritt in den Hintergrund; an seine Stelle rückt ein Mythos, der je nach Genre neu interpretiert wird: mal als zombifizierter Wiedergänger, mal als Schatzwächter, mal als Werkzeug von Geheimgesellschaften.

Diese Tendenz zur Mystifizierung zeigt, wie tief der Templerorden ins kulturelle Gedächtnis eingesickert ist – nicht als historische Institution, sondern als Chiffre für das Verborgene und das Unerklärte. Die filmische Templerdarstellung ist dabei immer auch ein Spiegel der jeweiligen Zeit – ihrer Ängste, ihrer Fantasien und ihrer Sehnsucht nach dem Unbekannten.

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