✠✠✠✠✠✠ Logen Blog ✠✠✠✠✠✠

Die Geschichte der Mensch-Tier-Beziehung

Schöpfungsverantwortung statt Herrschaft ohne Grenzen

Seit den ersten Seiten der Heiligen Schrift begleiten Tiere den Menschen. Noch bevor Städte entstanden oder Reiche gegründet wurden, lebte der Mensch mit ihnen. Sie spendeten Nahrung, schützten, trugen Lasten, begleiteten die Jagd und wurden zu Symbolen von Kraft, Weisheit und Treue. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist deshalb weit mehr als eine biologische Zweckgemeinschaft – sie ist Teil der Geschichte der Schöpfung.

Für einen Tempelritter gehört die Achtung vor der gesamten Schöpfung zu den Grundpflichten seines Glaubens. Wer Gott liebt, achtet auch das Werk seiner Hände.

Der Mensch – Ebenbild Gottes und Hüter der Schöpfung

Die Bibel beschreibt den Menschen als Ebenbild Gottes und überträgt ihm die Herrschaft über die Erde. Dieses Wort wurde häufig missverstanden.

Herrschaft bedeutet nach christlichem Verständnis nicht Ausbeutung, sondern Verantwortung. Ein guter König schützt sein Volk. Ein guter Hirte sorgt für seine Herde. Ebenso ist der Mensch dazu berufen, die Schöpfung zu bewahren und nicht rücksichtslos über sie zu verfügen.

Gerade die Tempelritter verstanden sich als Beschützer der Schwachen. Dieser Gedanke lässt sich auch auf die Mitgeschöpfe Gottes übertragen. Tiere sind keine Sachen, sondern lebendige Geschöpfe, die ihren Platz in der göttlichen Ordnung besitzen.

Tiere als Begleiter des Menschen

Bereits die Höhlenmalereien unserer Vorfahren zeigen, wie tief Tiere das menschliche Bewusstsein geprägt haben. Pferde, Bisons, Hirsche oder Löwen waren nicht nur Jagdbeute. Sie wurden bewundert und verehrt.

Auch später begegnen uns Tiere überall.

Der Löwe steht für Mut. Der Adler für Weitblick. Die Taube für Frieden. Das Lamm für Reinheit.

Der Pelikan wurde im Mittelalter sogar zum Symbol Christi, weil man glaubte, er nähre seine Jungen mit seinem eigenen Blut. Diese Symbolik zeigt, dass der Mensch seit Jahrtausenden versucht, göttliche Eigenschaften durch Tiere auszudrücken.

Das Tier im Menschen

Die moderne Wissenschaft erinnert uns daran, dass auch der Mensch Teil der Natur ist.

Unser Körper trägt die Spuren einer langen Entwicklungsgeschichte. Manche Hirnforscher sprechen vom sogenannten „Reptiliengehirn“, jenem uralten Bereich unseres Gehirns, der blitzschnell auf Gefahr reagiert und unser Überleben sichert.

Doch gerade darin zeigt sich die besondere Berufung des Menschen. Der Mensch besitzt Instinkte wie die Tiere. Aber er besitzt zugleich Vernunft, Gewissen und die Freiheit, sich für das Gute zu entscheiden.

Ein Tempelritter kämpft deshalb nicht gegen seine Natur, sondern lernt, seine Triebe durch Tugend zu beherrschen.

Mut soll stärker sein als Angst. Barmherzigkeit stärker als Aggression. Liebe stärker als Egoismus.

Vom Tier als Maschine zum fühlenden Mitgeschöpf

Der französische Philosoph René Descartes betrachtete Tiere im 17. Jahrhundert weitgehend als komplizierte Maschinen ohne echtes Bewusstsein.

Heute zeichnet die Wissenschaft ein anderes Bild. Viele Tierarten besitzen erstaunliche Fähigkeiten.

Elefanten trauern um ihre Toten. Delfine erkennen sich selbst im Spiegel. Raben lösen komplexe Probleme. Hunde verstehen menschliche Gesten. Affen verwenden Werkzeuge.

Immer deutlicher wird, dass zahlreiche Tiere Schmerz empfinden, Beziehungen eingehen und teilweise sogar Formen von Erinnerung, Lernen und Fürsorge zeigen. Für den Christen überrascht dies nicht. Denn jedes Lebewesen trägt den Schöpferwillen Gottes in sich.

Die Versuchung der Ausbeutung

Mit der Industrialisierung begann jedoch eine Entwicklung, die unsere Beziehung zu den Tieren grundlegend veränderte. Aus Mitgeschöpfen wurden häufig Produktionsmittel.

Millionen Tiere verbringen ihr gesamtes Leben unter Bedingungen, die kaum noch etwas mit ihrer natürlichen Lebensweise gemeinsam haben. Massentierhaltung, übermäßiger Medikamenteneinsatz und rein wirtschaftliches Denken stellen Christen vor ernsthafte ethische Fragen.

Ein Tempelritter wird deshalb stets danach fragen: Dient mein Handeln nur meinem Vorteil? Oder entspricht es auch der Verantwortung gegenüber Gottes Schöpfung?

Haben Tiere Rechte?

In unserer Zeit wird zunehmend darüber diskutiert, ob Tiere eigene Rechte besitzen sollen. Einige Philosophen fordern sogar politische Mitspracherechte für hochentwickelte Tierarten. Andere unterscheiden zwischen verschiedenen Tierarten nach ihrer Intelligenz oder ihrer Fähigkeit, Schmerz bewusst zu empfinden.

Der christliche Glaube betrachtet diese Frage etwas anders. Nicht weil Tiere Menschen gleichgestellt wären. Sondern weil jedes Geschöpf seinen eigenen, von Gott verliehenen Wert besitzt.

Der Mensch bleibt aufgrund seiner Gottesebenbildlichkeit einzigartig, meinen wir zumindestens. Gerade deshalb trägt er aber auch die größere Verantwortung. Wer stärker ist, trägt mehr Verantwortung – nicht weniger.

Das „Internet der Tiere“

Neue technische Entwicklungen eröffnen faszinierende Möglichkeiten. Bereits heute werden Zugvögel, Wale, Elefanten oder Bienen mit Sendern beobachtet.

Manche Forscher sprechen bereits vom zukünftigen „Internet der Tiere“, in dem Sensoren und Künstliche Intelligenz helfen sollen, das Verhalten von Tieren besser zu verstehen. Vielleicht wird es eines Tages möglich sein, ihre Bedürfnisse genauer zu erkennen und ihren Lebensraum wirksamer zu schützen.

Technik ist dabei weder gut noch böse. Sie wird erst durch den Menschen sinnvoll oder gefährlich.

Ein Tempelritter wird jede technische Entwicklung danach beurteilen, ob sie der Würde der Schöpfung dient oder lediglich wirtschaftlichen Interessen.

Die Lehre des Tempelritters

Wer aufmerksam durch einen Wald geht, erkennt schnell, dass Gott nicht nur zum Menschen spricht. Auch die Tiere lehren uns. Die Treue des Hundes. Die Geduld des Pferdes. Die Ausdauer der Ameise. Die Wachsamkeit des Adlers. Die Sanftmut des Lammes.

Die Weisheit des Schöpfers spiegelt sich in unzähligen Formen des Lebens wider.

Darum begegnet der Tempelritter jedem Geschöpf mit Achtung. Nicht weil Mensch und Tier dasselbe wären. Sondern weil beide aus derselben schöpferischen Liebe Gottes hervorgegangen sind.

Die Größe des Menschen zeigt sich nicht darin, wie viele Lebewesen er beherrschen kann. Sondern darin, wie verantwortungsvoll er mit ihnen umgeht. Denn wahre Ritterlichkeit endet nicht beim Menschen. Sie umfasst die gesamte Schöpfung.

„Der Gerechte kümmert sich um das Leben seines Viehs; das Herz der Gottlosen aber ist grausam.“ (Sprüche 12,10)

Schreibe einen Kommentar