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Donald Trump und die Religionsfreiheit

Die Trennung von Kirche und Staat ist tot – oder kehrt die Freiheit des Glaubens zurück?

Eine Betrachtung aus Sicht eines Templers

Seit der Aufklärung gilt die Trennung von Kirche und Staat als eine der tragenden Säulen westlicher Demokratien. Sie sollte verhindern, dass Regierungen Religion kontrollieren oder Kirchen politische Macht ausüben. Doch die Entwicklung in den Vereinigten Staaten zeigt, dass diese jahrhundertealte Ordnung erneut zur Diskussion steht.

Die von Präsident Donald Trump eingesetzte Kommission für Religionsfreiheit schlägt vor, die berühmte „Mauer zwischen Kirche und Staat“ nicht länger als trennendes Prinzip zu verstehen, sondern durch eine „Brücke“ zu ersetzen. Für die einen ist dies die Rückkehr zu den christlichen Wurzeln Amerikas. Für die anderen ist es ein gefährlicher Schritt hin zu einer Bevorzugung einzelner Religionen.

Als Templer betrachten wir diese Debatte mit besonderem Interesse, denn sie berührt eine Grundfrage jeder Gesellschaft: Welche Rolle soll der Glaube im öffentlichen Leben spielen?

War die Trennung jemals absolut?

Oft wird behauptet, die amerikanischen Gründerväter hätten eine strikte Trennung von Kirche und Staat gewollt. Tatsächlich findet sich der berühmte Ausdruck von der „wall of separation“ nicht in der Verfassung der Vereinigten Staaten, sondern in einem Brief Thomas Jeffersons an die Baptisten von Danbury aus dem Jahr 1802.

Der Erste Verfassungszusatz lautet vielmehr:

„Der Kongress darf kein Gesetz erlassen, das die Einführung einer Staatsreligion betrifft oder die freie Ausübung der Religion verbietet.“

Damit sollten zwei Gefahren verhindert werden: der Staat sollte keine Kirche beherrschen und keine Kirche sollte den Staat beherrschen. Gleichzeitig sollte jeder Bürger seinen Glauben frei leben können.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus jedoch vielerorts eine Praxis, die religiöse Stimmen zunehmend aus dem öffentlichen Raum verdrängte. Gebete in Schulen verschwanden, christliche Symbole wurden entfernt und religiöse Überzeugungen galten oft als reine Privatsache.

Genau gegen diese Entwicklung richtet sich nun der Bericht der amerikanischen Kommission.

Religionsfreiheit bedeutet mehr als Kirchenfreiheit

Die Kommission fordert unter anderem eine stärkere Berücksichtigung religiöser Überzeugungen in der Rechtsprechung, eine bessere rechtliche Absicherung gläubiger Menschen sowie größere Freiheit religiöser Einrichtungen im Bildungsbereich.

Viele Christen begrüßen diese Vorschläge. Sie empfinden sie als Korrektur einer Entwicklung, in der religiöse Menschen ihre Überzeugungen immer häufiger nur noch im privaten Bereich äußern dürfen.

Doch zugleich stellen Kritiker eine berechtigte Frage:

Gilt diese Freiheit tatsächlich für alle Religionen?

Im Bericht werden zahlreiche kleinere Religionsgemeinschaften kaum oder gar nicht erwähnt. Auch konfessionslose Menschen finden praktisch keine Beachtung. Dadurch entsteht der Eindruck, dass unter dem Begriff der Religionsfreiheit vor allem die Freiheit der christlichen Mehrheitskirchen verstanden wird.

Eine echte Religionsfreiheit muss jedoch allen Menschen gleichermaßen dienen.

Der Staat darf keine Glaubensrichtung bevorzugen

Als Templer verteidigen wir das Recht jedes Menschen, seinen Glauben frei zu leben.

Gerade deshalb sehen wir jede Entwicklung kritisch, bei der der Staat beginnt, einzelne Religionen zu bevorzugen oder andere zu benachteiligen.

Die Geschichte liefert dafür zahlreiche warnende Beispiele.

Wo immer weltliche Macht und religiöse Macht vollständig miteinander verschmolzen, entstanden früher oder später Unterdrückung, Zwang und Verfolgung.

Nicht nur Andersgläubige litten darunter.

Oft wurden sogar Christen verfolgt, weil sie den „falschen“ christlichen Überzeugungen angehörten.

Auch die Templer waren Opfer der Verbindung von Kirche und Staat

Der Untergang des Templerordens gehört zu den eindrucksvollsten Beispielen dafür, wie gefährlich die enge Verbindung von politischer und kirchlicher Macht werden kann.

König Philipp IV. von Frankreich wollte die wirtschaftliche und politische Macht des Ordens brechen. Papst Clemens V. stand unter enormem politischem Druck. Am Ende führte dieses Zusammenspiel weltlicher Interessen und kirchlicher Autorität zur Verhaftung der Tempelritter, zu Folterprozessen und schließlich zur Auflösung des Ordens.

Nicht die Wahrheit siegte.

Es siegte die Macht.

Gerade deshalb wissen wir Templer, wie wichtig unabhängige Gerichte, Gewissensfreiheit und die Begrenzung staatlicher Macht sind.

Religion darf nicht aus der Öffentlichkeit verschwinden

Die Antwort auf diese Erfahrungen kann jedoch nicht darin bestehen, Religion vollständig aus dem öffentlichen Leben zu verbannen.

Eine Gesellschaft verliert ihre geistigen Wurzeln, wenn Glauben nur noch hinter Kirchenmauern stattfinden darf.

Christliche Werte wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Menschenwürde, Wahrhaftigkeit und Verantwortung dürfen selbstverständlich auch die öffentliche Debatte prägen. Ebenso dürfen Juden, Muslime, Buddhisten, Hindus oder konfessionslose Menschen ihre Überzeugungen frei in den demokratischen Diskurs einbringen.

Religionsfreiheit bedeutet nicht Schweigen.

Religionsfreiheit bedeutet, dass niemand wegen seines Glaubens oder Nichtglaubens benachteiligt wird.

Die eigentliche Mauer verläuft im Herzen

Vielleicht liegt die eigentliche Frage gar nicht darin, ob zwischen Kirche und Staat eine Mauer oder eine Brücke stehen soll.

Entscheidend ist vielmehr, ob der Staat jedem Menschen mit derselben Achtung begegnet.

Ein Staat darf keine Kirche beherrschen.

Eine Kirche darf keinen Staat beherrschen.

Aber beide dürfen gemeinsam dem Menschen dienen.

Wenn Religion wieder öffentlich sichtbar wird, ohne andere Überzeugungen zu unterdrücken, kann dies eine Bereicherung für die Gesellschaft sein. Wird jedoch einer Glaubensrichtung ein politischer Vorrang eingeräumt, droht genau jene Entwicklung, unter der die Menschheit bereits unzählige Male gelitten hat.

Der Weg der Templer

Als Templer glauben wir weder an einen religionslosen Staat noch an einen Gottesstaat.

Wir glauben an einen Rechtsstaat, der jedem Menschen die Freiheit gibt, Gott nach seinem Gewissen zu suchen oder auch keinen Glauben zu haben.

Die Aufgabe des Staates besteht darin, diese Freiheit zu schützen.

Die Aufgabe der Kirche besteht darin, den Menschen zu Christus zu führen – nicht zur politischen Macht.

Wo beide ihre Grenzen kennen und ihre Verantwortung wahrnehmen, entsteht keine Mauer und keine Herrschaft.

Dort entsteht etwas Größeres:

Eine freie Gesellschaft, in der Glaube nicht erzwungen, sondern aus Überzeugung gelebt wird.

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