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Diskussion über das Zweite Vatikanische Konzil gefordert

Weihbischof Athanasius Schneider und Erzbischof Carlo Maria Viganò haben Forderungen formuliert, die in der Kirche Unterstützung und Ablehnung provozieren, aber niemand, dem die Kirche ein wirkliches Anliegen ist, gleichgültig lassen können.
Weihbischof Athanasius Schneider und Erzbischof Carlo Maria Viganò haben Forderungen formuliert, die in der Kirche Unterstützung und Ablehnung provozieren, aber niemand, dem die Kirche ein wirkliches Anliegen ist, gleichgültig lassen können.
(Rom) Erzbischof Carlo Maria Viganò und Weihbischof Athanasius Schneider, zwei der profiliertesten Vertreter der katholischen Kirche, haben im Juni mit einer Reihe von Stellungnahmen den Stein in den Teich geworfen und eine Revision des Zweiten Vatikanischen Konzils gefordert. Unterstützung erhalten sie von einer internationalen Gruppe von Professoren, Priestern und Intellektuellen.

Die von den beiden Oberhirten angestoßene Diskussion zieht ihre Kreise und stößt dabei auch auf Widerstand, den mit erstaunlicher Schärfe der Vatikanist Sandro Magister artikuliert. Grund dafür ist zuletzt Kritik an der von Papst Benedikt XVI. initiierten Hermeneutik der Kontinuität, die Erzbischof Viganò für gescheitert hält, was er nicht nur auf den 2013 erfolgten Amtsverzicht Benedikts zurückführt, sondern auf grundsätzliche Schwächen dieser Hermeneutik. Es gibt, so der Spitzendiplomat außer Dienst, einzelne Passagen oder ganze Konzilsdokumente, die mit der Tradition nicht in Einklang und daher in keine Kontinuität zu bringen seien. Für Erzbischof Viganò ist zumindest ein Dokument des Konzils, die Erklärung Dignitatis humanae über die Religionsfreiheit, ganz fallenzulassen, falls es nicht grundsätzlich besser sei, das ganze Konzil zu „vergessen“. Die Gefahren von Verwirrung, Mißverständnis und Zweideutigkeit seien schlichtweg zu groß, zumal einige Teile in einem nicht sanierbaren Widerspruch zur kirchlichen Tradition stünden.

Die Deutlichkeit der Vorstöße der beiden Bischöfen, die sich zwar in Umfang, Akzentuierung und Lösungsansatz unterscheiden, im Grundanliegen aber einig sind, fordert von allen eine Positionierung, die an der Kirchenkrise leiden. Die synchronen Schritte von Erzbischof Viganò und Weihbischof Schneider zwingen nicht nur Traditionsverbundenen und Konservativen, sondern allen Katholiken guten Willens, Hirten wie Gläubigen, eine klärende und reinigende Diskussion auf, der manche lieber aus dem Weg gehen würden.

Dieses Spannungsfeld wird an der Kritik an dem Vorstoß deutlich, die aus diesen Reihen artikuliert wird, etwa von Kardinal Walter Brandmüller.

Es gibt Hinweise, daß – wie zu erwarten war – aus dem Vatikan heraus versucht wird, die Kritiker der Amtsführung von Papst Franziskus auseinandertreiben. Als Keil wird dabei die Haltung von Benedikt XVI. zum Zweiten Vaticanum genützt, die trotz seiner Bemühungen, der progressiven Hermeneutik des Bruchs entgegenzutreten (die nach dem Konzil eine „neue Kirche“ behauptete, die von jener vor dem Konzil grundlegend verschieden sei), eine gewisse Ambivalenz eine gewisse Ambivalenz in sich trägt, die zunächst vor allem biographischer Natur scheint. Joseph Ratzinger und Hans Küng waren beide Konzilsperiti und gehörten während des Konzils gemeinsam der Rheinischen Allianz an. Ihre Wege trennten sich erst in der Nachkonzilszeit. Auf dem Weg zum Konzil teilten beide die „Begeisterung“ und die „unglaubliche Erwartungshaltung“, wie Benedikt XVI. es 2013 formulieren sollte.

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