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Die Tempelritter in Magdeburg

Der vergessene Kreuzhof

Wenn heute von den Tempelrittern in Deutschland gesprochen wird, denken viele zuerst an Orte wie Rothenburg, Köln oder die großen Handelsstraßen des Mittelalters. Nur wenige wissen jedoch, dass auch Magdeburg über eine bedeutende Niederlassung des Templerordens verfügte. Mitten in der Altstadt befand sich der Kreuzhof, eine Kommende der Tempelritter, deren Geschichte bis in das 13. Jahrhundert zurückreicht.

Heute erinnert kaum noch etwas an diesen einst bedeutenden Ort. Auf dem Gelände erhebt sich ein Teil des heutigen Roncallihauses in der Max-Josef-Metzger-Straße. Doch wer die Geschichte kennt, erkennt, dass hier einst Ordensritter lebten, beteten, arbeiteten und Reisende empfingen.

Eine Niederlassung im Herzen Magdeburgs

Der Kreuzhof lag unweit der St.-Sebastianskirche in der damaligen Prälatenstraße. Er bestand aus mehreren Gebäuden, Wirtschaftsflächen und einer eigenen Kapelle. Von der Anlage selbst ist nichts erhalten geblieben, doch zahlreiche Urkunden belegen ihre Existenz.

Bereits 1262 wird ein Templer namens Goswin von Magdeburg erwähnt. Ob er tatsächlich in der Stadt wirkte oder lediglich aus Magdeburg stammte, lässt sich heute nicht mehr eindeutig feststellen.

Die erste sichere urkundliche Erwähnung des Templerhofes stammt aus dem Jahr 1275. In einer lateinischen Urkunde heißt es:

„Acta sunt hec Magdeburg apud sanctum Sebastianum in curia Templariorum.“

Übersetzt bedeutet dies:

„Diese Urkunde wurde in Magdeburg beim heiligen Sebastian im Hof der Tempelritter ausgestellt.“

Eine weitere Erwähnung des Templerhofes ist für das Jahr 1304 belegt. Damit gehört der Kreuzhof zu den sicher nachgewiesenen Niederlassungen des Templerordens im Heiligen Römischen Reich.

Das Ende der Tempelritter

Das Schicksal des Magdeburger Kreuzhofes war eng mit dem Schicksal des gesamten Ordens verbunden.

Im Jahr 1307 begann König Philipp IV. von Frankreich mit der Verfolgung der Tempelritter. Papst Clemens V. löste den Orden wenige Jahre später offiziell auf. Auch im Erzstift Magdeburg wurden die Besitzungen der Tempelritter eingezogen.

Bereits 1308 verlor der Orden seinen Hof in Magdeburg.

Doch das bedeutete nicht das Ende der Anlage.

Die Johanniter übernehmen den Kreuzhof

Wie an vielen Orten Europas gingen auch in Magdeburg die ehemaligen Besitzungen der Tempelritter an den Johanniterorden über.

Da die Johanniter häufig auch als Kreuzherren bezeichnet wurden, erhielt der ehemalige Templerhof nun den Namen Kreuzhof, unter dem er bis heute in den historischen Quellen bekannt ist.

Bereits 1319 fand dort vermutlich das erste Balivialkapitel der sächsischen Johanniter nach der Übernahme der Templergüter statt.

In den folgenden Jahrhunderten wurde der Hof mehrfach verpachtet oder verpfändet. Zeitweise gehörte er zur Johanniterkommende Werben, später zur Kommende Süpplingenburg. Dennoch blieb der Kreuzhof dauerhaft Eigentum des Johanniterordens.

Die Kreuzkapelle

Zum Kreuzhof gehörte auch eine kleine Kreuzkapelle, die nahe der mittelalterlichen Stadtmauer lag.

Mehrfach wird sie in Urkunden des 16. Jahrhunderts erwähnt. Als Prior ist unter anderem Moritz Apenburg überliefert.

In unmittelbarer Nähe stand außerdem ein Wehrturm der Stadtbefestigung, der spätere Türkenturm. Nachdem seine militärische Bedeutung verloren gegangen war, diente er den Besitzern des Kreuzhofes als Gartenhaus – ein ungewöhnliches Schicksal für einen ehemaligen Wehrturm.

Der Dreißigjährige Krieg

Die schwerste Katastrophe traf den Kreuzhof im Jahr 1631.

Während der verheerenden Zerstörung Magdeburgs im Dreißigjährigen Krieg wurde auch der ehemalige Templerhof vernichtet.

Historische Aufzeichnungen zeigen eindrucksvoll, wie belebt das Anwesen unmittelbar vor der Katastrophe war.

Neben dem damaligen Besitzer Nikolaus Gericke lebten dort seine Familie, Dienstboten, Handwerker, zahlreiche Soldaten mit ihren Angehörigen sowie weitere Bewohner der Stadt.

Insgesamt hielten sich etwa 50 Menschen auf dem Gelände auf.

Außerdem gehörten zum Hof Stallungen mit 16 Pferden, Kornspeicher, Wirtschaftsgebäude und mehrere kleine Wohnhäuser.

Mit der Zerstörung Magdeburgs verschwand auch dieses mittelalterliche Ensemble fast vollständig.

Wiederaufbau auf historischem Boden

Noch Jahrzehnte nach der Katastrophe lag das Grundstück verwüstet brach.

Erst 1693 erhielt Oberst Johann Heinrich von Börstel vom Johanniterorden die Erlaubnis, den Kreuzhof wieder zu bebauen. Aus den verbliebenen Mauerresten entstanden neue Gebäude.

In den folgenden Jahrhunderten wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer. Beamte, Offiziere und wohlhabende Bürger prägten nun die Geschichte des ehemaligen Ordenshofes.

Im 19. Jahrhundert befand sich auf dem Grundstück schließlich der bekannte Gesellschaftsklub „Zur Freundschaft“, der das Stadtbild Magdeburgs über viele Jahre mitprägte.

Heute erinnert kaum noch etwas daran

Seit 1994 befindet sich auf einem Teil des ehemaligen Kreuzhofes das heutige Roncallihaus.

Nur wer alte Stadtpläne und historische Quellen studiert, erkennt noch den Standort der ehemaligen Templerniederlassung.

Die Gebäude sind verschwunden.

Die Mauern sind verschwunden.

Selbst die Kreuzkapelle existiert nicht mehr.

Doch die Geschichte bleibt.

Das Erbe der Tempelritter

Der Kreuzhof von Magdeburg erinnert daran, dass die Tempelritter nicht nur im Heiligen Land wirkten. Sie errichteten in ganz Europa Niederlassungen, die als geistliche Zentren, Verwaltungsorte, Herbergen und Wirtschaftshöfe dienten.

Von hier aus organisierten sie Besitzungen, versorgten Pilger und unterstützten die Aufgaben des Ordens.

Obwohl der Kreuzhof bereits vor mehr als siebenhundert Jahren seine Funktion verlor, gehört er bis heute zu den bedeutenden Zeugnissen der Templergeschichte in Mitteldeutschland.

Wer heute durch die Max-Josef-Metzger-Straße geht, ahnt kaum, dass sich unter seinen Füßen einer der ältesten bekannten Templerhöfe Magdeburgs befand. Doch für jene, die sich mit der Geschichte des Ordens beschäftigen, bleibt dieser Ort ein stilles Denkmal für die Brüder, die hier einst nach den Idealen von Glaube, Disziplin und Dienst lebten.

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