Die Würde des Menschen endet nicht an einer Uniform oder an einer Staatsgrenze
Ein Templerwort zu Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Verantwortung
Zwei Ereignisse haben in diesen Tagen viele Christen bewegt.
Im italienischen Bologna starb ein 43-jähriger Mann nach einem Polizeieinsatz. Die genauen Umstände werden derzeit von der Staatsanwaltschaft untersucht. Der Erzbischof von Bologna, Kardinal Matteo Zuppi, mahnte unmittelbar nach dem Vorfall zu Besonnenheit. Er warnte davor, Hass, Gewalt und vorschnelle Schuldzuweisungen die Oberhand gewinnen zu lassen. Stattdessen rief er zu Respekt, Dialog und Gerechtigkeit auf.
Auch in den Vereinigten Staaten äußerten sich katholische Bischöfe nach tödlichen Schüssen auf Einwanderer tief betroffen. Sie erinnerten daran, dass jeder Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen ist und deshalb eine unveräußerliche Würde besitzt. Zugleich betonten sie, dass staatliche Behörden selbstverständlich das Recht und die Pflicht haben, Gesetze durchzusetzen – allerdings immer auf menschliche Weise und unter Achtung der Grundrechte.
Zwischen Ordnung und Menschlichkeit
Als Templer wissen wir, dass jede geordnete Gesellschaft Polizei, Gerichte und Gesetze braucht. Ohne Ordnung gibt es keinen Frieden und ohne Recht keine Freiheit.
Ebenso wissen wir aber, dass jede staatliche Macht ihre Grenze dort findet, wo die Würde des Menschen verletzt wird.
Die christliche Tradition verlangt deshalb beides: den Schutz der öffentlichen Ordnung und den Schutz jedes einzelnen Menschen.
Diese beiden Aufgaben dürfen niemals gegeneinander ausgespielt werden.
Keine vorschnellen Urteile
Gerade nach tragischen Ereignissen ist die Versuchung groß, sofort Schuldige zu benennen. Die einen verurteilen pauschal die Polizei. Die anderen sprechen den Verstorbenen jede Würde ab.
Beides widerspricht dem christlichen Geist.
Ein Rechtsstaat lebt davon, dass Vorfälle sorgfältig untersucht werden, dass Tatsachen festgestellt werden und dass Urteile nicht von Emotionen oder sozialen Medien gefällt werden. Darauf hat Kardinal Zuppi mit Recht hingewiesen.
Der Fremde ist kein Feind
Die Heilige Schrift erinnert uns immer wieder daran, den Fremden nicht zu vergessen. Jesus selbst identifiziert sich mit den Schwachen, den Ausgegrenzten und den Hilfsbedürftigen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Staaten auf geordnete Einwanderungsverfahren verzichten müssten. Auch Grenzen und Gesetze gehören zu einer verantwortungsvollen Politik.
Entscheidend ist, wie diese Gesetze angewendet werden. Wo Menschen entwürdigt, pauschal verurteilt oder unnötiger Gewalt ausgesetzt werden, verliert der Staat einen Teil seiner moralischen Glaubwürdigkeit.
Auch Ordnungskräfte verdienen Respekt
Ebenso falsch wäre es allerdings, Polizisten grundsätzlich unter Generalverdacht zu stellen.
Die meisten von ihnen verrichten täglich einen schwierigen und oft gefährlichen Dienst zum Schutz ihrer Mitmenschen. Auch sie verdienen Achtung, faire Untersuchungen und den Schutz vor pauschalen Verurteilungen.
Christliche Gerechtigkeit kennt keine Kollektivschuld. Sie beurteilt immer das konkrete Handeln einzelner Menschen.
Unser Auftrag als Templer
Der historische Templerorden verstand sich als Beschützer der Pilger und der Schwachen.
Dieser Auftrag ist heute aktueller denn je. Wir sollen dort für Gerechtigkeit eintreten, wo Menschen entrechtet werden. Wir sollen aber ebenso für Frieden eintreten, wo Hass und gegenseitige Verachtung wachsen.
Die Welt braucht weder blinden Zorn noch ideologische Lagerkämpfe. Sie braucht Menschen, die Wahrheit suchen, Verantwortung übernehmen und Brücken bauen.
Ein Gebet für unsere Zeit
Beten wir für alle, die bei solchen tragischen Ereignissen ihr Leben verloren haben.
Beten wir für ihre Angehörigen.
Beten wir für die Polizeibeamten, die oft unter großem Druck schwierige Entscheidungen treffen müssen. Und beten wir für unsere Gesellschaft, dass Recht und Barmherzigkeit niemals Gegensätze werden.
Denn dort, wo Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe zusammenwirken, wächst der Friede – und genau diesem Frieden fühlen sich christliche Templer seit Jahrhunderten verpflichtet.

