Historisch niedrige Wahlbeteiligung in Hongkong spricht Bände
Das ist passiert: Seit Peking Hongkongs Wahlsystem im Frühjahr umgestaltet hat, hat sich der demokratische Entscheidungsspielraum der Bevölkerung weiter verringert. Die meisten Hongkonger blieben der Parlamentswahl vom Sonntag fern. Die Wahlbeteiligung nach Schliessung der Wahllokale lag bei 30,2 Prozent, wie die Hongkonger Zeitung «South China Morning Post» am frühen Montagmorgen berichtete. Demnach gaben rund 1,35 Millionen Hongkonger ihre Stimme ab. Bei früheren Wahlen lag die Wahlbeteiligung zwischen 39 und 53 Prozent. Das Wahlergebnis wird später am Montag erwartet. Zum Bericht
So funktionieren die Wahlen In Hongkong: Die Wahlen zum Hongkonger Legislativrat waren niemals wirklich demokratisch. Seitdem allerdings Peking im Frühjahr das Wahlsystem der Finanzmetropole laut eigenen Vorstellungen «verbessert» hat, sind die Abstimmungen nur mehr rein symbolischer Natur: Konnte zuvor zumindest die Hälfte aller Abgeordneten direkt vom Volk gewählt werden, sind es mittlerweile nur mehr etwas über 20 Prozent. 40 der insgesamt 90 Sitze werden hingegen von einem auserlesenen, Peking-loyalen Wahlkomitee bestimmt, die restlichen 30 von wirtschaftlichen Interessenverbänden.
Das ist der Hintergrund: Auch der Zentralregierung in Peking ist sehr wohl bewusst, dass die demonstrative Politikverdrossenheit die letzte Form des Protests ist, die der Bevölkerung Hongkongs übriggeblieben ist. Diese Art von passivem, individuellem Protest erinnert an die Verhältnisse auf dem chinesischen Festland. Dort lehnen sich die Jungen gegen den hohen Leistungsdruck der Gesellschaft auf, indem sie sich zurückziehen und nichts tun. «Tangping» – «sich flach hinlegen» – nennt sich diese stille Form der Rebellion. So waren es allem Anschein nach vor allem die Jungen, welche die Wahl vom Sonntag boykottierten. Zum Bericht
