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Für die grossen Zweifler

Wir beten an einen „lieben“ und „guten“ Gott – Ein Templer über Allmacht und Leid

Brüder und Schwestern,
immer wieder erhebt sich die Frage, die schon die Propheten, die Kirchenväter und die Mystiker bewegte: Wenn unser Gott allwissend und allmächtig ist, wie kann er dann das Leid auf Erden zulassen? Wie kann er Kriege zwischen Juden und Muslimen dulden, wenn er doch mit Israel einen Bund geschlossen hat? Wie kann er es ertragen, dass Kinder sterben, dass Kirchen brennen, dass seine Schöpfung geschändet wird?

Gottes Allmacht und die Freiheit des Menschen

Wir Templer wissen: Gott ist wahrlich allmächtig. Doch seine Allmacht zeigt sich nicht darin, dass er den Menschen wie Marionetten lenkt. Er hat uns den größten Schatz verliehen, den es gibt: den freien Willen.

Dieser freie Wille ist zugleich Gnade und Prüfung. Gott könnte mit einem einzigen Wort alles Böse auslöschen, doch dann gäbe es keine Freiheit, keine Liebe, keinen Weg zu ihm aus eigener Entscheidung. Denn Liebe, die erzwungen wird, ist keine Liebe.

Darum lässt Gott zu, dass wir zwischen Licht und Finsternis wählen. Kriege, Gewalt und Zerstörung sind nicht Werk seiner Hände, sondern Früchte des gefallenen Willens der Menschen.

Der Bund mit Israel und die Menschheit

Ja, Gott schloss einen Bund mit Israel, mit Abraham, Isaak und Jakob. Doch jeder Bund Gottes ist ein Ruf – nicht nur an ein Volk, sondern an die ganze Menschheit. Israel sollte ein Zeichen sein, ein lebendiges Zeugnis, dass der Mensch durch Treue und Gehorsam in Gemeinschaft mit Gott leben kann.

Dass Kriege zwischen Juden und Muslimen wüten, zeigt nicht ein Versagen Gottes, sondern die Blindheit der Menschen. Denn Gott zwingt niemanden zur Treue. Sein Bund bleibt bestehen, doch wer ihn missachtet, erleidet die Folgen seiner eigenen Wege.

Das Leid der Kinder und die zerstörten Kirchen

Nichts trifft das Herz so sehr wie der Tod eines Kindes. Doch auch hier gilt: Gottes Allmacht zeigt sich nicht in der Verhinderung jedes Schmerzes, sondern in der Kraft, das Leid in Erlösung zu verwandeln. Kinderseelen kehren rein und unbefleckt zurück zum Schöpfer. Ihr kurzer Weg auf Erden ist nicht vergebens, sondern Teil eines Mysteriums, das unser Verstand kaum begreifen kann.

Auch wenn Kirchen zerstört werden, bleibt Gottes wahres Heiligtum unversehrt: das lebendige Herz, das sich ihm in Demut weiht. Kein Feuer, keine Axt, kein Krieg kann das Reich Gottes in der Seele zerstören.

Was ist Allmacht wirklich?

Allmacht ist nicht rohe Gewalt, nicht das erzwungene Niederhalten allen Bösen. Allmacht ist die Kraft, aus Dunkelheit Licht zu schaffen, aus Tod neues Leben, aus Schuld Vergebung.

So wie Christus am Kreuz hing – scheinbar besiegt, verspottet, schwach –, so zeigte sich gerade in dieser Ohnmacht die wahre Macht Gottes: die Liebe, die stärker ist als der Tod.

Der Ruf an uns Templer

Wir Templer dürfen uns nicht in Fragen verzehren, warum Gott dies oder jenes zulässt. Wir sind gerufen, Werkzeuge seiner Liebe und Gerechtigkeit zu sein. Wenn Kinder leiden, müssen wir sie schützen. Wenn Kirchen zerstört werden, müssen wir sie wieder aufbauen. Wenn Völker im Streit liegen, sind wir gerufen, den Frieden zu verkünden – durch unser Leben, unser Wort, unser Schwert, wenn es sein muss.

Schlusswort

Bruder, Schwester – Gott ist allwissend, allmächtig und gut. Doch er zwingt den Menschen nicht, sondern ruft ihn. Wir leben in einer Welt der Prüfung, in der unser Wille entscheidet, ob wir Lilien des Lichts oder Disteln der Finsternis hervorbringen.

Die Allmacht Gottes wird am Ende offenbar, wenn jedes Unrecht gerichtet, jede Träne getrocknet und jedes Herz, das sich ihm zuwendet, vollendet wird.

Bis dahin gilt für uns: Nicht klagen, sondern dienen. Nicht verzweifeln, sondern hoffen. Nicht Gott anklagen, sondern selbst Antwort sein auf den Ruf der Liebe.

Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam.

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