⚔️ Gedanken am 5. Juli
Verwenden – oder verlieren: Die Verantwortung für unsere Gaben
Die schöpferische Kraft will fließen
Im großen Gefüge des Lebens ist nichts statisch. Alles ist Bewegung, Entwicklung, Wandlung. Stillstand bedeutet Rückgang – im Körper wie im Geist, in der Seele wie im Herzen. Was wir nicht gebrauchen, verkümmert.
Das gilt für unsere Muskeln ebenso wie für unseren Verstand. Und ganz besonders gilt es für jene inneren Kräfte, die wir unsere Talente nennen – jene gottgegebenen Gaben, die uns einzigartig machen.
Wenn wir sie ignorieren, verkümmern sie nicht nur – sie beginnen, sich gegen uns zu richten. Die unterdrückte Kreativität, das ungenutzte Mitgefühl, das zurückgehaltene Wort – all das kann in uns Gefühle von Frustration, Leere, sogar Depression hervorrufen. Der Fluss der Lebenskraft, der durch uns wirken will, stockt. Und damit verliert unser Leben an Strahlkraft, Sinn und Freude.
Das Gleichnis der Talente – ein göttlicher Auftrag
Jesus erzählt uns im Evangelium ein Gleichnis, das bis heute nichts an Tiefe und Aktualität verloren hat:
Ein reicher Mann ruft seine drei Knechte zu sich, bevor er auf Reisen geht, und vertraut ihnen sein Vermögen an – je nach ihrer Fähigkeit. Zwei von ihnen handeln mit dem Empfangenen, lassen es wachsen und mehren es. Der dritte aber, aus Angst, etwas falsch zu machen, vergräbt das ihm Anvertraute.
Als der Herr zurückkehrt, belohnt er die Mutigen – und entzieht dem Ängstlichen sein Talent. Nicht, weil er ihn bestrafen will, sondern weil dieser sich selbst und dem Leben das Vertrauen verweigert hat.
Dieses Gleichnis ist eine eindringliche Mahnung: Gott hat jedem von uns Gaben anvertraut. Und es ist nicht unsere Aufgabe, sie zu verstecken oder zu rechtfertigen, warum wir sie nicht einsetzen. Vielmehr sind wir dazu berufen, sie zu verwalten, zu entfalten und in den Dienst des Ganzen zu stellen.
Die Templerarbeit: Hören, still werden, handeln
„Wer Ohren hat, der höre!“
So beginnt der Weg. Die spirituelle Praxis der Templer beginnt nicht mit Aktion, sondern mit innerer Sammlung. Atme ruhig und loslassend – gleite bewusst in den Raum der Stille. Dort findest du nicht nur Frieden, sondern auch Erinnerung: Erinnerung an deine wahren Stärken, an das, was du einst mit Freude getan hast, an das, was du noch immer in dir trägst.
Stelle dir dann die Frage:
Welche einzigartigen Begabungen hat mir das Leben geschenkt?
Und wo, wie und für wen kann ich sie heute einsetzen?
Dabei geht es nicht um Leistung oder wirtschaftlichen Nutzen. Deine Gaben müssen nicht „vermarktet“ werden. Es geht um wirksames Sein. Vielleicht ist deine Gabe das aufmerksame Zuhören, das Ermutigen, das Gestalten, das Heilen, das Visionäre, das Stille-Sein-Können in einer lauten Welt.
Fazit: Talente wollen Licht, nicht Erde
Ein vergrabenes Talent ist wie ein Licht, das man unter einen Scheffel stellt – es kann nicht leuchten. Doch wenn du es hebst, pflegst und in Liebe verwendest, wird es nicht nur dich selbst erfüllen, sondern auch anderen zum Segen werden.
Gott hat dich nicht vergessen, als er Gaben verteilte – du bist reich beschenkt. Nun liegt es an dir, zu vertrauen, zu handeln und dich in den großen Strom des schöpferischen Lebens hineinzubegeben. Denn nur, was wir verwenden, lebt.
„Wer sich im Kleinen als zuverlässig erweist, dem kann auch im Großen vertraut werden.“
Handle also aus Liebe, nicht aus Angst – und du wirst Frucht bringen, im Licht und zur Freude vieler.
