✠✠✠✠✠✠ TEMPLER MAGAZIN ✠✠✠✠✠✠

⚔️ Gedanken am 31. Oktober

Halloween – Der Übergangstag der inneren Wandlung

Halloween ist weit mehr als ein volkstümliches Fest mit Kürbissen, Masken und Süßigkeiten. In seiner ursprünglichen Bedeutung markiert es die Hälfte des Weges zwischen dem Herbstäquinoktium und der Wintersonnenwende. Es ist die Schwelle, an der das Jahr in seine dunkelste Zeit eintritt. Die Erdströmungen ziehen uns tiefer hinein in das Geheimnis der Vergänglichkeit, hinein durch die Pforte des Todes – und zugleich in den Schoß der Erde, wo die Weisheit, verborgen wie ein Samenkorn, heranreift.

Schon die alten Kelten sahen in dieser Nacht von Samhain den Moment, da die Grenze zwischen den Welten dünn und durchlässig wird. Auch wir Templer können diese Zeit nutzen, um uns daran zu erinnern, dass das Leben nicht ewig währt und dass jeder Tag eine Gelegenheit zur Umkehr, zur Reifung und zur bewussten Gestaltung ist.

Ich erinnere mich an einen einwöchigen Heilkurs, bei dem wir uns auf einen Friedhof begaben. Dort suchte jeder Teilnehmer einen Grabstein aus, den er sich als den eigenen vorstellte. Dieses stille Memento mori verlieh unserer Lebensrückschau einen schmerzlichen, aber heilsamen Charakter. Wir wurden uns bewusst, wie dringend notwendig Veränderungen sind, solange uns noch Zeit gegeben ist.

Auch in buddhistischen Traditionen findet man ähnliche Übungen: Meditationen auf Friedhöfen oder an Verbrennungsstätten. Sie haben nicht den Sinn, das Herz zu belasten, sondern es wachzurütteln. Der Übende erkennt die Unbeständigkeit allen Seins, wodurch sein Wille zur Achtsamkeit, zur Güte und zum Erwachen gestärkt wird.

So ist Halloween nicht nur ein Tag der Masken, sondern ein Tag der Enthüllung: Wir begegnen der eigenen Endlichkeit und gewinnen gerade dadurch die Kraft, unser Leben klarer und furchtloser zu führen.

Tägliche Templerarbeit:
Mache heute, wenn es dir möglich ist, einen achtsamen Spaziergang auf einem Friedhof. Suche dir einen Grabstein, von dem du dir vorstellen könntest, er sei der deinige. Lasse dein Leben in Gedanken an dir vorüberziehen: Welche Werke der Tugend hast du hervorgebracht? In welchen Momenten hast du nicht verletzt? Wann ist es dir gelungen, deinen Geist zu zähmen?
Schließe mit einem stillen Gebet: Danke Gott, dass du noch lebst und die Chance hast, dein volles Potential in diesem Leben zu verwirklichen.

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