Rosch Haschana
Der Ruf zur Umkehr im Lichte der Ewigkeit
Heute abend beginnen unsere jüdischen Brüder die Feier von Rosch Haschana, dem Neujahrsfest des Judentums, das in diesem Jahr bis Mittwoch, den 24. September 2025 andauert. Dieser Tag ist weit mehr als ein bloßer Wechsel des Kalenders. Er ist ein heiliger Ruf zur Erneuerung, zur Selbstprüfung und zur Rückkehr zum Ewigen.
Der biblische Ursprung
Die Heilige Schrift bezeichnet diesen Tag als Jom Teruach, den „Tag des Schofarblasens“ (Levitikus 23:23–25). Das Horn des Widders ruft die Herzen auf, aus dem Schlaf der Gewohnheit zu erwachen. Es erschüttert das Innere, wie einst das Volk Israel am Sinai erschüttert wurde, als der Bund mit dem Höchsten erneuert wurde.
Rosch Haschana wird auch Jom HaZikaron, „Tag des Gedenkens“, genannt. Denn ohne Erinnerung an unsere Taten, unsere Irrwege und Versäumnisse kann keine wahre Umkehr stattfinden. Jeder Mensch wird aufgefordert, nicht nur Gott um Vergebung zu bitten, sondern auch den Mitmenschen, die er verletzt hat.
Symbolik und Riten
-
Das Schofar ruft nicht nur das Ohr, sondern die Seele. Es ist der Klang der Wachsamkeit und erinnert an den geistigen Kampf, den auch der Templer kennt.
-
Süßes für ein süßes Jahr – Äpfel in Honig getaucht sind Sinnbild der Hoffnung: dass die kommende Zeit gesegnet und mild werde.
-
Taschlich-Zeremonie – am Wasser werden symbolisch die Sünden des alten Jahres weggeworfen. Auch wir Templer kennen das Bild des „Reinigens“: Wer die geistige Rüstung tragen will, muss sich von unnützer Last lösen.
-
Das Buch des Lebens – die jüdische Tradition lehrt, dass Gott in diesen Tagen die Namen der Gerechten ins Buch des Lebens einträgt. Dieses Bild ist auch uns vertraut, denn die Offenbarung spricht vom „Buch des Lebens des Lammes“.
Der Weg des Templers und der Brückenschlag
Für uns Templer ist Rosch Haschana eine Erinnerung daran, dass wahre Spiritualität immer mit der Bereitschaft zur inneren Umkehr beginnt. Die jüdischen Brüder treten in eine Zeit des Ernstes und der Demut – genau jene Haltung, die auch wir als Ritter Christi einnehmen müssen.
Der Schofar ruft sie zum Erwachen – und wir hören darin den Ruf an uns selbst, die Fesseln des Egos zu sprengen und uns neu dem Höheren zu weihen. Die Bestandsaufnahme ihres Herzens spiegelt unser eigenes Ringen, dem Gelöbnis der Reinheit und des Dienstes treu zu bleiben.
Die Tage der Ehrfurcht
Rosch Haschana ist nicht isoliert. Es eröffnet die zehn Tage der Ehrfurcht, die mit Jom Kippur, dem großen Versöhnungstag, gipfeln. Zwischen diesen beiden Polen – Gedenken und Versöhnung – entfaltet sich der Weg der Reinigung.
Dies lehrt uns: Der Neuanfang geschieht nicht mit einem Schlag, sondern ist ein Prozess. Ein Weg von der Einsicht über die Reue hin zur Versöhnung.
Fazit
Rosch Haschana ist ein heiliger Spiegel. Er zeigt uns, dass jede Tradition, ob jüdisch oder christlich, auf das Gleiche verweist: Ohne Wahrhaftigkeit vor Gott und ohne den Mut, die eigenen Schatten zu betrachten, kann kein neuer Weg beschritten werden.
So gedenken wir heute mit Ehrfurcht dieses Festes unserer jüdischen Brüder und erkennen darin eine Wahrheit, die uns Templer ebenso verpflichtet: Das Herz zu prüfen, um mit gereinigtem Geist vor den Ewigen zu treten.
Ein templarischer Segensgruß
Möge das Licht des Höchsten unsere jüdischen Brüder in diesen Tagen der Umkehr und des Neubeginns begleiten. Möge das Schofar uns alle wecken, die Wege der Wahrheit zu gehen, das Herz zu reinigen und den Dienst am Ewigen zu erneuern. So sei es – Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam.
