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Profiteure der Inflation

Nun wäre es aber wohl ein wenig gutgläubig anzunehmen,
dass die Unternehmen einzig und allein ihre höheren
Kosten weiterreichen – bspw. wegen teurer Energie oder
möglicher hoher Lohnabschlüsse.

Die Unternehmen erhöhen ihre Preise, weil die Gelegenheit
günstig ist. Sicherlich waren und sind viele Firmen mit
höheren Kosten konfrontiert. Doch wer kann, erhöht seine
Preise freilich auch weit darüber hinaus. Ohne regulierende
Eingriffe des Staates ist es nahezu einzig die Konkurrenz
(oder ein Einbruch der Nachfrage), die verhindern kann,
dass ein Unternehmen seine Preise beliebig erhöht – und
das gilt umso mehr, je unverzichtbarer das Produkt ist,
etwa Energie.

Leider scheint das Konkurrenzprinzip wieder einmal genau
dann nicht zu funktionieren, wenn man es dringend
benötigt – oder die Konkurrenz ist nicht hinreichend
vorhanden, was dann eine Frage des Kartellrechts wäre,
mit dem sich in manchen Fällen womöglich zielführender
und konjunkturschonender arbeiten ließe.

Aber gut, wenn viele verlieren, gibt es ja immer auch als
notwendigen Gegenpart die wenigen Gewinner. Und
dass die großen „Standardwerte“ seit geraumer Zeit zu
den Gewinnern an der Börse zählen, ist insofern nur
folgerichtig. Die scheinbare Diskrepanz zwischen den
vielfältigen Krisenherden des Jahres 2022 und den
Gewinnen der DAX-Unternehmen spricht ja Bände. Und
in den USA profitieren die Großbanken jetzt nicht nur
von den steigenden Zinsen, sondern auch von der jüngst
wieder aufflammenden Anfälligkeit der kleineren Institute.
Solange die Inflation nur langsam sinkt und die Noten-
banken das Tempo nicht mehr beschleunigen wollen,
dürften Indizes wie der DAX oder der Dow Jones gute
oder zumindest recht stabile Anlagemöglichkeiten bieten.

Aktien, also Anteile an den Gewinnen und Sachwerten
von Unternehmen, sind eben die beste Wahl in Zeiten
höherer Teuerungsraten! Es ist ja nicht die Inflation, die
Aktien zu schaffen macht. Es sind die steigenden
Zinsen als Anlagealternative und Bremsklotz für die
Gewinne der Unternehmen.

Wir wissen ja, dass ein Anleger, der immer nur im
Sommer investiert ist, unterm Strich verlieren würde!
Und der Sommer war in der Vergangenheit in aller Regel
auch nur dann einigermaßen erfreulich, wenn die Aktien
zuvor in der Wintersaison schwach gelaufen waren – was
man zumindest vom DAX in diesem Jahr ja nun nicht
behaupten kann.

Zwar kann der Aktienmarkt auch mit einem blauen Auge
durch den Sommer kommen, solange die Konjunktur- und
Zinsentwicklungen in den USA und Europa nicht zeitgleich
ablaufen. Wenn die US-Anleger die Rezession in den Kursen
erneut berücksichtigen sollten und es anschließend wieder
aufwärts geht am US-Markt, dann dürfte eine sich anbahnende
Rezession in Europa als Aktienanleger zu verkraften sein.
Dennoch empfehlen wir nun Zurückhaltung. Frühestens im
Oktober sehen wir den Zeitpunkt für neue Käufe.

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