Da gibt es noch einen zweiten Papst.
Der Papst von Alexandria und die koptische Tradition
Wenn wir heute von „dem Papst“ sprechen, denken die meisten Menschen sogleich an Rom, an den Bischof von Rom, den Nachfolger Petri auf dem Stuhl des Apostelfürsten. Doch die Christenheit ist vielgestaltig, und so gibt es in Wahrheit mehr als einen Papst.
Neben dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche existiert auch der Papst der Koptisch-Orthodoxen Kirche, der den ehrwürdigen Titel trägt:
„Papst von Alexandria und Patriarch des Stuhls des heiligen Markus“.
Ursprung in den ersten Jahrhunderten
Die koptische Kirche gehört zu den ältesten christlichen Gemeinschaften der Welt. Ihre Wurzeln reichen zurück bis in das 1. Jahrhundert, als der Evangelist Markus der Überlieferung nach in Alexandria das Evangelium verkündete und dort das erste Bistum gründete.
Von Anfang an war der Patriarch von Alexandria eine der bedeutendsten Gestalten der Kirche, gleichrangig mit den Patriarchen von Antiochia, Jerusalem, Konstantinopel und Rom. Aus diesem Grund übernahm er den Titel „Papst“ – ein Name, der im Altertum schlicht „Vater“ bedeutete.
Hüter der koptischen Identität
Der Papst von Alexandria ist geistliches Oberhaupt von Millionen koptischer Christen, vor allem in Ägypten, aber auch in der Diaspora, wo sich Gemeinden in Europa, Amerika und Afrika ausgebreitet haben.
Seine Aufgaben umfassen:
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die Bewahrung der koptischen Liturgie und Tradition,
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die Leitung der kirchlichen Hierarchie,
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die geistliche Führung seiner Gläubigen in schwierigen Zeiten,
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die Verteidigung der koptischen Gemeinschaft, die durch Jahrhunderte der Verfolgung hindurch ihren Glauben bewahrte.
Ein Papst im Schatten Roms – und doch eigenständig
Anders als in Rom lehrt die koptische Kirche keine päpstliche Unfehlbarkeit und keine universale Jurisdiktion. Der Papst von Alexandria versteht sich als Hirte seiner eigenen Kirche, nicht als Oberhaupt aller Christen.
Doch seine Bedeutung ist nicht minder ehrwürdig. Er ist ein lebendiges Zeugnis dafür, dass die Wurzeln des Christentums vielfältig sind und dass die Kirche von Christus mehr Strömungen kennt, als man gemeinhin annimmt.
Fazit
„Da gibt es noch einen zweiten Papst“ – ja, und gerade wir Templer sollten uns dessen bewusst sein. Denn die Einheit des Glaubens erschöpft sich nicht im römischen Westen allein.
Die koptische Kirche trägt den Schatz einer uralten Überlieferung, verwurzelt im Nil, getragen von Märtyrern und Heiligen. Der Papst von Alexandria erinnert uns daran, dass das Christentum eine universale Wirklichkeit ist – größer als jede Nation, größer als jede einzelne Tradition.
⚔️ So erkennen wir: Wer nur nach Rom blickt, sieht nur einen Teil der Kirche Christi. Wer aber auch nach Alexandria schaut, entdeckt ein zweites Licht – das Licht des Markus, das bis heute in der koptischen Gemeinschaft brennt.
