✠✠✠✠✠✠ ASTO TEMPLER-BLOG ✠✠✠✠✠✠

Die Geldwirtschaft der Templer

Weitblick in finanziellen Dingen

In Geldangelegenheiten war unser Orden seiner Zeit weit voraus. Schon früh verstanden wir, dass Macht nicht allein auf dem Schlachtfeld errungen wird, sondern ebenso in der klugen Verwaltung von Besitz und Mitteln. So kam es, dass man uns Tempelritter nicht nur als Krieger, sondern auch als die ersten Bankiers Europas bezeichnete.

Unser verantwortungsvolles Verhalten in finanziellen Angelegenheiten sprach sich rasch herum. Was als reine Notwendigkeit begann – die Sicherung der Mittel für den Krieg im Heiligen Land – entwickelte sich bald zu einer der zuverlässigsten und angesehensten Geldverwaltungen der damaligen Welt.

Vertrauen von Bürgern und Königen

Zunächst waren es wohlhabende Bürger, die uns baten, ihr Vermögen bei uns aufzubewahren. Unsere Burgen und Komtureien galten als uneinnehmbar, und unser Eid der Reinheit und der Treue bot einen Schutz, den kaum jemand anderes gewährleisten konnte. Bald aber vertrauten auch Könige auf unsere Dienste.

So wurde bereits Mitte des 12. Jahrhunderts der Staatsschatz Frankreichs im Pariser Tempel verwahrt. Auch die Könige Englands überließen einen Teil ihres Vermögens den Templern in London. In Aragon wiederum nahmen die Herrscher immer wieder hohe Kredite bei uns auf, um Kriegszüge und Hofhaltungen zu finanzieren.

Der Widerspruch zum Kirchenrecht

Für manche dieser Kredite erhoben wir Zinsen. Damit standen wir im offenen Gegensatz zu den kirchlichen Vorschriften, denn Papst und Konzilien hatten das Zinsnehmen – den sogenannten Wucher – untersagt. Doch wir Templer hatten eine besondere Stellung: Unser Orden war allein dem Papst unterstellt und entzog sich damit der Gerichtsbarkeit der Bischöfe und Kardinäle.

Was uns zuweilen den Vorwurf einbrachte, geistlichen Gesetzen zuwiderzuhandeln, war in Wahrheit nichts anderes als die praktische Sicherung des Fortbestehens unserer Mission. Denn ohne Mittel hätte es keinen Schutz der Pilger und keine Verteidigung der heiligen Stätten gegeben.

Die Erfindung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs

Eine der größten Neuerungen, die wir einführten, war der bargeldlose Zahlungsverkehr. Die Straßen des Mittelalters waren von Räubern und Gefahren geprägt – es war nahezu unmöglich, große Summen sicher von einer Stadt in die andere zu transportieren.

Hier setzten wir unsere Erfindung an: der Kreditbrief. Wer in einer unserer Niederlassungen eine Summe hinterlegte, erhielt ein Schriftstück, das ihn in jeder Komturei des Ordens zur Auszahlung berechtigte. Damit konnte ein Pilger oder Kaufmann von London bis Akkon reisen, ohne auch nur eine Münze mit sich zu führen.

Für diesen Dienst erhoben wir eine Gebühr, und da sich die Zahlungsströme zwischen Ost und West in der Regel ausglichen, mussten wir selbst nur selten große Mengen an Geld bewegen. Und wenn es doch nötig wurde, waren wir gerüstet: bewaffnete Ritter sorgten für den sicheren Transport.

Ein „lukratives“ Spannungsfeld

Die Einnahmen aus Zinsen und Wechselgebühren waren beträchtlich und wurden zum Teil zur Finanzierung unserer Ordensaufgaben im Heiligen Land verwendet. Doch standen sie in einem ständigen Spannungsfeld zur Lehre der Kirche.

Die Kirchenoberen rangen mit dem Widerspruch zwischen dem geistlichen Ideal und der weltlichen Notwendigkeit. Aber da der Orden vom Papst persönlich beauftragt war, konnten lokale Bischöfe und Kardinäle ihre Bedenken nicht durchsetzen.

So wurde uns erlaubt, das kirchliche Zinsverbot zu umgehen – unter der Bedingung, dass die so erworbenen Gelder in den Dienst des christlichen Krieges im Orient gestellt würden.

Fazit

Die Geldwirtschaft des Templerordens war ein Werk von Weitsicht und Klugheit. Wir schufen Strukturen, die Jahrhunderte überdauerten und die Grundlage des modernen Bankwesens legten.

Was für uns ein Mittel war, unsere Aufgabe im Heiligen Land zu erfüllen, wurde für die Welt zum Erbe: Vertrauen, Sicherheit, bargeldlose Zahlungswege und die Kunst der Geldverwaltung.

Und so gilt auch in diesem Bereich unser alter Wahlspruch:

„Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam.“
Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gebührt die Ehre.

Schreibe einen Kommentar