Warum sich verschiedene Templervereine gespaltet haben
Eine Lehre für alle Brüder
Ein Wort des Alten Souveränen Templer Ordens (ASTO)
Seit der Wiederentstehung moderner Templerorden im 18. bis 20. Jahrhundert hat es immer wieder Spaltungen gegeben. Für Außenstehende ist dies oft schwer verständlich. Wie kann eine Gemeinschaft, die sich christlichen Werten, Brüderlichkeit und gegenseitigem Respekt verpflichtet fühlt, in mehrere Organisationen auseinanderbrechen?
Die Antwort ist so alt wie die Menschheit selbst.
Nicht Ideale spalten einen Orden. Menschen tun es.
Ein Name ist kein geschütztes Erbe
Eine Besonderheit moderner Templerorden besteht darin, dass der Begriff „Templer“ rechtlich nicht geschützt ist. Deshalb kann grundsätzlich jeder Verein gegründet werden, der den Namen „Templerorden“ oder eine ähnliche Bezeichnung verwendet.
Das erklärt, warum es heute weltweit zahlreiche Templerorganisationen gibt, die sich teilweise auf dieselben historischen Wurzeln berufen, organisatorisch jedoch völlig unabhängig voneinander sind.
Für Interessenten ist dies oft verwirrend.
Ein gemeinsamer Name bedeutet nicht automatisch eine gemeinsame Geschichte, dieselben Ziele oder dieselben Ordensregeln.
Die große Spaltung einer modernen Templerbewegung
Zu den bekanntesten Entwicklungen gehört die Geschichte des modernen Ordre Souverain et Militaire du Temple de Jérusalem (OSMTJ) beziehungsweise der später daraus hervorgegangenen Verbände.
Diese Organisation versteht sich nicht als direkte Fortsetzung des mittelalterlichen Templerordens, sondern als moderne christliche Templerbewegung.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden Teile der Ordensunterlagen aus Sicherheitsgründen nach Portugal gebracht. Dort übernahm António Campello Pinto de Sousa Fontes eine führende Rolle innerhalb des damaligen Ordens. Nach seinem Tod im Jahr 1960 setzte eine Entwicklung ein, die bis heute nachwirkt.
Nach Darstellung vieler Beteiligter ernannte António de Sousa Fontes seinen Sohn Fernando Campello Pinto de Sousa Fontes testamentarisch zu seinem Nachfolger. Zahlreiche Mitglieder hielten eine solche Weitergabe des höchsten Amtes jedoch für unvereinbar mit den heutigen demokratischen Statuten, die sie als Grundlage der Organisation verstanden. Diese unterschiedliche Auffassung führte zu langjährigen Konflikten.
Aus einer Organisation wurden mehrere
In den folgenden Jahrzehnten entstanden verschiedene unabhängige Richtungen.
Ein bedeutender Teil der europäischen Mitglieder löste sich Anfang der 1970er Jahre von der bisherigen Führung und bildete eine eigene Organisation.
Auch innerhalb der verbliebenen Strukturen kam es später zu weiteren Auseinandersetzungen über Führungsstil, Zuständigkeiten und Satzungsfragen.
Seitdem existieren mehrere internationale Dachverbände, die sich jeweils auf unterschiedliche historische Entwicklungen berufen und ihre Führung nach eigenen Statuten wählen.
Heute gibt es deshalb keine allgemein anerkannte, weltweit einheitliche Leitung dieser modernen Templerorden.
Warum entstehen solche Spaltungen?
Diese Frage betrifft nicht nur Templerorden. Sie findet sich in Kirchen, politischen Parteien, Unternehmen, Vereinen und sogar Familien.
Aus unserer Erfahrung entstehen Spaltungen meist aus mehreren Ursachen gleichzeitig.
- unterschiedliche Vorstellungen über die Leitung des Ordens,
- persönliche Eitelkeit,
- Machtfragen,
- unterschiedliche Auslegung der Satzung,
- fehlende Kommunikation,
- verletztes Vertrauen,
- und manchmal auch finanzielle oder organisatorische Interessen.
Selten beginnt eine Spaltung mit einer einzigen großen Meinungsverschiedenheit. Meist wachsen viele kleine Konflikte über Jahre hinweg, bis sie schließlich nicht mehr gelöst werden können.
Eine Erfahrung, die viele Orden kennen
Leider erleben wir immer wieder, dass auch kleinere oder wenig aktive Templervereine von ähnlichen Entwicklungen betroffen sind. Ein Bruder, der viele Jahre Mitglied war, entscheidet sich, einen eigenen Verein zu gründen. Da der Name „Templer“ grundsätzlich verwendet werden kann, entsteht eine neue Organisation.
Für Außenstehende sieht es häufig so aus, als handle es sich lediglich um eine weitere Niederlassung des bisherigen Ordens. In Wirklichkeit bestehen jedoch oft keinerlei organisatorische Verbindungen mehr.
Für die Mitglieder ist eine solche Situation meist schmerzlich. Freundschaften zerbrechen. Misstrauen entsteht. Jahrelange gemeinsame Arbeit wird infrage gestellt.
Was bedeutet das für den ASTO?
Auch der Alte Souveräne Templer Orden ist sich dieser Geschichte bewusst.
Gerade deshalb legen wir besonderen Wert auf klare Statuten, eine eindeutige geistige Ausrichtung und eine langfristige Ausbildung unserer Mitglieder.
Unser Ziel besteht nicht darin, möglichst schnell zu wachsen. Wir möchten Brüder und Schwestern gewinnen, die unsere christlichen Ideale verstehen und dauerhaft mittragen.
Ein Orden lebt nicht von seiner Größe. Er lebt von seiner inneren Einheit.
Das wahre Erbe der Tempelritter
Die mittelalterlichen Tempelritter wurden nicht durch innere Spaltungen vernichtet. Ihr Ende wurde durch politische Entscheidungen und Verfolgung herbeigeführt.
Die modernen Templerorden dagegen stehen vor einer anderen Herausforderung. Sie müssen lernen, persönliche Interessen hinter den gemeinsamen Auftrag zurückzustellen.
Ein christlicher Ritter fragt nicht zuerst:
„Welche Stellung habe ich?“
Sondern:
„Wie kann ich dienen?“
Wo dieser Geist verloren geht, beginnt jede Gemeinschaft zu zerfallen.
Die wichtigste Lehre
Jeder Orden kann Satzungen schreiben. Jeder Orden kann Titel verleihen. Jeder Orden kann prächtige Gewänder tragen. Doch keine Satzung ersetzt Demut. Kein Titel ersetzt Charakter. Und kein Ordensgewand ersetzt christliche Nächstenliebe.
Darum sollte jeder Templer – gleich welcher Organisation er angehört – stets daran denken:
Wir sind berufen, das Reich Gottes aufzubauen, nicht unser eigenes. Ein Orden, dessen Mitglieder zuerst Gott dienen, wird auch Meinungsverschiedenheiten überstehen.
Ein Orden hingegen, in dem persönliche Eitelkeit wichtiger wird als Brüderlichkeit, trägt den Keim der Spaltung bereits in sich.
Mögen wir deshalb stets das Gemeinsame suchen, Unterschiede mit Respekt behandeln und niemals vergessen, dass der wahre Tempel nicht aus Stein gebaut ist, sondern aus den Herzen der Menschen, die Christus nachfolgen.
