REGULA MODERNA
REGULA MODERNA
Die moderne Ordensregel des „Alten Souveränen Templerordens“
Wahlspruch
Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam.
Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre.
Nach Psalm 115,1
Präambel
Der Alte Souveräne Templerorden steht in der geistigen und ritterlichen Tradition der Tempelritter. Er erhebt nicht den Anspruch, die mittelalterlichen Lebensformen des historischen Templerordens wiederherzustellen. Seine Mitglieder leben nicht in Klöstern oder abgeschlossenen Ordenshäusern, sondern mitten in der heutigen Gesellschaft. Sie haben Familien, üben Berufe aus, tragen Verantwortung in ihrem persönlichen Umfeld und verwalten ihr eigenes Vermögen.
Die Zugehörigkeit zum Orden ist daher keine Flucht aus der Welt, sondern eine Verpflichtung zum verantwortungsvollen Handeln innerhalb der Welt. Der moderne Templer soll sich nicht von seinen Mitmenschen absondern, sondern ihnen durch Haltung, Hilfsbereitschaft, Verlässlichkeit und moralische Standfestigkeit dienen.
Die Begriffe des historischen Rittertums werden in dieser Regel sinnbildlich verstanden. Das Schwert des modernen Templers ist das wahrhaftige Wort. Sein Schild ist sein Glaube. Seine Rüstung ist seine sittliche Standfestigkeit. Sein Kampf richtet sich nicht gegen Menschen, Religionen oder Völker, sondern gegen Unwissenheit, Hass, Unrecht, Not, Fanatismus und Gleichgültigkeit.
Die Regula Moderna soll den Mitgliedern keine unnötigen Vorschriften für ihr Privatleben auferlegen. Sie soll ihnen vielmehr eine geistige Orientierung geben. Wer diese Regel freiwillig annimmt, verpflichtet sich durch sein Wort und seine Ehre, nach ihren Grundsätzen zu leben.
Kapitel 1: Vom Tempel
Erinnere dich stets daran, dass du ein Templer bist. Der Tempel, dem du dienst, ist nicht allein ein Gebäude aus Stein. Er ist ebenso im Herzen des Menschen, in der Gemeinschaft der Geschwister und überall dort gegenwärtig, wo Wahrheit gesucht, Frieden gestiftet und Not gelindert wird.
Bemühe dich, dein eigenes Inneres zu einem würdigen Tempel zu machen. Reinige es von Hass, Neid, Hochmut, Habgier und Vorurteilen. Pflege darin Glauben, Erkenntnis, Barmherzigkeit und Liebe.
Achte zugleich die sichtbaren Stätten des Glaubens. Kirchen, Klöster, Kapellen, Friedhöfe, Denkmäler und historische Ordensstätten sind Zeugnisse des geistigen und kulturellen Erbes. Ihr Schutz und ihre Bewahrung sollen den Mitgliedern des Ordens ein besonderes Anliegen sein.
Kapitel 2: Vom christlichen Glauben
Der Orden gründet auf der Botschaft Jesu und auf den sittlichen Werten des Christentums. In Jesus erkennt der Templer das Vorbild dienender Liebe, der Wahrhaftigkeit, des Opfers und der Versöhnung.
Der Orden steht Angehörigen der katholischen, evangelischen, orthodoxen und anglikanischen Kirchen sowie anderer christlicher Gemeinschaften offen, sofern sie die Grundsätze des Ordens achten. Unterschiede in Bekenntnis, Liturgie und kirchlicher Tradition dürfen nicht zu Geringschätzung oder Streit führen.
Kein Mitglied darf seine eigene Konfession über die der anderen erheben. Was die christlichen Kirchen verbindet, soll im Orden stärker wiegen als das, was sie voneinander trennt. Die Einheit des Ordens beruht nicht auf völliger Gleichheit religiöser Auffassungen, sondern auf dem gemeinsamen Willen, Christus im eigenen Leben nachzufolgen.
Kapitel 3: Von der Ökumene und dem interreligiösen Dialog
Der Templer begegnet Menschen anderer Religionen mit Achtung. Er darf für seinen christlichen Glauben einstehen, soll dies jedoch ohne Überheblichkeit, Zwang oder Herabsetzung anderer Überzeugungen tun.
Der interreligiöse Dialog ist ausdrücklich erwünscht, sofern er auf Gegenseitigkeit, Wahrhaftigkeit und friedlicher Verständigung beruht. Der Orden erkennt an, dass Menschen verschiedener Religionen gemeinsam für Frieden, Menschenwürde, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung eintreten können.
Religiöser Fanatismus, die Verfolgung Andersgläubiger und die Rechtfertigung von Gewalt im Namen Gottes widersprechen dem Geist dieser Regel.
Kapitel 4: Vom bürgerlichen Leben
Die Mitglieder leben als selbstständige und verantwortliche Menschen in der Gesellschaft. Sie dürfen heiraten, Familien gründen, einen Beruf ausüben, Eigentum besitzen und am öffentlichen Leben teilnehmen. Der Orden verlangt keine klösterlichen Gelübde der Armut, der Ehelosigkeit oder des unbedingten Gehorsams.
Das Familienleben soll geachtet und geschützt werden. Ordenspflichten dürfen nicht dazu führen, dass Ehepartner, Kinder, pflegebedürftige Angehörige oder berufliche Verpflichtungen vernachlässigt werden. Wer im eigenen Haus keine Verantwortung übernimmt, kann auch der größeren Gemeinschaft nicht glaubwürdig dienen.
Der Orden greift nicht ohne zwingenden Grund in das Privatleben seiner Mitglieder ein. Er erwartet jedoch eine moralische, ehrbare und gesetzestreue Lebensführung.
Kapitel 5: Vom Eigentum und vom Umgang mit Geld
Jedes Mitglied behält und verwaltet sein eigenes Vermögen. Der Orden erhebt keinen Anspruch auf Einkommen, Eigentum, Erbschaften oder sonstige persönliche Vermögenswerte seiner Mitglieder.
Die Mitglieder leisten die festgelegten Mitgliedsbeiträge. Darüber hinausgehende Spenden sind freiwillig. Niemand darf wegen geringer finanzieller Mittel beschämt oder in seinem Ansehen herabgesetzt werden. Der Wert eines Templers bemisst sich nicht nach seinem Vermögen, sondern nach seinem Charakter und seinem Dienst.
Mit den Mitteln des Ordens ist sorgfältig, sparsam und nachvollziehbar umzugehen. Ordensvermögen darf niemals der persönlichen Bereicherung einzelner Amtsträger dienen. Einnahmen und Ausgaben sind nach den geltenden Statuten und gesetzlichen Vorschriften zu verwalten.
Wohltätigkeit soll aus innerer Überzeugung geschehen. Sie darf nicht zum Mittel persönlicher Selbstdarstellung werden.
Kapitel 6: Von der persönlichen Freiheit und Verantwortung
Der Orden achtet die Freiheit und Würde jedes Mitglieds. Er schreibt nicht vor, wie ein Mitglied seine Wohnung gestaltet, welchen erlaubten Beruf es ausübt, welche politische Partei es wählt oder wie es seine Freizeit verbringt.
Diese Freiheit entbindet jedoch nicht von Verantwortung. Von jedem Mitglied wird erwartet, dass es die Folgen seines Handelns bedenkt und nichts tut, was die Würde anderer Menschen, die eigene Ehre oder das Ansehen des Ordens schwerwiegend verletzt.
Die Zugehörigkeit zum Orden darf niemals als Entschuldigung dafür dienen, das eigene Gewissen auszuschalten. Auch gegenüber Vorgesetzten bleibt jedes Mitglied für seine Entscheidungen persönlich verantwortlich.
Kapitel 7: Von der moralischen Lebensführung
Ein Templer bemüht sich um Wahrhaftigkeit, Treue, Gerechtigkeit, Maßhaltung und Selbstbeherrschung. Er soll sein Wort halten, anvertraute Geheimnisse schützen und das Vertrauen anderer Menschen nicht missbrauchen.
Betrug, Bestechlichkeit, Verleumdung, Ausbeutung, Misshandlung, sexuelle Übergriffe und jede bewusste Erniedrigung anderer Menschen sind mit der Mitgliedschaft unvereinbar.
Kein Mitglied ist ohne Fehler. Die Regel verlangt keine unerreichbare Vollkommenheit. Sie verlangt jedoch die Bereitschaft, eigene Fehler zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen, verursachten Schaden nach Möglichkeit wiedergutzumachen und sich ernsthaft zu bessern.
Kapitel 8: Von der Würde des Menschen
Jeder Mensch besitzt eine unveräußerliche Würde. Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, gesellschaftliche Stellung, Vermögen, Behinderung oder Nationalität dürfen keinen Anlass zur Verachtung oder Benachteiligung geben.
Der Templer soll besonders jenen beistehen, die sich nicht aus eigener Kraft schützen können. Dazu gehören Kinder, alte Menschen, Kranke, Menschen mit Behinderungen, Verfolgte, Flüchtlinge, Witwen, Waisen und Opfer von Gewalt.
Hilfe soll nach Möglichkeit so geleistet werden, dass sie nicht nur eine augenblickliche Not lindert, sondern dem Menschen auch seine Selbstständigkeit und Würde bewahrt.
Kapitel 9: Vom ritterlichen Kampf
Der ritterliche Kampf des modernen Templers ist ausschließlich geistiger, sittlicher, gesellschaftlicher und humanitärer Natur. Der Orden führt keinen Krieg gegen Menschen und ruft weder zu Gewalt noch zu religiöser Feindschaft auf.
Das Schwert des Templers ist sein Wort, das mutig, aber nicht verletzend geführt werden soll. Seine Rüstung ist die Gewissensstärke. Sein Schild ist der Glaube. Seine Wachsamkeit gilt der Lüge, dem Unrecht, der Menschenverachtung und der Gleichgültigkeit.
Der moderne Templer kämpft durch Bildung gegen Unwissenheit, durch Aufklärung gegen Täuschung, durch Versöhnung gegen Hass, durch tätige Hilfe gegen Not und durch Zivilcourage gegen Unrecht.
Wer Gewalt verherrlicht oder das Templertum als Vorwand für politische, religiöse oder persönliche Feindschaft benutzt, handelt gegen diese Regel.
Kapitel 10: Vom Frieden
Die Bewahrung und Wiederherstellung des Friedens gehört zu den vornehmsten Aufgaben des Ordens. Frieden bedeutet nicht bloß die Abwesenheit von Krieg. Er verlangt Gerechtigkeit, gegenseitige Achtung, Schutz der Schwachen und die Bereitschaft zur Versöhnung.
Der Templer soll Streit nicht unnötig verschärfen. Er soll zuhören, bevor er urteilt, und vermitteln, wo Verständigung möglich ist. Er darf Unrecht deutlich benennen, soll dabei aber die Würde des Gegners achten.
Der Orden unterstützt friedliche Mittel der Konfliktlösung, insbesondere Diplomatie, humanitäre Hilfe, Bildung, Begegnung und den Dialog zwischen Religionen und Kulturen.
Kapitel 11: Vom Dienst an Flüchtlingen und Verfolgten
Die Geschichte des Heiligen Landes und des Nahen Ostens verpflichtet den Orden in besonderer Weise zur Aufmerksamkeit gegenüber den dort lebenden und leidenden Menschen. Der Orden soll im Rahmen seiner Möglichkeiten Flüchtlinge, Vertriebene, verfolgte Christen und andere Opfer von Krieg, Terror oder religiöser Verfolgung unterstützen.
Diese Hilfe soll ohne parteipolitische Instrumentalisierung erfolgen. Sie kann in materieller Unterstützung, Bildungsarbeit, öffentlicher Fürsprache, Zusammenarbeit mit anerkannten Hilfsorganisationen und persönlichem Beistand bestehen.
Der Hilfesuchende ist nicht als Last oder Gegenstand der Wohltätigkeit zu betrachten, sondern als Mensch mit eigener Geschichte, eigener Würde und eigenen Fähigkeiten.
Kapitel 12: Vom Schutz christlicher Stätten und des kulturellen Erbes
Der Orden setzt sich für die Erhaltung christlicher Kirchen, Klöster, Friedhöfe, Denkmäler, Handschriften, Kunstwerke und historischer Erinnerungsstätten ein. Dieser Schutz soll durch friedliche, rechtmäßige und fachlich verantwortete Maßnahmen geschehen.
Ebenso achtet der Orden die heiligen Stätten anderer Religionen. Wer den Schutz der eigenen Heiligtümer verlangt, muss bereit sein, auch die Heiligtümer anderer vor Schändung und Zerstörung zu bewahren.
Historische Forschung soll gewissenhaft betrieben werden. Legenden und Überlieferungen dürfen gepflegt werden, müssen jedoch von nachprüfbaren historischen Tatsachen unterschieden werden.
Kapitel 13: Von der Geschwisterlichkeit
Alle Mitglieder des Ordens sind ungeachtet ihres Ranges Geschwister. Ämter und Würden begründen Verantwortung, nicht persönliche Überlegenheit.
Begegne deinen Ordensgeschwistern mit Achtung, Geduld und Hilfsbereitschaft. Freue dich über ihre Erfolge und stehe ihnen in Krankheit, Trauer und Not nach deinen Möglichkeiten bei.
Meinungsverschiedenheiten sollen unmittelbar, sachlich und vertraulich geklärt werden. Verleumdung, Intrige, Mobbing und die Bildung feindseliger Gruppen schädigen die Gemeinschaft und widersprechen dem Geist des Ordens.
Geschwisterlichkeit verlangt keine blinde Zustimmung. Ein aufrichtiges und respektvoll ausgesprochenes Wort der Kritik kann ein größerer Dienst sein als schweigendes Einverständnis.
Kapitel 14: Von den Frauen und Männern im Orden
Frauen und Männer besitzen im Orden die gleiche menschliche Würde. Sie werden nach ihrer persönlichen Eignung, ihrem Einsatz, ihrer Erfahrung und ihrer Treue beurteilt.
Die traditionellen Bezeichnungen, Rangformen und zeremoniellen Aufgaben des Ordens richten sich nach seinen Statuten und Gebräuchen. Aus ihnen darf keine Geringschätzung eines Geschlechts abgeleitet werden.
Jede Form sexueller Belästigung, Ausnutzung oder Herabwürdigung ist verboten. Führungsämter begründen eine besondere Pflicht, die persönlichen Grenzen und die Würde der anvertrauten Mitglieder zu achten.
Kapitel 15: Vom Gehorsam
Der moderne Templer verspricht keinen unbedingten Gehorsam gegenüber einem Menschen. Er verpflichtet sich jedoch, die rechtmäßigen Statuten, Beschlüsse und Ordnungen der Gemeinschaft einzuhalten.
Weisungen von Amtsträgern sind zu befolgen, soweit sie rechtmäßig, zumutbar und mit dem Gewissen vereinbar sind. Niemand darf verlangen, dass ein Mitglied gegen staatliches Recht, die Menschenwürde, den christlichen Glauben oder sein verantwortetes Gewissen handelt.
Gehorsam im modernen Orden bedeutet Zuverlässigkeit, Ordnung und freiwillig angenommene Disziplin. Er darf niemals zur Unterdrückung, Manipulation oder persönlichen Machtausübung missbraucht werden.
Kapitel 16: Von den Ämtern und Rängen
Ein Amt im Orden ist ein Dienst an der Gemeinschaft. Es ist weder persönliches Eigentum noch gesellschaftlicher Adelstitel. Rang und Würde verpflichten ihren Träger zu größerer Bescheidenheit, Sorgfalt und Hilfsbereitschaft.
Amtsträger sollen Entscheidungen nachvollziehbar treffen, Kritik anhören und mit den ihnen anvertrauten Menschen geduldig umgehen. Sie dürfen ihre Stellung nicht zur Einschüchterung, zur persönlichen Bereicherung oder zur Bevorzugung von Freunden benutzen.
Wer ein Amt übernimmt, soll es gewissenhaft ausüben. Wer seine Aufgabe aus gesundheitlichen, familiären oder anderen berechtigten Gründen nicht mehr erfüllen kann, darf sie ohne Beschämung in andere Hände legen.
Kapitel 17: Vom Studium und von der Erkenntnis
Der Templerweg ist auch ein Weg des lebenslangen Lernens. Jedes Mitglied soll sich entsprechend seinen Möglichkeiten mit dem Christentum, der Geschichte des Templerordens, der Ethik, der Symbolik, der europäischen Geistesgeschichte und den Aufgaben der Gegenwart beschäftigen.
Der Orden bietet hierzu ein abgestuftes Studien- und Einweihungssystem an. Das Studium erfolgt ohne unnötigen Zeitdruck. Jeder soll entsprechend seiner Lebenssituation und seinen geistigen Fähigkeiten lernen können.
Erkenntnis darf nicht zu Hochmut führen. Je mehr ein Mensch weiß, desto deutlicher soll ihm bewusst werden, wie viel ihm noch verborgen ist. Lehrbriefe, Rituale und Symbole sollen zum eigenen Nachdenken anregen und nicht das selbstständige Urteil ersetzen.
Kapitel 18: Vom Gebet und vom geistlichen Leben
Der Templer soll sich regelmäßig Zeiten der Stille, des Gebets und der inneren Einkehr nehmen. Umfang und Form richten sich nach seiner Konfession, seiner Lebenssituation und seinen persönlichen Möglichkeiten.
Die Teilnahme am kirchlichen Leben wird empfohlen. Der Orden ersetzt jedoch keine Kirche und beansprucht keine kirchliche Autorität. Seine Zeremonien sind Ausdruck einer ritterlich-christlichen Gemeinschaft und keine Sakramente.
Das Gebet soll nicht nur den eigenen Anliegen gelten. Der Templer bete für Frieden, für Kranke, Verfolgte, Einsame, Verstorbene und für jene Menschen, mit denen er in Unfrieden lebt.
Kapitel 19: Von der Ordenskleidung und den Zeichen
Der weiße Mantel mit dem roten Templerkreuz erinnert an Reinheit der Absicht, Opferbereitschaft und den Dienst unter dem Zeichen Christi. Er ist kein Kostüm und kein Mittel persönlicher Selbstdarstellung.
Ordenskleidung wird grundsätzlich nur bei Aufnahmen, Investituren, Kapiteln, Gottesdiensten, Gedenkfeiern und anderen vom Orden bestimmten Anlässen getragen. Im gewöhnlichen Alltag sollen die Mitglieder durch ihr Verhalten und nicht durch auffällige Kleidung als Templer erkennbar sein.
Orden, Rangabzeichen und Titel sind würdig und zurückhaltend zu verwenden. Sie dürfen nicht den Eindruck staatlicher, militärischer, kirchlicher oder adeliger Befugnisse erwecken, die tatsächlich nicht bestehen.
Kapitel 20: Von der Teilnahme am Gemeinschaftsleben
Die Mitglieder sollen im Rahmen ihrer persönlichen Möglichkeiten am Gemeinschaftsleben teilnehmen. Eine starre Besuchspflicht besteht nicht. Alter, Krankheit, Entfernung, berufliche Belastungen und familiäre Pflichten sind zu berücksichtigen.
Zum Gemeinschaftsleben gehören persönliche Zusammenkünfte, Gottesdienste, Studienarbeit, schriftlicher Austausch und digitale Begegnungen. Auch Mitglieder, die keine Veranstaltungen besuchen können, bleiben vollwertige Angehörige des Ordens.
Wer länger nicht teilnehmen kann, soll deshalb nicht verurteilt werden. Die Gemeinschaft soll vielmehr nachfragen, ob Hilfe oder persönliche Begleitung benötigt wird.
Kapitel 21: Von der Verschwiegenheit
Vertrauliche Angelegenheiten des Ordens und persönliche Mitteilungen seiner Mitglieder sind zu schützen. Verschwiegenheit dient dem Vertrauen und nicht der Verdeckung von Unrecht.
Der Orden ist kein Geheimbund. Seine Ziele, seine rechtliche Organisation, seine grundlegenden Regeln und seine verantwortlichen Vertreter dürfen öffentlich bekannt sein. Vertraulich bleiben insbesondere persönliche Daten, interne Beratungen, nicht öffentliche Rituale und Inhalte, deren Schutz ausdrücklich bestimmt wurde.
Verschwiegenheit endet dort, wo sie zur Vertuschung von Straftaten, Missbrauch oder schwerwiegender Gefährdung eines Menschen führen würde. In solchen Fällen sind die zuständigen Stellen einzuschalten.
Kapitel 22: Vom öffentlichen Auftreten
Wer öffentlich als Mitglied des Ordens auftritt, soll sachlich, höflich und verantwortungsbewusst sprechen. Er darf seine persönliche Meinung nicht ohne Beauftragung als offizielle Haltung des gesamten Ordens darstellen.
In sozialen Netzwerken gelten dieselben Regeln der Ehre wie im persönlichen Gespräch. Beleidigungen, Drohungen, bewusst verbreitete Unwahrheiten und entwürdigende Darstellungen anderer Menschen sind eines Templers unwürdig.
Der Orden darf nicht für parteipolitische Wahlwerbung, extremistische Bestrebungen oder persönliche Geschäftsinteressen missbraucht werden. Mitglieder können sich als Privatpersonen politisch betätigen, müssen dabei aber persönliche Ansichten und offizielle Aussagen des Ordens klar voneinander trennen.
Kapitel 23: Von der Bewahrung der Schöpfung
Die Schöpfung ist dem Menschen nicht zur rücksichtslosen Ausbeutung, sondern zur verantwortungsvollen Bewahrung anvertraut. Der Templer soll mit natürlichen Lebensgrundlagen, Tieren und Ressourcen achtsam umgehen.
Der Orden kann Projekte unterstützen, die dem Schutz des Wassers, der Landschaft, des Klimas, der Artenvielfalt und des kulturellen Lebensraumes dienen. Auch kleine persönliche Entscheidungen können Ausdruck dieser Verantwortung sein.
Bewahrung der Schöpfung verlangt Vernunft und Maß. Sie soll Menschen verbinden und darf nicht zur Verachtung jener führen, die andere Lebensumstände oder Möglichkeiten besitzen.
Kapitel 24: Von Maßhaltung und Selbstdisziplin
Der moderne Templer soll lernen, sich selbst zu führen, bevor er andere führen will. Er bemüht sich um Maß im Essen, Trinken, Konsumieren, Reden und Urteilen.
Abhängigkeiten und Gewohnheiten, die den Menschen beherrschen, seine Familie belasten oder seine Pflichten beeinträchtigen, sollen erkannt und überwunden werden. Wer dabei Hilfe benötigt, soll sich ohne Scham an geeignete Angehörige, Beratungsstellen oder medizinische Fachleute wenden können.
Selbstdisziplin bedeutet nicht Freudlosigkeit. Die guten Gaben des Lebens dürfen dankbar angenommen werden. Doch der Templer soll sie besitzen, ohne von ihnen besessen zu werden.
Kapitel 25: Von Streit, Verfehlung und Versöhnung
Wo Menschen zusammenkommen, entstehen Missverständnisse und Konflikte. Der Orden erwartet nicht, dass seine Mitglieder niemals streiten, sondern dass sie Streit auf ehrbare Weise austragen.
Vor einer öffentlichen Anschuldigung soll grundsätzlich das persönliche Gespräch gesucht werden, sofern dadurch niemand gefährdet wird. Beide Seiten sind anzuhören. Entscheidungen über Ordnungsmaßnahmen dürfen nicht aus Rache oder aufgrund bloßer Gerüchte getroffen werden.
Ziel jeder gerechten Ordnung soll, soweit möglich, die Einsicht, Wiedergutmachung und Versöhnung sein. Bei schweren Verfehlungen kann jedoch der Schutz der Gemeinschaft einen zeitweiligen oder dauerhaften Ausschluss notwendig machen.
Kapitel 26: Von Aufnahme und freiwilliger Bindung
Die Aufnahme in den Orden geschieht aus freiem Willen. Niemand darf durch Druck, Täuschung, Angst oder unrealistische Versprechungen zur Mitgliedschaft bewegt werden.
Vor der Aufnahme soll der Bewerber über Ziele, Aufbau, Beiträge, Studienweg und Verpflichtungen des Ordens verständlich informiert werden. Er soll ausreichend Zeit erhalten, seine Entscheidung zu prüfen.
Die Ordensregel ist frei gewählt, nach der Aufnahme jedoch für die persönliche Ehre bindend. Ein Mitglied kann den Orden nach den Bestimmungen der Statuten wieder verlassen. Dabei sollen persönliche Daten, gegenseitige Achtung und berechtigte Interessen gewahrt bleiben.
Kapitel 27: Von der ritterlichen Tugend
Der Templer bemüht sich besonders um Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigung, Treue, Demut, Höflichkeit, Barmherzigkeit und Dienstbereitschaft.
Tapferkeit bedeutet heute nicht die Bereitschaft zum Angriff, sondern den Mut, für Wahrheit und Recht einzustehen. Demut bedeutet nicht Selbsterniedrigung, sondern die Erkenntnis der eigenen Grenzen. Treue bedeutet nicht blinden Gehorsam, sondern Verlässlichkeit gegenüber Gott, dem gegebenen Wort und den anvertrauten Menschen.
Ritterlichkeit zeigt sich vor allem im täglichen Leben: im Umgang mit der Familie, im Beruf, gegenüber Schwächeren, im Verhalten zu Gegnern und in der Bereitschaft, auch dann das Richtige zu tun, wenn niemand zusieht.
Kapitel 28: Vom Auftrag des modernen Templers
Der moderne Templer soll dort wirken, wo das Leben ihn hingestellt hat. Nicht jeder kann große Hilfswerke gründen, diplomatische Gespräche führen oder historische Stätten retten. Jeder kann jedoch einem Menschen zuhören, ein tröstendes Wort sprechen, Wissen weitergeben, einer ungerechten Behandlung widersprechen oder einen Teil seiner Zeit und Mittel einem guten Zweck widmen.
Der Orden bewertet nicht allein die Größe einer Tat. Ein kleiner Dienst, der aus ehrlichem Herzen geschieht, kann vor Gott wertvoller sein als eine große Tat, die nur der eigenen Ehre dient.
Der Templer soll ein Brückenbauer sein: zwischen den christlichen Konfessionen, zwischen Religionen, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Erkenntnis und Glauben sowie zwischen Menschen, die einander fremd geworden sind.
Schlusswort
Diese Regel will keine Last auferlegen, die ein Mensch im heutigen Leben nicht tragen kann. Sie will Wegweiser, Spiegel und Mahnung sein. Niemand wird alle ihre Forderungen jederzeit vollkommen erfüllen. Entscheidend ist die aufrichtige Bereitschaft, immer wieder zu ihnen zurückzukehren.
Frage dich deshalb nicht zuerst, welchen Rang du besitzt, welchen Titel du führst oder welche Auszeichnung du trägst. Frage dich, ob durch dein Handeln ein Mensch getröstet, ein Streit gemildert, eine Wahrheit erkannt, ein Unrecht verhindert oder eine Not gelindert wurde.
Der wahre Tempelritter unserer Zeit wird nicht an seinem Mantel erkannt, sondern an seiner Haltung. Er sucht nicht die eigene Verherrlichung, sondern den Dienst. Er erhebt das Schwert nicht gegen Menschen, sondern führt das Wort gegen Lüge und Unrecht. Er bewahrt das Erbe der Vergangenheit, ohne in ihr gefangen zu bleiben.
So möge jedes Mitglied sprechen und handeln, dass der alte Wahlspruch des Ordens in seinem Leben sichtbar werde:
Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib Ehre.
Die auf dieser Seite verwendeten Abbildungen stammen aus dem Archiv des Alten Souveränen Templer Ordens. Einzelne Bilder wurden mithilfe künstlicher Intelligenz restauriert, koloriert, bearbeitet oder neu erstellt.

