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Heute ist der Todestag des 12. Templergrossmeisters

Gilbertus Erail (Herail, Arayl, Horal, Roral).
1194-21. Dezember 1200

Zum Gedächtnis unseres Großmeisters – Gilbertus Erail

Ich schreibe als Bruder des Ordens vom Tempel, im stillen Gedenken an einen Mann, der unseren Orden in einer schwierigen Zeit geführt hat. Heute erinnern wir uns an den Todestag unseres zwölften Großmeisters, Gilbertus Erail – auch Herail, Arayl, Horal oder Roral genannt –, der im Dezember des Jahres 1200 von uns ging.

Über seine Herkunft wissen wir wenig. Nicht einmal sein ursprünglicher Name ist eindeutig überliefert. Mit einiger Sicherheit darf angenommen werden, dass er aus Aragon oder der Provence stammte. Die Listen der Provinzialmeister Kataloniens und der Provence lassen erkennen, dass man schon früh Wert darauf legte, Männer aus dem jeweiligen Land zu berufen – eine Praxis, die später zur festen Regel wurde.

Gilbertus Erail war kein Unbekannter, als er zum Großmeister gewählt wurde. Bereits 1183 diente er im Königreich Jerusalem als Großpräzeptor. Nach seiner Rückkehr in den Westen – möglicherweise gemeinsam mit dem damaligen Großmeister Arnaldus de Turre Rubea – übernahm er bedeutende Leitungsämter: zunächst als magister in den Provinzen Spaniens, später wohl auch als magister cismarinus, als stellvertretender Meister des Ordens im Westen. Seine Kriegserfahrung in Spanien, wo der Orden an der Verteidigung gegen die Mauren beteiligt war, empfahl ihn für höchste Aufgaben. König Alfons II. von Aragon zeichnete den Orden mehrfach aus, und Papst Coelestin III. bestätigte Gilbert bei Amtsantritt das große Privileg „Omne datum optimum“.

Unter seiner Führung wurde der Orden im Westen weiter gefestigt. 1196 vereinte er den katalanischen Zweig des Ordens S. Mariae Montisgaudii sowie das Hospital S. Redemptoris de Teruel mit dem Templerorden – eine Maßnahme, die nicht ohne Widerstand blieb, aber die Stellung des Ordens stärkte. Gilbert stand einer der bedeutendsten Provinzen vor, auch wenn ihre Rolle oft unterschätzt wird, da die spanischen Templer vor allem im Kampf um die Landesverteidigung gebunden waren und selten in den Orient gelangten.

Im Heiligen Land selbst war Gilberts Amtszeit von Waffenstillständen geprägt. Nach dem Tod Saladins nutzten die Christen die innermuslimischen Konflikte nicht, und das Königreich Jerusalem beschränkte sich auf einen schmalen Küstenstreifen von Tyrus bis Jaffa. Handel und Diplomatie gewannen an Bedeutung. In dieser Zeit entwickelte sich der Orden weiter als Verwalter, Geldüberbringer und Kreditgeber, nicht aus übermäßigem Reichtum, sondern aufgrund einer neuartigen, sorgfältigen Buch- und Rechnungsführung, die später als Grundlage unseres Rufes als „Bankiers des Mittelalters“ gelten sollte.

Gilbertus Erail war nicht nur Ordensleiter, sondern auch politischer Berater. Auf den Rat der beiden Großmeister – der Templer und der Johanniter – wurde nach dem Tod Heinrichs von Champagne Königin Isabella mit Amalrich von Lusignan vermählt. Diese Entscheidung war nüchtern und politisch begründet: Das Königreich brauchte einen Herrscher mit Mitteln und Rückhalt, nicht nur mit Anspruch.

In seine Amtszeit fällt auch ein Ereignis von großer Tragweite: die Gründung des Deutschen Ritterordens am 5. März 1198 im Templerhaus von Akkon. Gilbert stimmte dieser Gründung zu, obwohl auch deutsche Ritter in unseren Reihen dienten und wir Besitzungen im Reich hatten. Die Spannungen zwischen den Nationalitäten waren spürbar, und man hoffte, durch einen eigenen Orden Ordnung zu schaffen.

Doch Gilberts Zeit war nicht frei von Konflikten. Streitigkeiten mit Prälaten, insbesondere der schwere Vorfall um die Exkommunikation des gesamten Ordens durch den Bischof von Sidon, zeigten die wachsenden Spannungen zwischen geistlicher Hierarchie und Ritterorden. Papst Innozenz III. stellte sich entschieden auf unsere Seite, enthob den Bischof seines Amtes und bestätigte immer wieder unsere Privilegien. Diese päpstliche Gunst stärkte den Orden, nährte aber auch Neid und Feindschaft – und den Vorwurf der superbia, des Hochmuts, der nach mittelalterlichem Verständnis die Wurzel allen Übels ist.

Trotz Waffenstillständen kam es vereinzelt zu Kämpfen. Gilbert selbst zog gegen den Sultan von Aleppo zu Felde. Sein größtes militärisches Ziel, die Rückgewinnung der Festung Baghras (Gaston), konnte er jedoch nicht mehr vollenden; diese Aufgabe fiel seinem Nachfolger zu.

Gilbertus Erail starb im Dezember 1200, nach manchen Überlieferungen am 12. Tag des Monats. Er hinterließ einen Orden, der mächtig, gut organisiert, aber auch innerlich gefährdet war – durch politische Untätigkeit, wachsenden Einfluss und zunehmende Feindschaft von außen.

Wir Templer gedenken seiner nicht als eines großen Eroberers, sondern als eines Verwalters, Beraters und Hüters des Ordens in einer Zeit des Übergangs. Möge sein Gedächtnis uns mahnen, dass Macht ohne Demut und Privileg ohne Maß den Samen des Verfalls in sich tragen.

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