Das Dazwischen – Dort wird der Templer geformt
Es gibt im Leben eines jeden Menschen einen Ort, den niemand auf einer Landkarte findet.
Es ist der Ort dazwischen. Zwischen Anfang und Ende. Zwischen Niederlage und Sieg. Zwischen Zweifel und Gewissheit. Zwischen Trauer und Freude. Zwischen Dunkelheit und Licht. Zwischen dem Menschen, der wir gestern waren, und dem Menschen, zu dem Gott uns beruft.
Als Templer wissen wir, dass das eigentliche Leben nicht an unserem Geburtstag beginnt und auch nicht an dem Tag endet, an dem wir diese Welt verlassen.
Es entfaltet sich in der Zeit zwischen diesen beiden Daten. Dieser unscheinbare Strich auf einem Grabstein erzählt die wahre Geschichte unseres Lebens.
Er steht für jede Entscheidung, die wir getroffen haben. Für jedes Opfer, das wir gebracht haben. Für jede Versuchung, die wir überwunden haben. Für jede Hand, die wir einem Bedürftigen gereicht haben. Für jedes Gebet. Für jeden Schritt auf unserem geistigen Weg.
Nicht die Länge unseres Lebens entscheidet über seinen Wert. Entscheidend ist, womit wir die Zeit füllen, die Gott uns geschenkt hat.
Die Prüfungen formen den Ritter
Kaum ein Mensch geht seinen Weg ohne Prüfungen. Manche erleben Arbeitslosigkeit oder wirtschaftliche Not. Andere zerbrochene Beziehungen. Krankheit. Enttäuschungen. Den Verlust geliebter Menschen. Oder Zeiten, in denen der Glaube selbst auf die Probe gestellt wird.
Auch unter Templern gibt es niemanden, dessen Weg immer gerade verläuft. Doch gerade diese Prüfungen werden häufig zu unseren größten Lehrmeistern. Denn erst wenn alles Äußere erschüttert wird, erkennen wir, worauf unser Leben wirklich gebaut ist.
Andere wiederum kannten Erfolg, Wohlstand und Anerkennung. Doch auch sie mussten erfahren, wie schnell Besitz, Gesundheit oder Ansehen verloren gehen können. Das Leben macht vor niemandem Halt.
Die Heilige Schrift erinnert uns daran:
„Alles hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“
(Prediger 3,1)
Jede Zeit unseres Lebens hat ihren Sinn. Auch die schmerzhaften.
Denn wie der Apostel Jakobus schreibt:
„Die Bewährung eures Glaubens bewirkt Geduld.“
(Jakobus 1,3)
Gott wirkt oft gerade dann am tiefsten in uns, wenn wir warten müssen, kämpfen oder durch Leid hindurchgehen.
Der Tempel wird Stein für Stein erbaut
Der Templerweg ist kein Weg schneller Erfolge. Er gleicht vielmehr dem Bau einer Kathedrale. Stein für Stein. Tag für Tag.
Jede gute Tat wird zu einem neuen Baustein. Jede überwundene Versuchung stärkt das Fundament. Jede Niederlage, die uns Demut lehrt, macht die Mauern unseres inneren Tempels fester.
Der wahre Tempel entsteht nicht aus Stein. Er entsteht im Herzen.
Unsere vier Säulen – christlicher Glaube, ritterliche Tugend, geistige Erkenntnis und selbstlose Nächstenliebe – wachsen nicht über Nacht.
Sie werden über Jahre hinweg errichtet. Manchmal sogar über ein ganzes Leben.
Vergiss nicht, nach vorne zu gehen
Der Apostel Paulus schreibt:
„Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt. Ich jage dem Ziel entgegen.“
(Philipper 3,13–14)
Auch wir dürfen uns nicht von unserer Vergangenheit gefangen nehmen lassen. Nicht unsere Fehler bestimmen unsere Zukunft. Sondern unsere Bereitschaft, heute den nächsten richtigen Schritt zu gehen.
Jeder Sonnenaufgang schenkt uns eine neue Möglichkeit. Eine weitere Gelegenheit, Gott treuer zu dienen. Ein besserer Mensch zu werden. Ein treuerer Ehemann. Eine liebevollere Mutter. Ein verlässlicher Freund. Ein aufrechter Ritter.
Der Bindestrich wird noch geschrieben
Bruder, Schwester, zwischen deinem Anfang und deinem Ende entsteht gerade deine Geschichte.
Jede Entscheidung schreibt eine neue Zeile. Jede gute Tat hinterlässt eine Spur. Jedes überwundene Hindernis wird zu einer Erfahrung, mit der du später anderen helfen kannst.
Dein Vermächtnis ist noch nicht abgeschlossen. Der Bindestrich deines Lebens wird noch geschrieben. Darum vergib, solange du vergeben kannst.
Liebe deine Familie. Hilf den Schwachen. Stehe deinen Ordensgeschwistern bei.
Bewahre deine Ehre. Gehe demütig mit Gott. Und arbeite jeden Tag daran, ein wenig besser zu werden als gestern. Denn am Ende wird nicht gefragt werden, wie reich wir waren, welchen Titel wir getragen oder welchen Besitz wir angesammelt haben. Es wird gefragt werden, wie wir gelebt haben.
Wie wir geliebt haben. Wie wir gedient haben. Und ob wir den Weg, den Gott uns anvertraut hat, in Treue gegangen sind.
Möge der Bindestrich unseres Lebens eine Geschichte erzählen, die Gott ehrt, Menschen Hoffnung schenkt und kommenden Generationen Mut macht.
So sei es.
