✠ Blog des ALTEN SOUVERÄNEN TEMPLER ORDENS (ASTO) ✠

Staatenlosigkeit beenden

Vor fast genau zehn Jahren hat das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen UNHCR die #IBelong-Kampagne gegen Staatenlosigkeit lanciert. Das Ziel: bis 2024 die Staatenlosigkeit weltweit weitgehend zu unterbinden und die Rechte betroffener Menschen zu stärken. Viel gibt es immer noch zu tun, berichtet der Erzbischof von Johannesburg, wo in diesen Tagen eine Konferenz mit Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und Religion zum Thema stattfand.

Erzbischof Buti Tlhagale ist Mitglied eines interreligiösen Rates des UNHCR, der sich für Frieden einsetzt und Unterstützer der #IBelong-Kampagne zur Beendigung der Staatenlosigkeit in der Welt. Immerhin seien Regierungen das Problem in den letzten Jahren angegangen, so Tlhagale. In Afrika gebe es allerdings noch viel zu tun.

„Die Vereinten Nationen haben die Kampagne 2014 lanciert, dieses Jahr sind die zehn Jahre vorbei. Ich glaube allerdings nicht, dass die Ziele erreicht wurden, denn das Problem ist, dass einige Regierungen sich nicht an die Konvention angepasst haben. Das Problem wurde angegangen, aber wir sehen keine riesigen Anstrengungen, um Staatenlosigkeit vollständig zu beseitigen.“

„Wir sehen keine riesigen Anstrengungen, um Staatenlosigkeit vollständig zu beseitigen“

Schätzungsweise 19 Millionen Kinder unter fünf Jahren im südlichen Afrika haben laut einem UNHCR-Bericht des Jahres 2022 keine Geburtsurkunde. Auch heute noch würden in Afrika Kinder geboren, die nach ihrer Geburt nicht registriert würden, so Erzbischof Tlhagale. Behördliche Meldestellen lägen oft weit von den ländlichen Wohngegenden entfernt, nennt er nur eines der Hindernisse infrastruktureller Art.

Registrieren sollte Pflicht sein
Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen ruft lokale Regierungen dazu auf, alle Kinder zu registrieren und ihnen eine Geburtsurkunde auszustellen. Denn ohne eine staatliche Zugehörigkeit haben sie keinen Zugang zu Bürgerrechten. Auch sind sie von Diskriminierungen und Missbräuchen unterschiedlichster Art bedroht, etwa von Kinderarbeit, Zwangsehen und Menschenhandel. Bischof Tlhagale ergänzt:

„Wenn man nicht als Bürger anerkannt ist, ist man aller Rechte beraubt“

„Wenn man nicht als Bürger anerkannt ist, ist man aller Rechte beraubt, die andere genießen. Du hast keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung, weil du nicht sagen kannst, wer du bist, du hast keinen Zugang zu Bildung… Ich glaube nicht, dass wir den Schmerz und die Frustration einer jungen Person verstehen können, die sich ihrer Zukunft beraubt sieht, die nirgends hingehen kann, weil sie keine Dokumente hat. Das bedeutet es, staatenlos zu sein.“

Eine Frage der Menschenwürde – überall auf der Welt
Zu wissen, zu welchem Staat man gehöre, sei eine Frage der Menschenwürde, so der südafrikanische Erzbischof. Laut Tlhagale können Kirche und zivile Organisationen ihren Teil dazu beitragen, weltweit den Kampf gegen die Staatenlosigkeit zu beschleunigen:

„Ökumenisch und interreligiös müssen wir Wege und Mittel finden, um zu erreichen, dass Kinder registriert werden“

„Wir religiösen Führer müssen auch unsere Rolle spielen, gemeinsam mit den Nichtregierungsorganisationen, um das Phänomen zu beseitigen oder ein Bewusstsein für die damit verbundenen Probleme zu schaffen. Staatenlosigkeit raubt Individuen ihre menschliche Würde, sie entzieht ihnen menschliche Rechte, die für die meisten von uns selbstverständlich erscheinen. Ökumenisch und interreligiös müssen wir Wege und Mittel finden, um zu erreichen, dass Kinder registriert werden. Das Problem der Staatenlosigkeit ist nicht nur in Südafrika, sondern weltweit ein Problem, zu viele Menschen wissen nicht, wer sie sind.“

Südafrikas Kirche wendet sich deshalb mit Aufklärung und konkreter Hilfe über ihre diözesanen Netzwerke gezielt an nicht-registrierte Personen und Flüchtlinge. Auch versucht sie Einfluss auf lokale Gemeinschaften und Regierungen zu nehmen, um das Problem der Staatenlosigkeit zu erkennen und anzugehen.

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