✠ Blog des ALTEN SOUVERÄNEN TEMPLER ORDENS (ASTO) ✠

Kirche ruft zu Reflektion über Kolonialismus

Der katholische Augsburger Bischof Bertram Meier hat betont, dass Prägungen aus der Zeit des Kolonialismus bis heute fortwirken. „Der Zusammenhang von Mission und Kolonialismus ist ernst. Nicht selten sind in unseren weltkirchlichen Begegnungen die toxischen Spuren der Geschichte spürbar”, sagte Meier zum Abschluss der Jahrestagung Weltkirche und Mission in Würzburg.

Auch die Kirche sei durch ihre Verstrickung in den Kolonialismus tief gezeichnet und verletzt, sagte der Weltkirche-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) laut einer Pressemitteilung zum Ende der Tagung in Würzburg. „Wir sind daher gut beraten, uns dieser Fragen anzunehmen und miteinander unserer Verstrickung als auch Verantwortung nachzuspüren“, mahnte der Bischof in seiner Predigt beim Gottesdienst. Auch Bischof Joseph Ndi-Okalla aus Balmayo (Kamerun) betonte, wie wichtig der weltkirchliche Austausch und die selbstkritische Reflexion der kirchlichen Arbeit seien. Er plädierte für einen differenzierten Blick auf die Missionsgeschichte.

Die Jahrestagung Weltkirche und Mission hatte am Montag begonnen und stand unter dem Thema: „Gestörte Beziehungen. Kirche und Gesellschaft im Umgang mit dem kolonialen Erbe“. Die von der Konferenz Weltkirche* organisierte Tagung versammelte laut der DBK die wichtigsten weltkirchlichen Akteure der katholischen Kirche in Deutschland, darunter internationale kirchliche Hilfswerke, Missionsorden und Bistümer. Unter der Leitung von Bischof Meier diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Herausforderungen und insbesondere die Aufgaben der Kirche beim Umgang mit dem kolonialen Erbe.

Eigene Verstrickung aufarbeiten
In der abschließenden Diskussion war man sich einig, dass die Kirche sowohl ihre eigene Verstrickung aufarbeiten, als auch ein Beispiel der konstruktiven Auseinandersetzung geben müsse. Dem Gefühl der Entmutigung angesichts der Größe der Aufgabe sollte man konkrete Erfahrungen und Vorhaben eines angemessenen Umgangs mit dem kolonialen Erbe entgegensetzen. Nur so würden die Gewalt und ihre Folgen am Ende nicht das letzte Wort haben. Die Teilnehmer hielten fest: „Kolonialismus und in besonderer Weise der transatlantische Sklavenhandel wirken bis zur Gegenwart fort und beschädigen die gesellschaftlichen sowie internationalen Beziehungen erheblich.” Die Auseinandersetzung mit den Folgen von Sklavenhandel und Sklaverei, in die Alexander Scott (The Transatlantic Slavery and Legacies in Museums Forum, Liverpool) einführte, machte deutlich, dass man es mit einem Menschheitsthema zu tun habe, das in Deutschland noch keineswegs in seinen Ausmaßen erfasst sei. Jörg Lüer, Geschäftsführer der Deutschen Kommission Justitia et Pax, erinnerte daran, wie wichtig es sei, die historischen Prägungen der Beziehungen ernst zu nehmen. Die Folgen des Kolonialismus seien oftmals der sogenannte „Elefant im Raum“, den man nur gemeinsam bändigen könne. Das schließe die Bereitschaft zur Rückgabe von angeeignetem Kulturgut sowie zur Anerkennung der Verbrechen in der Kolonialzeit mit ein.

*Veranstalter der Jahrestagung Weltkirche und Mission ist die Konferenz Weltkirche, in der die Deutsche Bischofskonferenz, die deutschen (Erz-)Bistümer, die Hilfswerke, die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK), die katholischen Verbände, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und andere weltkirchlich tätige Einrichtungen zusammenarbeiten.

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