Brohl – Ein rheinischer Besitz des Ordens
Ich schreibe als Bruder des Ordens vom Tempel und richte meinen Blick auf Brohl, einen Ort am Mittelrhein im heutigen Rheinland-Pfalz. In seiner Nähe liegen Rheinbrohl und Brohl-Lützing, Orte, die schon früh Teil der rheinischen Geschichte waren. Bereits 926 erscheint Brohl in einer Urkunde als „Brula“ und wird dort als Besitz der Abtei St. Maximin in Trier genannt.
Die Schenkung von 1226
Für unseren Orden ist Brohl durch eine Schenkungsurkunde vom 12. März 1226 von Bedeutung. An diesem Tag übertrugen Heinrich, Graf von Sayn, seine Gemahlin Mechthild sowie Ada von Looz dem Templerorden ihre Rechte an den Gütern des Ritters Conrad von der Mühle zu Brohl. Es handelte sich dabei um Rechte und Einkünfte, nicht um ein geschlossenes Ordenshaus, wie es eine Komturei gewesen wäre.
Von einem weiteren Teil der Güter, die vom Gertrudenhof zu Brole (= Rheinbrohl) abhängig waren, behielt sich der Graf das Vogteirecht ausdrücklich vor. Diese Einschränkung zeigt, dass die Übertragung wohl Teil komplexer Herrschafts- und Besitzverhältnisse war, wie sie am Rhein häufig vorkamen.
Welche Komturei die Brohler Güter tatsächlich verwaltete, ist nicht eindeutig überliefert. In Frage kommen vor allem die Komtureien Breisig oder Hönningen, die beide in erreichbarer Nähe lagen. Die Urkunde selbst bleibt allgemein und spricht lediglich vom „Haus des Tempels in Übersee und den dort dienenden Brüdern“ – eine Formulierung, die verdeutlicht, dass die Erträge letztlich der Sache des Heiligen Landes dienen sollten.
Flurnamen und Überlieferung
Im Gebiet von Brohl haben sich mehrere Flurnamen erhalten, die an den Orden erinnern könnten. So existiert der Name „Am Tempelfeld“, und zwischen Dattenberg und Wallen trägt ein Weinberg die Bezeichnung „Im Tempelberg“. Solche Namen wecken leicht die Erinnerung an die Templer, doch ihre Herkunft ist nicht sicher geklärt.
Eine ältere Vermutung, der Name könne auf eine heidnische Kultstätte zurückgehen, ließ sich archäologisch nicht bestätigen. Allerdings wurde beim Bau der Bremsbahn vom Steinbruch zur Verladestelle am Rhein ein fränkisches Gräberfeld angeschnitten, was zeigt, dass das Gebiet schon früh genutzt wurde. Eine direkte Verbindung der genannten Fluren oder Immobilien zum Templerorden konnte jedoch ebenso wenig eindeutig nachgewiesen werden wie eine zur Abtei Nivelles in Belgien, der der Gertrudenhof in Rheinbrohl gehörte.
Bedeutung für den Orden
Brohl war keine eigene Niederlassung, sondern ein Besitz, dessen Erträge dem Orden zuflossen. Solche Güter bildeten ein wichtiges Glied im wirtschaftlichen Netz der Templer: Sie speisten die regionalen Komtureien und halfen, die Aufgaben des Ordens – insbesondere im Heiligen Land – zu finanzieren.
So bleibt Brohl ein Beispiel für jene Orte, an denen unser Orden nicht durch Mauern oder Kapellen, sondern durch Rechte, Einkünfte und Erinnerung präsent war. Die Urkunde von 1226 ist das sichere Zeugnis dieser Verbindung; alles Weitere bleibt Teil der offenen Geschichte, die der Rhein mit sich trägt.
