✠✠✠✠✠✠ TEMPLER MAGAZIN ✠✠✠✠✠✠

Ostern feiern im Luftschutzkeller

Katholische Kinder und Jugendliche in Israel haben Ostern unter außergewöhnlichen Bedingungen gefeiert – und dabei Halt im Glauben gefunden. Das erzählt im Gespräch mit Vatican News die aus der Schweiz stammende Seelsorgerin Monika Faes, die seit zwei Jahren für das Vikariat der hebräischsprachigen Katholiken in Israel die Kinder- und Jugendarbeit betreut.

Die wenigen Gemeinden des St. James-Vikariats liegen über das ganze Land verstreut, viele Familien leben im Großraum Tel Aviv. Der Alltag der Kinder und Jugendlichen hat sich durch den Krieg grundlegend verändert, sagte uns Monika Faes. Vertraute religiöse Rituale lassen sich nur eingeschränkt umsetzen. Dennoch: Ostern als Fest der Auferstehung hat natürlich stattgefunden, wenn auch im Luftschutzkeller, wo der aus Polen stammende Patriarchal-Vikar Piotr Zelazko die Heilige Messe zu Ostern zelebrierte.

„Es war unglaublich bewegend, die Kinder zu sehen“, so die Seelsorgerin. „Wir haben viel Freude mitgebracht, viele Spiele, viele Überraschungen. Wir waren mitten in einer kleinen Zeltstadt. Viele dieser Kinder und Jugendlichen übernachten seit fünf Wochen ununterbrochen in diesem Bunker, damit sie wenigstens ein wenig Schlaf bekommen. Und da die pädagogischen Einrichtungen schon seit Wochen geschlossen sind, müssen auch viele Eltern bei ihnen bleiben, sie können nicht arbeiten gehen.“

Umso wichtiger bleibt es für das pastorale Team, zentrale Feste möglich zu machen. Denn die Lage vieler Familien ist angespannt. „Viele dieser Eltern sind mit ihren Kindern gemeinsam ohne legalen Aufenthaltsstatus. Das heißt, die finanzielle Not wird dann größer und größer. Ohne legalen Aufenthaltsstatus zu sein, bedeutet auch, keine Krankenversicherung zu haben.“

Das Vikariat versucht, regelmäßig präsent zu bleiben, ein bis zweimal die Woche, sagt Monika Faes. Patriarchalvikar Zelazko, der bereits seit Jahrzehnten in Israel wirkt und fließend Hebräisch spricht, spiele dabei eine zentrale Rolle. Neben materieller Unterstützung gehe es auch um Nähe und Verlässlichkeit: „Es ist unglaublich wichtig, dass wir ganz unbürokratisch unterstützen, Brücken bauen, einfach helfen, wo es geht.“

Gleichzeitig rückt die Wahrnehmung der Kinder in den Fokus. Sie erleben den Krieg unmittelbar, reagieren schnell und fast erschreckend angepasst. Faes schildert diese Erfahrung eindrücklich:

„Die Kinder und Jugendlichen, denen oft die Worte fehlen, um auszudrücken, was dieser erneute Krieg in ihren Herzen anrichtet, sind wirklich tapfer. Die Gefahr der Angriffe, der Einschläge ist alltäglich da. Es kann man kaum beschreiben. Man weiß, der nächste Alarm kommt jetzt dann gleich. Man weiß, okay, jetzt müssen wir wieder in den Bunker. Man weiß das alles. Und trotzdem sehe ich immer wieder bei den Kindern, dass sie äußerlich ruhig bleiben, aber dass sie unglaublich schnell die Situation lesen. Also die sind richtige Überlebenskünstler in dieser Situation. Und ich staune dann immer wieder neu, wie die in den Schutzräumen sofort auf diesem Kunstrasen mit einem kleinen Ball anfangen zu spielen. Vermutlich einfach gerade, weil sie das brauchen, dieses Alltägliche.“

Das St. James-Vikariat umfasst rund 1.200 hebräischsprachige Gläubige in sieben Gemeinden in Israel, eine davon in Beer Sheba. Dort seien Gemeindemitglieder auch unmittelbar von Zerstörungen betroffen. Doch auch in der Nähe des Gemeindezentrums im Süden Tel Avivs sei es zu Raketeneinschlägen gekommen. „Die Kinder haben uns dort hingeführt und gesagt, da, schau, das sind Splitter von dieser Rakete. Und ich glaube, das kann man wirklich mit Worten kaum beschreiben, aber die Kinder und die Jugendlichen wissen es und sie sind unfassbar aufmerksam. Das ist etwas von einer Schnelligkeit des Verstehens und des Begreifens, das sie eigentlich in ihrem Alter nicht haben sollten.“

In diesem Umfeld gewinnen die gemeinsamen Feiern an Bedeutung. Gerade die Kar- und Osterliturgien wurden zu einem Zeichen der Hoffnung. Monika Faes berichtet von der geplanten Palmsonntag-Freizeit für die Kinder und Jugendlichen in Jerusalem, die abgesagt werden musste, dann aber mitsamt Palmsonntagsprozession in Tel Aviv stattfinden konnte – anders als geplant: „In einem Luftschutzbunker weit unter der Erde – in Erinnerung an Jesus, in diesem Festhalten daran, dass er Einzug hält in unseren Leben. Und es war uns auch wichtig für Ostern.“

Die Botschaft des Glaubens zeigt sich konkret im Miteinander der Kinder, die aus israelischen, ukrainischen, russischen, philippinischen, deutschen oder französischen Familien stammen, wie die Seelsorgerin erklärt. „Und wenn der Patriarchal-Vikar Zelazko sagt, die Liebe ist die stärkste Waffe in jedem Krieg, dann merkt man es diesen Kindern so an, dass sie bei den Osterfeiern diese Liebe Jesu, die sie wirklich so ganz aufnehmen in sich, auch im Miteinander leben. Es ist unglaublich berührend zu sehen, wie die Kinder aufeinander schauen und wie diese Liebe wirklich Raum greift.“

Ergänzend prägt auch eine ökumenische Perspektive die Arbeit vor Ort. Monika Faes ist evangelisch, sie wirkte längere Zeit als Religionslehrerin in Österreich, in Schladming. Im St. James-Vikariat spielt – wie so oft in einer Diaspora-Situation – konfessionelle Abgrenzung im Alltag keine Rolle, entscheidend bleibt das gemeinsame christliche Zeugnis. „Und da ist die Ökumene eigentlich kein Konzept oder kein Wort, sondern einfach gelebter Glaube. Dieser gelebte Glaube an den einen, der uns verbindet, an Jesus Christus. Wir feiern jetzt gerade seine Auferstehung, da ist so eine Tiefe der gemeinsamen Hoffnung, die uns immer wieder neu trägt.“

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