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Die Walpurgisnacht

Die heilige Walburga und das rechte Gedächtnis der Kirche

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes schreibe ich diese Zeilen, damit die Brüder und das Volk verstehen mögen, was es mit der sogenannten Walpurgisnacht auf sich hat.

Die Nacht zum ersten Tage des Monats Mai trägt ihren Namen von der heiligen Walburga, einer gottseligen Dienerin Christi aus angelsächsischem Land. Sie lebte im achten Jahrhundert nach der Menschwerdung unseres Herrn und wirkte im fränkischen Reich unter den Heiden als Lehrerin des wahren Glaubens. Besonders im Gebiet von Eichstätt wurde ihr Wirken gesegnet.

Ihr Gedächtnistag wurde auf den ersten Mai gelegt. Darum nannte man die Nacht zuvor später die Walburgisnacht.

Doch was heute vielerorts in dieser Nacht geschieht, entspringt nicht dem Geist der Heiligen.

Ältere Bräuche aus heidnischer Zeit

 

Schon lange vor der Verkündigung des Evangeliums in unseren Landen hielten die Heiden zur Schwelle des Sommers nächtliche Feuerfeste. Sie glaubten, durch Lärm, Masken und Flammen böse Geister zu vertreiben oder Fruchtbarkeit zu erbitten.

Besonders wurde erzählt, dass sich in jener Nacht Hexen und dunkle Kräfte auf dem Brocken im Harz versammelten. Ob dies Wahrheit sei oder nur Aberglaube des Volkes – gewiss ist: Solche Vorstellungen stammen nicht aus der Lehre Christi.

Als Brüder des Ordens wissen wir: Wo Furcht vor Geistern herrscht, fehlt oft die rechte Erkenntnis Gottes.

Seit wann spricht man von der Walburgisnacht?

Der Name selbst entstand erst nach der Verehrung der heiligen Walburga im frühen Mittelalter (8.–9. Jahrhundert). Doch die Bräuche dieser Nacht sind älter und reichen vermutlich zurück bis in vorchristliche Frühlingsriten germanischer Stämme.

So geschah Folgendes im Laufe der Zeit:

  • Die Kirche ehrte die heilige Walburga am 1. Mai.
  • Das Volk verband alte Frühlingsriten mit diesem Termin.
  • Es entstanden Geschichten über Hexenversammlungen.
  • Feuer, Lärm und Masken wurden zu Schutzritualen erklärt.

So wurde aus einem Gedenktag einer Heiligen eine Nacht voller widersprüchlicher Bedeutungen.

Was geschah nach der Überlieferung in dieser Nacht?

Nach Volksglauben:

  • Hexen ritten durch die Lüfte
  • Dämonen versammelten sich auf Bergen
  • Bauern entzündeten Feuer zum Schutz der Felder
  • Menschen trugen Masken gegen böse Mächte

Nach christlicher Sicht hingegen gilt:

In dieser Nacht geschieht nichts, was Gott nicht sieht oder erlaubt. Vieles aber geschieht aus Unwissenheit oder alter Gewohnheit.

Ein Ritter Christi prüft daher jede Überlieferung am Maßstab des Evangeliums.

Die Mahnung eines Templers

Wir Brüder des Tempels sind berufen, nicht gegen Schatten zu kämpfen, sondern gegen Irrtum.

Darum sage ich:

Nicht das Feuer schützt den Menschen.
Nicht Masken vertreiben das Böse.
Nicht alte Bräuche bringen Segen.

Sondern:

Gebet, Wachsamkeit und der rechte Glaube an Christus.

So möge die Nacht vor dem ersten Mai nicht eine Nacht der Furcht sein, sondern eine Nacht der Besinnung auf die Heiligen – besonders auf die heilige Walburga, deren Name zu Unrecht mit manchem Aberglauben vermischt wurde.

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