✠✠✠✠✠✠ Logen Blog ✠✠✠✠✠✠

Die Donaten der Tempelritter

 Die große Familie des Ordens

Wenn heute vom Templerorden gesprochen wird, denken die meisten Menschen an Ritter im weißen Mantel mit dem roten Kreuz. Tatsächlich bestand der Orden jedoch aus weit mehr als den professierten Brüdern. Um den eigentlichen Orden hatte sich im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts eine große geistliche Gemeinschaft gebildet, die in den Quellen als Familia Templi, die Familie des Tempels, bezeichnet wird.

Zu dieser großen Ordensfamilie gehörten nicht nur Ritter auf Zeit oder dienende Helfer, sondern auch die sogenannten Donaten. Sie waren dem Orden eng verbunden, ohne selbst vollwertige Ordensmitglieder zu sein. Ihr Beitrag zum Leben des Templerordens war dennoch von großer Bedeutung.

Wer waren die Donaten?

Die mittelalterlichen Quellen verwenden verschiedene Bezeichnungen für diese Menschen. Man findet Begriffe wie donati, conversi, familiares, oblati oder confratres. Diese Ausdrücke werden nicht immer eindeutig voneinander unterschieden und häufig sogar synonym verwendet. Besonders der Begriff confratres kann sowohl Donaten als auch professierte Brüder bezeichnen. Deshalb ist bei der Auswertung historischer Quellen stets größte Sorgfalt erforderlich.

Gemeinsam war allen Donaten, dass sie sich dem Orden in besonderer Weise verbunden fühlten. Sie gehörten gewissermaßen zur erweiterten Familie des Tempels, ohne die vollständigen Gelübde eines Ordensbruders abzulegen.

Eine geistliche Gemeinschaft

Bereits im Jahr 1135 wurde durch ein päpstliches Privileg eine Form geistlicher Verbundenheit zwischen dem Orden und seinen Wohltätern geschaffen. Viele Donaten stammten aus Familien, die den Reformbewegungen der Kirche des 11. und 12. Jahrhunderts nahestanden und den Templern aus religiöser Überzeugung verbunden waren.

Der Eintritt als Donat war meist mit einer Schenkung an den Orden verbunden. Dafür erhielt der Donat Anteil am geistlichen Leben der Tempelritter, an ihren Gebeten und häufig auch an ihrem besonderen Schutz.

Es handelte sich also keineswegs um eine bloße Mitgliedschaft im modernen Sinn, sondern um eine gegenseitige geistliche Verpflichtung.

Verschiedene Formen der Donation

Die Donation konnte unterschiedliche Gestalt annehmen.

Eine häufige Form war die sogenannte post-obitum-Donation. Dabei bestimmte der Wohltäter, nach seinem Tod mit den geistlichen Vorrechten des Ordens bedacht zu werden. Viele wünschten sich, auf einem Templerfriedhof beigesetzt zu werden und an den Gebeten der Brüder teilzuhaben.

Andere entschieden sich bereits zu Lebzeiten für eine spirituelle Affiliation. Dadurch wurden sie Teil der Gebetsgemeinschaft des Ordens und nahmen geistlich am Leben der Templer teil.

Eine weitere Möglichkeit bestand in der Affiliation durch eine Eintrittsgabe. In diesem Fall übernahm der Orden sogar konkrete Verpflichtungen gegenüber dem Donaten. Er konnte sich verpflichten, diesen zu bekleiden, zu versorgen oder im Alter, bei Krankheit oder Armut aufzunehmen.

Damit entstand eine enge Verbindung gegenseitiger Verantwortung.

Leben unter der Regel

Einige Donaten gingen noch einen Schritt weiter.

Sie leisteten dem Orden einen Treueeid und lebten weitgehend nach dessen Regel und Gehorsam. Die mittelalterlichen Quellen sprechen davon, dass sie „sub obedientia et regula“, also unter Gehorsam und nach der Ordensregel lebten.

Obwohl sie keine vollwertigen Professmitglieder waren, nahmen sie vielfach am geistlichen Alltag des Ordens teil.

Manche erhielten sogar das Templerhabit als Zeichen ihrer Verbundenheit.

Dennoch blieb ein wesentlicher Unterschied bestehen: Donaten galten rechtlich nicht als Brüder oder Schwestern des Ordens. Deshalb wurden bei ihrem Tod auch nicht alle Gebetsverpflichtungen erfüllt, die für verstorbene Professmitglieder vorgeschrieben waren.

Auch Frauen und Geistliche gehörten dazu

Die Gemeinschaft der Donaten stand keineswegs ausschließlich Männern offen.

Auch Frauen konnten sich dem Orden als Donatinnen anschließen und an seinem geistlichen Leben teilhaben.

Ebenso traten zahlreiche Geistliche als Donaten in die Familia Templi ein.

Besonders eindrucksvoll sind die erhaltenen Register aus Nordspanien. Bereits im 12. Jahrhundert verzeichnen sie mehrere hundert Donaten. Ein einziges Register enthält über 450 Namen, was den hohen Ruf des Templerordens in jener Zeit eindrucksvoll belegt.

Unter den Donaten befanden sich bedeutende Persönlichkeiten wie der König von Navarra oder Bischof Sancho von Pamplona.

Auch im Heiligen Land finden wir zahlreiche Beispiele.

So gehörten der Bischof Robert von Beirut, mehrere Kanoniker aus Nikosia sowie der Erzdiakon Johannes Frison zu den Donaten. Johannes Frison wirkte sogar viele Jahre als Kaplan des Provinzmeisters der Templer auf Zypern und diente anschließend im Ordenshaus von Nikosia.

Donaten trugen Verantwortung

Die Donaten waren keineswegs nur passive Wohltäter.

Manche übernahmen verantwortungsvolle Aufgaben innerhalb der Ordensverwaltung.

Ein bekanntes Beispiel ist Robaldo Marabotto, der als Donat die Templerniederlassung von Albenga in Norditalien leitete. Er nahm Schenkungen entgegen, verwaltete Besitzungen und führte wirtschaftliche Transaktionen im Namen des Ordens durch.

Dies zeigt, welches Vertrauen die Tempelritter ihren Donaten entgegenbrachten.

Ein Weg in den Orden

Einige Historiker vermuten, dass die Donation zugleich eine Art Vorstufe zum eigentlichen Ordenseintritt gewesen sein könnte.

Zwar besaß der Templerorden ein geregeltes Noviziat, doch finden sich zahlreiche Beispiele dafür, dass Donaten später als vollwertige Brüder in den Orden aufgenommen wurden.

Die Zeit als Donat bot Gelegenheit, den Orden kennenzulernen, seine Spiritualität zu leben und sich auf eine mögliche Profess vorzubereiten.

Was können wir heute daraus lernen?

Die Geschichte der Donaten zeigt eindrucksvoll, dass der Templerorden nie nur aus kämpfenden Rittern bestand. Er war eine große geistliche Gemeinschaft, in der Menschen unterschiedlichster Herkunft ihren Platz fanden.

Nicht jeder war zum Ritter berufen.

Nicht jeder legte Ordensgelübde ab.

Und doch konnten viele Menschen auf ihre Weise am Auftrag des Tempels mitwirken.

Auch heute lebt ein Orden von dieser Vielfalt. Neben denjenigen, die sich mit allen Rechten und Pflichten dauerhaft binden, braucht es Freunde, Förderer, Mitarbeiter und geistlich Verbundene. Sie alle tragen dazu bei, dass ein gemeinsames Werk wachsen kann.

Die mittelalterlichen Donaten erinnern uns daran, dass wahre Gemeinschaft nicht allein durch einen Titel entsteht, sondern durch Treue, gegenseitige Verantwortung und die Bereitschaft, gemeinsam einem höheren Ziel zu dienen.

Die Familia Templi war weit größer als der Kreis der Ritter. Sie war eine geistliche Familie – und genau darin lag ihre eigentliche Stärke.

Schreibe einen Kommentar