✠✠✠ INTERESSENTEN BLOG ✠✠✠

Die Komturei der Templer in Venedig

Bauliche, territoriale Entwicklung und Beziehungen

Die Templer, eine der bekanntesten und einflussreichsten Ritterorden des Mittelalters, unterhielten im gesamten christlichen Europa zahlreiche Niederlassungen, darunter auch in Venedig. Trotz der strategischen Lage der Stadt und ihrer Bedeutung als Handelszentrum hatte Venedig jedoch lange Zeit keine herausragende Bedeutung für den Templerorden, wie oft fälschlicherweise angenommen wird. Die Komturei in Venedig erlangte erst später an Bedeutung und spielte eine spezifische Rolle in der komplexen Geschichte des Ordens.

Bauliche und territoriale Entwicklung

Die früheste Erwähnung von Templerbesitz in Venedig stammt aus dem Jahr 1144, als dem Orden Land „in Brolio“ westlich des Markusplatzes und in unmittelbarer Nähe des Canal Grande zugewiesen wurde. Diese Lage war durchaus prestigeträchtig, doch die Rolle Venedigs als zentraler Knotenpunkt für den Verkehr ins Heilige Land wurde in den ersten Jahrhunderten des Ordens meist überschätzt. Für die Reisen ins Heilige Land nutzten die Templer häufiger Häfen in Süditalien als die Lagunenstadt.

Ein bedeutender Irrtum in der Forschung (angeführt von Ghini) bestand lange darin, dass die Kirche San Giovanni Battista del Tempio ursprünglich den Templern gehört habe und erst nach der Auflösung des Ordens 1312 in den Besitz der Johanniter übergegangen sei. Tatsächlich jedoch existiert eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1187, die belegt, dass die Johanniter diese Kirche bereits lange vor der Auflösung des Templerordens besaßen. Auch ein späteres Schreiben der Johanniter, in dem sie nach der Auflösung des Templerordens die Übertragung der Templerbesitzungen forderten, erwähnt San Giovanni Battista del Tempio nicht.

Eine entscheidende Entwicklung in der Geschichte der Templerniederlassung in Venedig war das Auftauchen der Kirche Santa Maria de Templo in einer Urkunde aus dem Jahr 1247. Diese Kirche, zu der auch ein Friedhof gehörte, auf dem Wohltäter des Ordens bestattet wurden, wurde zu einem zentralen Ort für die Bruderschaften und die venezianische Gesellschaft. Es ist bekannt, dass die Templer von der Stadtregierung verpflichtet wurden, Gäste der Republik in ihrer Niederlassung zu beherbergen und zu verpflegen, was auf die Bedeutung und die Verantwortung hinweist, die der Orden in Venedig trug.

Bis ins 13. Jahrhundert hinein scheint das venezianische Ordenshaus jedoch nicht den Rang einer eigenständigen Komturei innegehabt zu haben. Erst 1305 wird erstmals ein Komtur des Hauses erwähnt, was auf eine wachsende Bedeutung der Niederlassung hindeutet. In demselben Jahr übertrug der Bischof von Poreč den Templern in Venedig das ehemalige Kamaldulenserkloster San Michele di Leme, was die territorialen Ansprüche und den Einfluss des Ordens in der Region weiter stärkte.

Beziehungen und Konflikte

Die Beziehungen der Templer in Venedig waren nicht immer konfliktfrei, sowohl innerhalb der Stadt als auch in den umliegenden Territorien der Serenissima, bekannt als „Terraferma“. Ein bedeutender Konflikt entstand 1239, als die dem Orden seit 1183 gehörende Hafenstadt Senj im heutigen Kroatien belagert und niedergebrannt wurde. Dies führte zu erheblichen Schäden auch an der venezianischen Handelsniederlassung in Senj. Fälschlicherweise wurde lange angenommen, die Templer selbst hätten unter dem Provinzmeister von Ungarn die Stadt belagert, was sich jedoch als Fehlinterpretation der historischen Dokumente herausstellte. Dennoch wurde der Orden zu Schadensersatzzahlungen verpflichtet, die 1250 in Form einer dritten Teilzahlung von 1750 venezianischen Denaren geleistet wurden.

Ein weiterer Vorfall ereignete sich 1244 in Brindisi, als venezianische Handelsschiffe auf Anordnung des dortigen Komturs blockiert wurden. Solche Ereignisse zeigen, dass die Beziehungen zwischen den Templern und der Republik Venedig trotz gemeinsamer Interessen immer wieder durch Spannungen und Konflikte belastet waren.

Allerdings blieben die Beziehungen nicht dauerhaft feindselig. Eine Urkunde aus dem Jahr 1259 belegt, dass die Stadtväter von Venedig den Ausbau des Ordenshauses unterstützten. Die Kirche der Niederlassung diente auch als neutraler Ort, an dem Verträge geschlossen wurden, wie etwa 1247, als die Templer als Vertragszeugen bei der Kapitulation der rebellischen Stadt Zara fungierten.

Während des Krieges von St. Sabas (1256-1270) zwischen Venedig und Genua, der um die Kontrolle der Abtei von St. Sabas in Akkon geführt wurde, standen die Templer auf der Seite Venedigs und damit gegen die Johanniter und Genua, was die komplexen und wechselhaften Bündnisse der damaligen Zeit widerspiegelt.

Zu Beginn des Prozesses gegen den Templerorden im Jahr 1308 war Venedig aufgrund von Verstößen gegen das päpstliche Handelsembargo in muslimische Länder sowie wegen Auseinandersetzungen um Ferrara mit Kirchenstrafen belegt. Diese Konflikte erschwerten die Durchsetzung der päpstlichen Anordnungen gegen den Orden erheblich, und es ist unklar, ob und wie die Untersuchungskommissionen in Venedig überhaupt arbeiten konnten. Die Prozessakten waren bereits 1886 nicht mehr in Rom auffindbar.

Nach der Auflösung des Templerordens im Jahr 1312 ging die Komturei in Venedig an die Johanniter über. Interessanterweise lebte dort noch 1312 ein Templer namens Emanuel, der sich hartnäckig weigerte, den Johannitern Zutritt zu gewähren. Erst auf Intervention des Dogen, der den weltlichen Arm der Macht nutzte, wurde der widerspenstige Templer entfernt. 1324 veräußerten die Johanniter die Liegenschaft an die Stadt, und die Marienkirche wurde Anfang des 19. Jahrhunderts zerstört. Heute befindet sich an dieser Stelle das Baglioni Hotel Luna.

Populärkultur und Legenden

Wie viele bedeutende Orte und Persönlichkeiten des Mittelalters sind auch die Templer in Venedig Gegenstand von Sagen und Legenden. So soll das Ca‘ Dario, ein bekanntes venezianisches Palastgebäude, auf einem alten Templerfriedhof errichtet worden sein, was die zahlreichen Unglücksfälle und Selbstmorde in Verbindung mit dem Gebäude erklären könnte. Auch die Magdalenenkirche, ein Zentralbau aus dem 18. Jahrhundert, wird als Nachfolgerin einer alten Templerkirche angesehen und soll mit freimaurerischen Symbolen, wie dem Auge Gottes über der Tür, ausgestattet sein. Der Baugrund gehörte der Familie Balbo, die angeblich enge Beziehungen zum Templerorden unterhielt.

Ein weiterer Aspekt der Populärkultur, der die Templer in Venedig betrifft, ist das Computerspiel „Assassin’s Creed“. In einer Episode dieses Spiels, „Venetian Conspiracy“, wird eine Verschwörung der Templer zur Ermordung des Dogen im 15. Jahrhundert thematisiert, die der Spieler vereiteln muss. Diese fiktionale Darstellung zeigt, wie die Templer bis heute in der Populärkultur präsent sind und immer wieder in neuen Erzählungen und Mythen auftauchen.

Komture von Venedig

Der erste namentlich bekannte Komtur des Templerordens in Venedig war Simon de Ajex, der im Jahr 1305 erwähnt wird. Seine Ernennung markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Templerniederlassung in Venedig, die zuvor keine eigenständige Komturei war.

Die Geschichte der Komturei der Templer in Venedig ist ein faszinierendes Kapitel in der Geschichte des Templerordens und der Stadt Venedig selbst. Trotz der zunächst geringen Bedeutung der Stadt für den Orden entwickelte sich Venedig im Laufe der Zeit zu einem wichtigen Zentrum für die Templer in Italien. Die Beziehungen zwischen dem Orden und der Republik Venedig waren von Spannungen, aber auch von Kooperation geprägt, und die Komturei spielte eine zentrale Rolle in den komplexen politischen und wirtschaftlichen Netzwerken des Mittelalters.

Schreibe einen Kommentar