Wie haben wir Templer im Mittelalter unseren Glauben gelebt?
Brüder und Schwestern,
oft wird heute gefragt: Wie lebten wir Templer im Mittelalter unseren Glauben? Was bedeutete es für uns, im Namen Gottes zu kämpfen, und wie verstanden wir die Worte, die von den Kanzeln erschallten: „Deus lo vult – Gott will es“?
Der Glaube als Lebensgrundlage
Für uns Templer war der Glaube nicht eine Gewohnheit oder ein Teil des Lebens – er war das Leben selbst.
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Jeder Tag begann und endete mit Gebet.
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Die Liturgie bestimmte den Rhythmus der Stunden, sei es im Feldlager oder in der Kapelle.
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Fasten, Beichte und die heiligen Sakramente waren unsere Nahrung.
Wir waren Ritter, doch nicht zuerst Krieger, sondern Mönche unter Waffen. Unser Schwert war geweiht, unser Schild trug das Kreuz, und jeder Schlag, den wir führten, sollte ein Akt des Gehorsams gegenüber Christus sein.
„Gott will es“ – der Ruf der Kreuzzüge
Heute klingt der Aufruf der Päpste zum Kreuzzug vielen wie eine Anmaßung. Wie kann ein Mensch sagen, er kenne den Willen Gottes? Doch damals, in unserer Zeit, war das Verständnis ein anderes.
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Für die Menschen des Mittelalters war Gott nicht fern, sondern in jedem Ereignis gegenwärtig: in Sieg und Niederlage, in Regen und Dürre, in Geburt und Tod.
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Der Papst, als Stellvertreter Christi, galt als Mund Gottes auf Erden. Wenn er zum Kreuzzug rief, so glaubten viele, dass Gott selbst rief.
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„Deus lo vult“ war der Schlachtruf, unter dem Könige, Bauern und Ritter Seite an Seite zogen – überzeugt, im Dienst des Himmels zu handeln.
Wir Templer waren Teil dieses Glaubens. Ob wir selbst immer ganz ohne Zweifel waren, bleibt im Dunkel des Herzens. Doch wir lebten im Gehorsam, und Gehorsam war für uns zugleich Opfer und Hingabe.
Herrschaft „von Gottes Gnaden“
Auch die Herrscher jener Zeit sahen sich nicht als bloße Könige oder Fürsten, sondern als von Gottes Gnaden eingesetzt.
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Die Krönung war nicht nur ein weltlicher Akt, sondern ein Sakrament: Das Öl auf der Stirn des Königs war Zeichen, dass er Gottes Diener im Reich war.
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Damit war auch seine Herrschaft heilig, und jeder Angriff auf ihn galt zugleich als Angriff auf die Ordnung Gottes.
Wir Templer anerkannten diese göttliche Ordnung, doch zugleich standen wir über den Fürsten, denn wir gehorchten einzig dem Papst. Unser Schwur machte uns frei von Vasallentreue, doch gebunden an das höhere Reich.
Der gelebte Alltag im Glauben
Unser Glaube war kein stilles Sinnen, sondern ein ständiger Kampf:
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Kampf gegen die eigenen Leidenschaften, durch Zucht, Gebet und Schweigen.
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Kampf gegen die Feinde des Glaubens, auf dem Schlachtfeld von Akkon, Jerusalem oder Damiette.
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Kampf für die Armen und Pilger, die unseren Schutz suchten.
So verstanden wir unser Leben: nicht für uns selbst, sondern für Gott und die Brüder.
Die Skepsis von heute
Heute blickt man mit anderen Augen auf jene Zeit. Viele fragen, ob es nicht Anmaßung war, in Gottes Namen zu kämpfen oder zu herrschen. Wir selbst, wären wir jetzt unter euch, müssten zugeben: Ja, mancher sprach leichtfertig von Gottes Willen. Doch damals lebten die Menschen in einem Weltbild, in dem alles auf Gott bezogen war.
Wenn wir heute sagen: „Ich bin skeptisch, wenn jemand in Gottes Namen spricht“, so ist das eine Frucht der Erfahrung und der Erkenntnis. Doch im Mittelalter war der Glaube so allumfassend, dass solche Skepsis kaum aufkommen konnte.
Schlusswort
Wir Templer lebten unseren Glauben mit Ernst, Hingabe und Gehorsam. Wir glaubten, dass unser Leben Opfer sei, das auf dem Altar Christi dargebracht wird.
Ob wir dabei Irrtümer begingen? Gewiss, denn wir waren Menschen. Doch unsere Herzen brannten für Gott, und unser Wahlspruch bleibt bestehen:
Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam.
