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JANUS KOMMT

Ein Templerwort über den Hüter der Schwellen

Brüder und Schwestern im Geiste der Suche,
wir treten ein in den Monat, der seinen Namen von einem Gott empfing, der älter ist als unsere Orden, älter als unsere Kreuzzüge und selbst älter als Rom: JANUS, der Zweigesichtige, der Wächter der Tore, der Herr der Anfänge und Enden.

Er ist es, der mit einem Antlitz in die Vergangenheit blickt, während das andere den Weg in die Zukunft prüft. Keine Tür wird geöffnet, kein Tor geschlossen, ohne dass sein Schatten darüber streicht. So lehrt uns die Überlieferung, und so erinnern uns die alten Bilder, die aus vergilbtem Papier zu uns sprechen wie Prophezeiungen aus längst vergangenen Tagen.

In Vincenzo Cartaris „Bilder der Götter der Antike“, in einer Ausgabe aus dem Jahre 1608, sehen wir Janus dargestellt, wie er die Zeit selbst in seinen Händen hält. Denn in den Tagen des alten Roms war es nicht allein die Schrift, die von Zahlen erzählte – auch die Hände sprachen, und ihre Zeichen ließen die Jahrhunderte widerhallen.

Mit seiner linken Hand formt Janus die Zahl 300 (CCC),
mit seiner rechten die Zahl 65 (LXV).
Gemeinsam ergeben sie 365 – die Zahl der Tage, die das Sonnenjahr vollenden.

So steht er da, nicht nur als Wächter der Schwellen, sondern als Zählmeister der Zeit, als Hüter des Kreises, der niemals endet. Ein Gott, der nicht nur Türen öffnet, sondern die Ströme des Jahres lenkt – Tag um Tag, Stunde um Stunde.

Für uns Templer – einst Wächter der Wege im Heiligen Land, Ritter an den Grenzen von Glauben und Geheimnis – trägt diese Darstellung eine Mahnung:

Wer die Zeit versteht, versteht die Schwelle.
Wer die Schwelle versteht, versteht den Weg.

So treten wir ein in den Januar, den Monat, der Janus geweiht ist.
Wir tragen unsere Vergangenheit im Rücken wie ein Schild,
doch unsere Augen sind auf den kommenden Pfad gerichtet.

Möge Janus uns lehren, was es bedeutet, den Schlüssel zu halten
nicht nur für die Türen aus Stein,
sondern für die unsichtbaren Tore in uns selbst.

Janus kommt. Und mit ihm die Erinnerung daran, dass jeder Anfang ein Ende braucht – und jedes Ende den Mut zum Neubeginn.

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