Die russische Botschaft in Bern geht auf Journalisten los
Das ist passiert: Um unliebsame Journalisten zu diskreditieren, greift die Botschaft Russlands auf grobes Vokabular zurück. Aktuell werfen die Diplomaten einer «Blick»-Journalistin vor, «unbestätigte Anschuldigungen» auf «Anstiftung von Kiewer Behörden» zu verbreiten. Journalistinnen und Journalisten befänden sich in einem «antirussischen Rausch». Zum Bericht
Darum ist es wichtig: Die Tirade ist nur das jüngste Beispiel dafür, wie missliebige Berichte und ihre Autoren diskreditiert werden. Auch die NZZ ist schon mehrfach ins Visier der russischen Diplomaten geraten. Artikel werden als «Kaffeesatzleserei», «banalisierte Phantasien» oder «offensichtliche Fälschungen» bezeichnet. Ganz bewusst zielt die Botschaft auf die Verfasser, die sie als «Russophoben», «fabelnde Märchenerzähler», «Hellseher», «Schwarzmagier» oder «Hobby-Militärstrategen» bezeichnet.
Das sagt die russische Botschaft: Man vertrete zwar eine konstruktive Haltung gegenüber Kritik, doch viele Autoren würden Russland verleumden. Die Meinungsfreiheit sei für alle gleich, Journalisten seien keine privilegierte und von Kritik ausgenommene Kaste. Es fällt auf, dass die russische Botschaft die einzige ist, die in einer derartigen Intensität und mit Schimpfworten gegen kritische Berichterstattung vorgeht. Andere Vertretungen reagieren nicht oder nur mit diplomatischer Zurückhaltung auf Kritik an ihren Ländern.
