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⚔️ Das Verschwinden der Templerflotte nach 1307

Mythos und Realität

Am 13. Oktober 1307 begann die systematische Verfolgung der Tempelritter durch den französischen König Philipp IV., der in enger Zusammenarbeit mit Papst Clemens V. die Verhaftung der Ordensbrüder in Frankreich anordnete. Während viele Templer in die Fänge der Inquisition gerieten, blieben einige unentdeckt – ebenso wie die sagenumwobene Flotte des Ordens.

Über das Schicksal dieser Flotte gibt es zahlreiche Spekulationen. Sicher ist nur, dass nach jenem schicksalhaften Tag keine genauen Aufzeichnungen über ihre Existenz mehr gefunden wurden. Doch wohin könnten die Schiffe und die nicht gefangenen Ordensbrüder geflohen sein?

Die Flucht der Templer aus Frankreich

Während in Frankreich die Inquisition grausame Methoden anwandte, um Geständnisse zu erzwingen, suchten die flüchtigen Tempelritter nach sicheren Zufluchtsorten. Die entscheidenden Fragen lauten:

  • Wo konnten sich die Templer der Verfolgung entziehen?
  • Welche Herrscher ließen sich nicht von König Philipp beeinflussen?
  • Welche Länder boten Schutz?

Der Orden besaß Besitzungen in vielen Regionen Europas, doch nirgends war er wirklich sicher. Dennoch gab es Gebiete, in denen die Herrscher zunächst nicht bereit waren, den französischen König zu unterstützen.

Die iberische Halbinsel als Rückzugsort

Besonders in den Königreichen Aragon, Kastilien, León und Portugal hatten sich die Templer große Verdienste in der Reconquista, dem Kampf gegen die Mauren, erworben. Sie hatten ihre Burgen, ihr militärisches Können und ihre finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt, um die christlichen Herrscher bei der Rückeroberung Spaniens zu unterstützen.

Daher weigerten sich die Könige:

  • Jakob II. von Aragon
  • Ferdinand IV. von Kastilien
  • Diniz von Portugal

zunächst, den Templern zu schaden. Solange Papst Clemens sich nicht eindeutig gegen den Orden aussprach, hatten die Templer in diesen Ländern nichts zu befürchten. Doch mit der päpstlichen Bulle „Pastoralis praeminentiae“ vom 22. November 1307 legitimierte der Papst die Verfolgung des Ordens und forderte alle christlichen Herrscher auf, die Templer zu verhaften.

Widerstand und Übergang in neue Orden

In Spanien leisteten die Templer erbitterten Widerstand gegen ihre Verhaftung. Sie verschanzten sich in ihren Burgen und konnten erst nach und nach besiegt werden. Die letzte große Festung, Monzón, fiel erst am 17. Mai 1308. Allerdings blieb die Inquisition in Spanien und Portugal moderater als in Frankreich – Folter wurde zunächst nicht angewandt, sodass die Templer kaum Geständnisse ablegten und ihre Verfolgung erschwert wurde.

Nach der offiziellen Auflösung des Templerordens im Jahr 1312 traten viele ehemalige Ritter in andere spanische Orden über, insbesondere:

  • Orden von Alcántara
  • Orden von Calatrava
  • Orden von Montesa (gegründet 1316, als offizieller Nachfolgeorden der Templer in Aragon)

Die besondere Rolle Portugals

In Portugal verfolgte König Diniz eine andere Strategie. Statt die Templer auszuliefern, lud er sie auf seine Burg Castro Marim ein und bewirtete sie dort über Jahre hinweg. Gleichzeitig ließ er ihre Güter verwalten, bis er sie in einen neuen Orden überführte: den Christusritterorden, der offiziell 1319 gegründet wurde.

  • Die Templerfestung Tomar wurde zur neuen Ordenszentrale.
  • Das Templervermögen blieb in Portugal erhalten.
  • Das Ordenssymbol wurde leicht angepasst: Das rote achtspitzige Templerkreuz erhielt ein kleineres, eingeschriebenes weißes Kreuz – als Symbol der Unschuld der Templer.

Die Verbindung zur Entdeckung der Neuen Welt

Unter dem Banner des Christusritterordens begann Portugal im 15. Jahrhundert mit seinen großen Entdeckungsreisen. Heinrich der Seefahrer, selbst Großmeister des Ordens, nutzte die finanziellen Mittel und das maritime Wissen der ehemaligen Templer für die Seefahrtsexpeditionen. Die berühmten portugiesischen Entdecker, darunter Vasco da Gama, segelten unter dem Kreuz der Templer.

Die Theorie, dass die Templerflotte nach Portugal floh und die maritime Expansion mitfinanzierte, ist zwar nicht abschließend bewiesen, aber durchaus plausibel. Das Wissen der Templer über Navigation und Seefahrt könnte in den portugiesischen Schiffbau eingeflossen sein und die Entdeckung neuer Handelsrouten ermöglicht haben.

Das Rätsel von La Rochelle

Ein weiteres großes Mysterium bleibt die Templerflotte von La Rochelle. Berichten zufolge lagen dort am Vorabend der Verhaftungen zahlreiche Schiffe vor Anker. Doch als die königlichen Soldaten am Morgen des 13. Oktober 1307 eintrafen, waren die Schiffe verschwunden.

Wohin sie segelten, bleibt ein Rätsel. Einige Theorien besagen, dass die Flotte:

  1. Nach Portugal floh, wo sie in den Christusritterorden integriert wurde.
  2. Nach Schottland segelte, wo sie Zuflucht bei Robert the Bruce fand, der selbst mit der Kirche im Konflikt stand.
  3. In die Neue Welt aufbrach, lange vor Kolumbus – eine spekulative, aber oft diskutierte These.

Fazit

Der Verbleib der Templerflotte nach 1307 bleibt eines der größten ungelösten Geheimnisse der Geschichte. Während viele Ritter in anderen Orden aufgingen oder sich in Portugal neu organisierten, könnten einige Schiffe tatsächlich geflohen sein.

Ob sie später zur Basis der portugiesischen Entdeckungen wurden oder in unbekannte Regionen segelten, bleibt der Stoff für Legenden – doch die enge Verbindung zwischen den Templern, dem Christusritterorden und der portugiesischen Seefahrt ist historisch nachweisbar.

Unter dem Zeichen des roten Kreuzes, das einst die Templer auf dem Schlachtfeld trugen, segelten später die portugiesischen Entdecker über die Weltmeere – und so lebte der Geist des Ordens weiter, lange nachdem seine Verfolgung offiziell beendet war.

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