Heute gedenken wir des 8. Templergroßmeisters
Odo de Sancto Amando († 8. Oktober 1179)
Der Name Odo de Sancto Amando ist untrennbar mit einer entscheidenden Phase der Templergeschichte verbunden. Von 1171 bis zu seinem Tod 1179 führte er den Orden – in einer Zeit des Umbruchs, in der das Königreich Jerusalem von inneren Spannungen und der wachsenden Macht Saladins bedrängt wurde. Odo war der erste Großmeister, der den Anspruch der Autonomie des Templerordens gegenüber dem König von Jerusalem mit Nachdruck geltend machte. Sein Leben und Sterben markieren den Beginn einer neuen Epoche im Selbstverständnis des Ordens.
Herkunft und Aufstieg
Odo entstammte dem Hofadel des Königreichs Jerusalem, gehörte aber nicht zur höchsten Aristokratie. Bereits 1155 erscheint er als Lehnsmann des Königs, 1156 wird er königlicher Marschall. Er diente König Amalrich I. in verschiedenen Ämtern – als Burgvogt, Vizegraf von Jerusalem und Mundschenk.
1165 entsandte ihn Amalrich nach Byzanz, wo er im Auftrag des Königs die Ehe mit Maria Komnena, einer Nichte des Kaisers Manuel, arrangierte. Wilhelm von Tyrus lobte ihn dafür als klugen und treuen Gesandten. Nur wenige Jahre später, um 1171, trat Odo dem Templerorden bei – und wurde noch im selben Jahr zum Großmeister gewählt.
Ein unbequemer Großmeister
König Amalrich hatte gehofft, in seinem ehemaligen Beamten einen gefügigen Ordensleiter zu finden. Doch Odo zeigte Rückgrat.
Berühmt ist die Episode um die Assassinen, die angeblich ihre Abgaben von 2.000 Besanten erlassen haben wollten. Ein Templer tötete den Boten des „Alten vom Berge“. Der König forderte die Auslieferung des Täters – doch Odo verweigerte dies mit dem Hinweis, dass nur der Orden selbst und der Papst über die Brüder zu richten hätten. Damit stellte er die Rechte des Ordens über die Ansprüche des Königs. Wilhelm von Tyrus, der Chronist jener Zeit, verurteilte Odo dafür scharf und zeichnete das Bild eines „hochmütigen und arroganten Mannes“.
Doch aus Sicht des Ordens war es der Schritt in die Unabhängigkeit gegenüber der weltlichen Macht – ein Weg, der später noch viele Spannungen verursachen sollte.
Feldzüge und Siege
Unter Odo kämpften die Templer weiterhin an der Seite des Königs. Im November 1177 kam es zur legendären Schlacht bei Montgisard, südlich von Ramla. Mit nur rund 80 Templerrittern stürzte sich Odo an der Seite des jungen Königs Balduin IV. in die Schlacht – und führte die Christen zu einem glänzenden Sieg über die zahlenmäßig weit überlegenen Heere Saladins. Selbst die arabischen Chronisten berichten von diesem für sie unerwarteten Debakel.
Odo war es auch, der mit Unterstützung des Königs im Jahr 1178 an der Jakobsfurt eine mächtige Burg errichten ließ, bekannt als Le Chastelez. Sie sollte die Nordgrenze Galiläas sichern und die Straße von Tiberias nach Damaskus kontrollieren. Zeitgenossen schildern die Festung als so stark, dass Saladin den Templern sogar Gold für ihre freiwillige Zerstörung bot.
Katastrophe und Tod
Doch das Blatt wendete sich rasch. 1179 fiel Saladin mit einer Übermacht in die Region ein. Das christliche Heer war zerstreut, nicht zum Kampf bereit – und wurde bei Marj ʿAyun vernichtend geschlagen. Odo de Sancto Amando geriet in Gefangenschaft.
Am 8. Oktober 1179 starb er in muslimischer Haft. Manche Legenden behaupten, er habe den Austausch verweigert, weil die Templer angeblich nie mehr als einen Gürtel und ein Messer für einen Gefangenen gäben. Wahrscheinlicher ist: er erlag den harten Bedingungen der Gefangenschaft. Sein Leichnam wurde später gegen einen muslimischen Gefangenen ausgetauscht.
Nur Wochen zuvor war auch die Burg an der Jakobsfurt gefallen – ein doppelter Schlag für den Orden. Papst Alexander III. beklagte in einem Schreiben sowohl den Tod des Großmeisters als auch den Verlust der Festung.
Nachwirkung
Odo de Sancto Amando war ein Mann voller Widersprüche. Für die einen ein hochmütiger Emporkömmling, für die anderen ein tapferer Verteidiger und Bauherr. Unter ihm trat der Orden erstmals als eigenständige Kraft auf, nicht nur als Werkzeug des Königs. Er verkörpert damit den Beginn einer Phase, in der die Templer mehr und mehr zu einem eigenständigen Machtfaktor im Heiligen Land wurden.
Sein Tod in Gefangenschaft macht ihn zugleich zum Symbol für die Hingabe der Brüder, die – wie die Annalen von Cîteaux bezeugen – als Märtyrer im Dienste Christi gefallen sind.
Schlusswort
Heute, am 8. Oktober, erinnern wir uns an den Todestag des achten Großmeisters Odo de Sancto Amando. Sein Leben zeigt uns, wie der Orden im Ringen zwischen König, Papst und Feind zum eigenen Weg fand. Er starb als Gefangener, doch sein Vermächtnis lebt fort – in der Tapferkeit von Montgisard, in der Festung an der Jakobsfurt, und in der Autonomie, die den Orden für immer prägte.
Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam.

