Domitillakatakomben – Ein Erlebnispark des Glaubens
Wenn die Stufen hinabführen in die Tiefe der Erde, öffnen sich nicht nur enge Gänge aus Tuffstein – es öffnet sich ein Tor zur unsichtbaren Wirklichkeit. Die Domitillakatakomben, oft als „Erlebnispark des Glaubens“ bezeichnet, sind weit mehr als ein archäologisches Denkmal. Sie sind ein lebendiger Spiegel jener ersten Christen, die in den Gräbern ihrer Märtyrer nicht Tod, sondern Auferstehung sahen.
Ort der Christusbegegnung
Wie der erfahrene Katakombenführer Manfred Wendel bezeugt, sind die Katakomben kein Museum für neugierige Touristen, sondern ein Raum der Begegnung mit Christus. „Es besteht die Gefahr, dass Er einem über den Weg läuft…“, sagt er mit einem Lächeln – und in diesem Wort schwingt die Wahrheit: Wer durch diese unterirdischen Hallen geht, kann sich der Nähe des Gekreuzigten und Auferstandenen nicht entziehen.
Schon die frühen Christen, die hier ihre Toten beisetzten, lebten aus der Hoffnung, dem Herrn dereinst von Angesicht zu Angesicht gegenüberzutreten. In der Finsternis der Katakomben leuchtet bis heute dieses Versprechen.
Ort der Glaubensverkündigung
Seit Jahrhunderten sind die Katakomben Predigt ohne Worte. Die Symbole an den Wänden – Fische, Anker, der Gute Hirte – verkünden dieselbe Botschaft wie einst: Christus ist der, der den Tod besiegt.
Heute ist es Wendel, der diesen Schatz weiterträgt. Besonders Schulklassen aus den neuen Bundesländern begegnen hier zum ersten Mal dem christlichen Glauben. Was für manche ein Geschichtsausflug ist, wird für andere ein geistliches Erwachen. Manch einer, der in Trauer kam, ging mit neuer Hoffnung zurück. Und manche Berufung zum Priestertum ist hier im Dunkel der Erde geboren.
Ort der Gemeinschaft der Heiligen
Über 100.000 Gräber reihen sich auf vier Etagen – jeder Getaufte, gleich welchen Standes, hatte das Recht auf eine eigene Nische. Die Nähe zu den Gräbern der Märtyrer Nereus und Achilleus war begehrt, denn die ersten Christen wussten: Heiligkeit strahlt an.
So entstand ein Bild der Kirche als Gemeinschaft der Lebenden und Toten, ein Leib, der nicht durch den Tod getrennt wird, sondern in Christus vereint bleibt.
Ort des Gottesdienstes
Besonders eindrucksvoll ist die unterirdische Basilika, die im 4. Jahrhundert unter Papst Damasius errichtet wurde – die einzige ihrer Art in Rom. Bis zu 400 Menschen fanden dort Platz, um Eucharistie zu feiern. Noch heute könnte man dort Gottesdienst halten: ein lebendiger Beweis, dass die Kirche unter der Erde niemals nur Versteck, sondern immer auch Heiligtum war.
Ein templarisches Fazit
Für uns Templer sind die Domitillakatakomben mehr als ein Relikt der Vergangenheit. Sie sind ein Schlachtfeld und Heiligtum zugleich: ein Ort, an dem der Glaube gegen die Furcht siegte. Wie die Ritter einst ihre Schwerter dem Dienst des Glaubens weihten, so weihten die ersten Christen ihre Gräber der Hoffnung.
Die Katakomben sind ein Ruf an uns alle: Der wahre Tempel ist Christus selbst, und wer Ihn sucht, kann Ihm selbst im Dunkel begegnen.
So bleibt wahr, was Wendel schmunzelnd sagte – und was wir Templer ernstlich bezeugen: In den Katakomben kann es geschehen, dass Er einem über den Weg läuft.
