Welche Götter verehrten die frühen Israeliten?
Eine Betrachtung im Licht der Forschung von Thomas Römer und der Templertradition
Wenn wir Templer über den Ursprung des Glaubens Israels nachdenken, dann tun wir das mit Ehrfurcht vor der Heiligen Schrift. Zugleich nehmen wir wahr, dass die Bibelwissenschaft, insbesondere Forscher wie Thomas Römer, Fragen stellt, die uns einen tieferen Blick in die religiöse Welt des Alten Orients ermöglichen. Römer zeigt auf, dass die frühen Israeliten – also die Vorläufer des späteren Judentums – nicht von Anfang an strenge Monotheisten waren, sondern in einem vielgestaltigen religiösen Umfeld lebten.
Jahwe – der aufsteigende Gott
Nach Römers Forschung ist Jahwe ursprünglich kein universaler Schöpfergott, sondern eine regionale Gottheit. Seine Wurzeln sieht er möglicherweise im Süden – im Gebiet von Edom, Midian oder Seïr. Von dort sei die Jahwe-Verehrung nach Israel gelangt. Erst in der Zeit der Könige und besonders im babylonischen Exil habe sich Jahwe dann zu dem einen, alleinigen Gott Israels entwickelt.
Baal – der Wetter- und Sturmgott
Vor Mose und parallel zur frühen Jahwe-Verehrung war Baal eine zentrale Figur. Als Wetter- und Fruchtbarkeitsgott galt er in Kanaan als Herr über Regen, Donner und das Aufblühen des Landes. Sein Kult war stark verbreitet, und die Bibel selbst bezeugt, wie das Volk Israel immer wieder „den Baalen“ diente.
Römer sieht darin ein Zeichen, dass die frühen Israeliten den Gott Israels nicht klar von den kanaanäischen Kulten trennten.
Aschera – die vergessene Göttin
Besonders aufschlussreich ist der Hinweis auf Aschera, die in vielen archäologischen Funden als Gefährtin Jahwes dargestellt wird. Tonfiguren, Inschriften und Altäre deuten darauf hin, dass Aschera in der Frühzeit Israels als Mutter- und Fruchtbarkeitsgöttin verehrt wurde. Manche Funde tragen die Inschrift: „Gepriesen sei Jahwe und seine Aschera“.
Römer interpretiert dies als Beleg, dass der strenge Monotheismus, den wir später kennen, sich erst nach und nach herausbildete.
Vom Vielgötterglauben zum Monotheismus
Römers Sicht verdeutlicht: Die frühen Israeliten lebten zunächst in einer polytheistischen Welt. Jahwe war ein Gott unter vielen, bis er im Laufe der Geschichte immer stärker als einziger Gott Israels hervorgehoben wurde. Die Propheten kämpften gegen die Baals- und Aschera-Kulte, um Jahwe allein an die erste Stelle zu setzen. Dieser Kampf dauerte über Jahrhunderte und fand seine Vollendung erst im babylonischen Exil, als Israel ohne Land und Tempel den einen Gott in neuer Tiefe entdeckte.
Der Blick der Templer
Für uns Templer liegt darin eine wichtige Erkenntnis: Wahrheit entfaltet sich in der Geschichte. Die Menschen mussten durch Versuchungen und Irrwege hindurchgehen, bis sie das Licht des einen Gottes klar erkannten. Die Erinnerung an Baal und Aschera zeigt uns, dass der Weg zum Monotheismus nicht geradlinig war, sondern ein geistiger Kampf.
Doch gerade in diesem Ringen offenbart sich die Führung des Höchsten: dass das Volk Israel aus vielen Göttern den Einen erkannte – und dieser Eine im Christus des Neuen Bundes seine Fülle offenbarte.
